FeedDrossel
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Drossel, Jst ein Krammets-Vogel, von dem man zweyerley Gattungen hat, nemlich die Weiß- oder Zipp-Drossel, so man auch nur insgemein die Zippe zu nennen pflegt, und die Roth- oder Wein-Drossel. 1) Die Weiß- oder Zipp-Drossel, welcher auch einige den Nahmen Sommer-Drossel beylegen, ist am Rücken Aschen-braun, und also auch oben auf am Kopff, an denen Flügeln und Schwantz, untenher aber sogleich von der Kehle an, dunckelweiß mit schwartzen Düppelgen besprenget, welche sich doch unten am Bauch in etwas verlieren, und denen weissen Federn alleine Platz lassen. Unter denen Flügeln ist sie etwas hellbräunlicht, und eben solche Farbe siehet man auch unten her am Ende des Leibes, oder vielmehr am Anfangs des Schwantzes. Jhre Leibes-Gestalt ist hochbeinigt, und der Grösse nach, wie eine Amsel, ausgenommen, daß die Drossel an der Brust dick aussiehet, auf die Art wie ein Mistler. Sie setzet auch, wie dieser, oder die Amsel, ihr Nest an die Bäume auf- oder zwischen die Aeste, und bringet, nach vierzehen-tägiger Brut, vier oder fünff Junge aus. Jhr Strich gehet an, noch ehe die Krammets-Vögel und Roth- oder Wein-Drosseln ziehen; sie ist aber nicht gewohnt Hauffen-weis, wie diese, zu streichen, sondern vier, fünff bis sechse ist gemeiniglich die gröste Zahl, die man bey ihrem ordentlichen Flug erblicket; zuweilen siehet man zwar viertzig bis funffzig Weiß-Drosseln oder Zippen mit einander fliegen, als welches nur geschiehet, wenn sie eintzeln zusammen stossen, alleine sie bleiben doch nicht lange bey einander, und wehlet bald darauf eine Partey diesen, eine andere Partey aber wieder einen andern Weg. Und wie dieser Vogel seinen Strich bey Zeiten beginnet, so endet er solchen auch sehr frühe, und zwar wenige Wochen nach Michaelis, da er von der Roth- oder Wein-Drossel, als welche besser, denn er, die Kälte vertragen kan, abgelöset wird. Uibrigens lässet er sich auf dem Herde wohl fangen, und suchet seine Nahrung in Wachholder-Drossel-Vogel- oder Ebereschen, auch Arlsbeeren, wie nicht weniger, ehe diese noch zu finden, in allerhand Gewürme; im Vogelbauer aber, wenn man ihn zur Lock einstellet, wird er mit Milch und Hirs-Kleyen gefüttert. 2) Die Roth- oder Wein-Drossel, so auch einige die Winter-Drossel nennen, ist etwas geringer und schmächtiger am Leibe, als die Zipp-Drossel, hat auch sowol am Bauche und Halse, als unter den Flügeln mehr rothes eingesprenget, als jene, und ist mit gelblichten Strichen unter den Augen gezeichnet. Der Kopf ist länglicht gestaltet, und der Schnabel, ob er gleich, wie einer Amsel oder Weiß-Drossel Schnabel geformet, ist doch viel subtiler und etwas schwärtzlichter. Die Füsse sind auch mehr schwärtzlicht, als an der andern Drossel, doch siehet sie eben so hochbeinigt aus. Gleichwie sie mit dem Krammets-Vogel zu einer Zeit kommt und vorbey ziehet, also wird auch davor gehalten, daß sie zusammen ihre Jungen an einem Orte ausbringen, weil man niemals hiesiger Landen dergleichen Brut gefunden hat. Sie ziehet nicht eintzeln, sondern streichet gleich den Krammets-Vögeln mit vollem Hauffen, und fället gerne auf die Herde und Leim-Gestelle, woselbst sie in der Zug-Zeit in grosser Menge gefangen wird. Jhre Nahrung sind, alle bey der Zipp-Drossel erwehnte Beere; nicht weniger geniesset sie alle Sorten Schiß-Beere, und im Frühjahr kleine Schnecken und Gewürme; insonderheit aber belustiget sie sich zur Herbst-Zeit an den Weinbeeren in den Weinbergen, welches vielleicht Anlaß zu ihrem Nahmen Wein-Drossel mag gegeben haben. Weil diese Vögel einen sonderlich angenehmen Geschmack haben, und wegen ihrer Güte nechst den Haasen von vielen vor das allerbeste Wilpret geachtet werden, so pflegt man sie gebraten gerne zu speisen, da sie denn zuförderst gerupffet, ausgenommen, und an einen höltzernen Spieß angesteckt, bey einem nicht gar zu starckem Feuer gebraten werden. Mittlerer Zeit begiesset man sie öffters mit zerlassener, aber nicht brauner Butter, und sprenget ein wenig Saltz darüber; seynd sie aber bald gar gebraten, begiesset man sie nochmahlen mit dergleichen Butter, streuet klar geriebene Semmel darauf, lässet noch hin und wieder einige Tropffen Butter darauf fallen, wovon sie sein gäschten, und ziehet sie endlich gemach von dem Spiesse, daß die Semmel nicht so herab falle, legt sie auf eine Schüssel, darein etwas braune Butter gethan, und garniret sie mit Citronen-Schnittgen. An den Orten, da sie häuffig gefangen und nicht mit Nutzen consumiret werden können, pfleget man sie zu künfftigem Gebrauch folgender Gestalt in Eßig zu legen: Wenn sie gerupffet und ausgenommen, werden ihnen die Beine und Köpffe weggehacket, und wenn sie reine ausgewaschen am Spieß gestecket, und auf den Rost halb gar gebraten, da sie ein wenig gesaltzen und mit Butter bestrichen werden müssen; hierauf leget man sie in ein Fäßgen, welches inwendig mit Eßig wohl benetzet, und in dasselbe eine Boden-Schicht von Lorbeer-Blättern nebst grob gestossener Gewürtz gethan worden, Schichtweise, daß mit den Blättern nebst Gewürtze und den Vögeln abgewechselt wird. Dieses Fäßgen spündet man oben zu, bohret ein Loch in den Deckel, daß ein Zapffen darein gehet, machet Eßig, so viel man benöthiget ist, siedend, lässet ihn wieder kalt werden, und giesset ihn sodenn durch dieses Loch zu denen Drosseln, setzet sie an einen kühlen Ort, und wendet sie alle Tage fleißig um.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 549–552Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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