Eiche, Jst einer von denen gemeinsten, bekanntesten und nutzbarsten Bäumen, und sowol unter dem schwartzen und harten Gehöltze, als auch in Brahnen zu finden, wie er denn fast aller Orten, auf Bergen und in Thälern, es sey in schwartzen, sandigten oder leimigten Boden, fortkommt, iedoch an der Sommer-Seiten und in Gründen viel mastiger, als an denen steinigten Höhen und Sommer-Bergen wächset, wiewol eine auf diese Art an der Sommer-Seite erwachsene Eiche, wegen ihrer kleinern, und wie ein Horn auf einander gewachsenen Jahre weit fester und zum Geschirre viel dauerhafftiger ist, als die, so im Grunde und an der Winter Seite aufgekommen. Diejenige Eiche aber, so in schwartzem, als Fichten-Tannen- oder Kieffern-Holtze sich befindet, wächset zwar schön gerade in die Höhe, weil ihr das schwartze Holtz den Gipffel immer mit zusammen hält, und sie nicht so sehr, als wenn sie frey stünde, in die Seiten-Aeste sich ausbreiten und sömmern läßt; alleine, weil sie auf solche Art schatticht erwächset, wird sie dahero brosch und brüchig, und ist also nicht wohl zum Bauen, Pfosten-Klötzern und dergleichen zu nutzen. Man zehlet insgemein dreyerley Arten von Eichen, welche aber nicht aller Orten gleich, ja selten zwey Arten beysammen zu finden, welche hier so, und anderer Orten wieder anders genennet werden. Die gemeinste Art von Eichen, welche auf Feldern, Wiesen und Angern wachsen, und von den meisten den Nahmen Stein-Eiche bekommen, hat einen niedrigen starcken Stamm, aber dabey viele grosse und weit ausgebreitete Aeste, und kleinere Blätter als die andern beyden Arten, von dunckel-grüner Farbe; und diese träget die meisten Eicheln, so zur Mastung der Schweine absonderlich dienen, weil sie grösser und süsser sind, als die auf andern Eichen wachsen; so hat sie auch ein weit härteres Holtz zum Bauen, wenn sie nur wegen ihrer Kürtze und ästigen Wuchses darzu tauglicher wäre. Die Hasel-Eiche hat einen geraden und hohen Stamm, aber desto weniger fruchtbare Zweige und Aeste, träget auch nicht so viel, und noch darzu kleinere Früchte, als die erste. Sie wächset meistens in Heiden und Wäldern, und wird von einigen Loch-Eiche oder Roth-Eiche genannt; das Laub derselben ist etwas grösser, aber an Farbe lichter als der Stein-Eiche. Der Safft färbet die Axt blau, dahero die Färber solches Holtz gerne gebrauchen. Die dritte Art wird die Zirn-Eiche, ohne Zweiffel von dem Lateinischen Wort Cerrus genannt, welche die beyden ersten Arten an Höhe des Stammes übersteiget, und gleichfalls wenig Früchte träget, welche noch dazu so klein sind, daß sie kaum aus ihren Mützgen oder Käppgen heraus sehen. Diese beyden letzten Gattungen taugen zum Bauen, die erstere hingegen, wie gedacht, hauptsächlich zur Schwein-Mastung. Sonsten ist iegliche von diesen nur beschriebenen Arten am besten und schicklichsten von der Frucht, das ist, von der Eichel aufzuziehen; Denn wenn er vom Stocke wieder aus und in die Höhe wächset, so wird er nicht so gerade und geschicklich wie andere. Ob wohl einige diesen Baum schneideln, so geschiehet es doch nie mit Nutzen, und mehrentheils nur von unverständigen Hauswirthen, indem durch das Schneideln der Safft auf allen Seiten des Hiebes heraus und in die Schößlinge dringet, folglich denen Gipffel-Aesten, als die er nicht erreichen kan, dadurch die benöthigte Nahrung entzogen wird, daß also ein auf solche Art behandelter Baum, von wegen der Nässe, mit Gewalt von oben hinein faulet, und mülmigt wird; dahingegen er, ausser solchen Fall, einer von denen festesten und dauerhafftesten Bäumen ist, von welchem die Naturkündiger schreiben, daß er hundert Jahr wachse, hundert Jahr stille stehe und gesund bleibe, und hundert Jahr an seinen Kräfften wieder abnehme oder eingehe. Seine Knospen, welche sehr zart und empfindlich sind, hält die Natur unter allen Bäumen am längsten zurücke, damit sie nicht von dem Froste Schaden nehmen, und zu Grunde gehen mögen. Er ist auf denen Schlägen vor andern Bäumen wohl zu dulten, indem er dem jungen Unterwuchs nicht so nachtheilig mit Unterdrucken ist, noch mit seinen Wurtzeln, nach Proportion seiner Stärcke, so weit, wie die Linde oder Buche, um sich greiffet, sondern seine Geilung und Safft am meisten durch die Hertz-Wurtzel erhält. Uibrigens machen starcke Fröste denselben gerne Eis-klüfftig. Von diesem Baum kan man alle Theile brauchen, nemlich das Laub zur Streu und zur Düngung, ingleichen auch zum Fleisch-Räuchern; die Früchte, nemlich die Eckern oder Eicheln, zur Schweine-Mastung, und die auf den Blättern wachsende Eich- oder Gall-Aepffel zum Färben und zur Dinte; das Holtz theils zum Bauen, besonders zum Schiff-Bau, Mühl- und andern Wasser-Gebäuden; theils zu Böttger-Holtz; theils aber, was zu erstgedachtem Gebrauch nicht tauglich, zum Maltz-Darren und Ziegel-Brennen, auch eine gute warme Stube zu machen. Die Rinde davon wird doppelt genutzet, indem sie erstlich von denen so genannten Roth- oder Loh-Gerbern zu ihrer Häute-Gare häuffig gebraucht, nachgehends zu Loh-Ballen oder Loh-Kuchen gemacht, und mit besonderer Menage, stat des Holtzes, den Winter durch im Ofen verbrannt wird. Ja so gar der aus den Stöcken und Aesten der alten Eichen gewachsene Schwamm hat seinen Nutzen, und dienet sowol zum Färben, als auch, wenn er in einer scharffen Salpeter-Laugen abgekocht, getrocknet und wohl geschlagen worden, als ein Zunder zum Feueranmachen. Uiber dieses haben auch alle vorher beschriehene Stücke des Eichbaums ihren besondern Nutzen in der Artzney: Denn das Holtz und die Späne gesotten und davon getruncken dienen vor die geschwollene Füsse, Wassersucht und Frantzosen, weswegen das Eichen-Holtz auch Lignum Sanctum vel Guajacum Germanorum, oder das Deutsche Frantzosen-Holtz genennet wird. Die Blätter sind gut vor das Zahn-Weh und faule Zahn-Fleisch. Die Würmlein, so zwischen dem Holtz und der Rinde seyn, dienen vor das blöde Gehör und Ohren-Klang. Die Eichen sind nützlich gegen den Stein, Mutter-Beschwerung, gifftiger Thiere Biß und Blut-Harnen. Die Schwämme stillen das Bluten. Der Eichen-Mistel wird vor die schwere Noth, rothe Ruhr, und schwere Geburt gebraucht; äusserlich am Hals oder Arm getragen, stärckt er die Frucht im Mutterleibe; mit Hartz und Wachs zu einem Pflaster gemacht, zeitiget er die Beulen und Geschwäre. Ja aus denen frisch gehauenen eichenen Holtz-Spänen hat man auch einen ziemlich guten Eßig zuzubereiten gelernet.