Compliment, Wird in gutem und bösem Verstande genommen. Jn gutem Verstande ist es eine höfliche Begegnung, Höflichkeit in Worten und Geberden, da man sich artig mit Geberden, und zierlich im Reden aufführet, Honorifica & officiosa cum venustis gestibus conjuncta compellatio. Weil des Tantzens wahrer Endzweck die äusserliche Sitten-Lehre und gefällig-machende Aufführung ist; so muß sie allerdings zu einer modesten Positur und Stellung des gantzen Leibes, sittsamen Gestalt des Gesichtes, höflichen und artigen Geberden und einer bescheidenen Kleider-Tracht anführen; die zierlichen Worte überlässet sie der Redekunst. Wer nun hierinnen Maaß zu halten weiß, und weder im Exceß noch Defect pecciret, von dem sagt man, er wisse geschickt zu complimentiren. Allzuviele Ceremonien hingegen und überflüßige Höflichkeiten sind mehr Unhöflichkeiten. Von diesen sagte jener nicht unrecht: Complimentiren hiesse so viel als complete mentiri, oder vollkommen lügen. Es wird aber sodenn dieses Wort in bösem Verstande gebraucht. Eine besondere Bedeutung ist es, wenn man das Wort Compliment für eine Reverence gebraucht, davon am gehörigen Orte.