Falck, Jst einer von den edelsten Raub-Vögeln, welcher auf besondere Art von den Menschen dergestalt gezähmet und abgerichtet werden kan, daß er nach seines Herrn Willen in freyer Lufft andere Vögel oder Thiere greiffet, bey demselben, seiner vorigen Freyheit vergessend, sich iederzeit wieder einstellet, und das gefangene Wildpret überbringet. Die Falcken sind nicht allein nach der Landes-Art und mancherley Raubes, sondern auch an Gestalt, Farben und Federn sehr unterschieden, indem einige groß und lang, andere dagegen kurtz und dicke, einige braun, einige gelb, andere grau oder blond zu finden. Die Falcken auf dem Lande und im Gebirge haben gelbe Hände, dagegen haben die, so an der See-Küsten oder am Strande sich aufhalten, und von Tauchern oder andern Wasser-Vögeln sich nehren, etwas grünlichte. Jm ersten Jahre werden einer ieden Art Falcken fünf unterschiedliche Nahmen beygeleget: Nemlich Niais, wenn er in der Gegend, da er gehecket ist, oder nach seinem ersten Ausfluge, welcher im Majo geschiehet, gefangen, oder aber aus dem Neste gehoben worden, da er seinem Nahmen nach, noch einfältig, tumm und läppisch gewesen. Wenn er im Junio, Julio und Augusto gefangen, und also im Sommer schon begierig und hurtig worden, heisset man ihn Gentil. Vom September bis in December nennet man ihn Passagier, einen Fremden oder Landstreicher, welcher des Herbsts seinen Zug halt, wird er aber jährig, so wird er Antanaire oder Antenido genennet, dieweil er wieder zurück flieget, und das erstemal zu nisten vermeinet, ob er gleich noch nicht vermauset hat; nach dem Vermausen aber heisset er endlich Hagard, weil er, wenn er alsdenn erst gefangen wird, eigensinnig, wild, und daher übel zu zähmen ist. Die bekanntesten Arten der Falcken sind folgende: Der
Sacre oder Sacker-Falck (Groß-Falck) welcher aus Jrrland und Podolien, auch aus der Tartarey, Cypern und Candia zu uns gebracht wird, hat einen kleinen und oben flachen Kopff, einen kurtzen und starcken Schnabel, grosse weite eröffnete Nasen-Löcher, runde und helle Augen, einen langen und starcken Hals, breite Brust und Rücken, grosse Flügel-Bogen, lange Schenckel, grosse knorrichte Füsse, schwartze scharffe Klauen, und einen langen Schwantz. Er ist von widerspenstiger tückischer Art, dahero man auch grosse Gedult mit dessen Abrichtung haben muß, weil er aber ein arbeitsamer starcker Vogel ist, so braucht man ihn, Kraniche, Reiger oder Reiher, wilde Gänse, Rehe und Hasen damit zu baitzen. Wenn man ihrer zween zusammen auf eine Stange stellet, so werden sie bald zahm. Der
Lanier oder Schwimmer ist zwar auch tückisch, aber darbey von grosser Geschwindigkeit, und sehr gut zum Hasen-Baitzen, muß aber wohl abgetragen werden, ehe er zahm wird. Er liebet die Hunde von Natur, und folget ihnen gerne nach. Man fänget ihn meistens in Sicilien, da er auf hohen Bäumen und Felsen horstet. Jn unserm Deutschland wird er der Schwimmer genannt, weil er im Fliegen sich gleichsam, wie einer, der im Wasser schwimmet, zu bewegen pfleget. Der
Ger-Falck, Gerfaut, ist etwas kleiner, als ein Adler, iedoch grösser, als ein Habicht, und kan als einer von denen wackersten und stärcksten Vögeln wegen seines schnellen Fluges und hohen Steigens vortrefflich zur Reiger-Baitze gebrauchet werden. Er kommt aus Jrrland und Norwegen, und achtet der kleinen Vögel nicht, sondern stösset nur die grossen, als Kraniche, Schwanen, Reiger, Trappen etc. doch giebt es auch einige darunter, die sich auf die Rebhüner gut abrichten lassen. Der
Alphanet, welcher aus der Barbarey kommt, wird unter allen Falcken vor den lustigsten und schönsten Vogel gehalten, und zur Hasen- und Rebhüner-Baitz abgerichtet. Er ist gemeiniglich blond von Federn, und steiget sehr hoch, daß er bey hellem Wetter kaum zu sehen, und ob er schon mehrentheils kleiner ist als der Lanier oder Schwimmer, so findet man iedoch etliche so groß als die Sacker-Falcken, welche sehr gut, und sich zu allerhand Weidwerck gebrauchen lassen. Der
Berg-Falck hat eine runde Brust, kurtzen Leib und langen Schwantz, starcke und sehr gelbe mit scharffen Fängen begabte Hände. Auf dem Rücken und ausserhalb den Flügeln ist er Aschen-grau, welche Farbe aber ie länger ie lichter, und nachdem er sich vielmal gemauset, immer zu gelb-färbiger wird. Er ist gar wilder Art, und fänget nur die grossen, aber keine kleine Vögel. Der
Hager-Falck ist nicht groß vom Leibe, und nicht viel grösser als ein Sperber, aber gar starck und muthig, hat einen breiten Kopff, feurige Augen, einen kurtzen Hals, sehr lange Flügel, starcke Knochen und kurtze Beine, welche aussehen, als ob sie schuppicht wären, wie eine Schlange oder Eydexe seyn mag. Dieser Falck, welcher sein Nest auf hohe und fast unersteigliche Felsen macht, ist leichtlich abzurichten, und gut mit ihm umzugehen. Sein Raub sind mehrentheils grosse Vögel, als Reiger, Kraniche, wilde Gänse und dergleichen. Der
Kohl-Falck ist vom Leibe etwas kürtzer als der Berg-Falck, hat einen grossen Kopff, lange Schwingen, und dergleichen Schenckel, kurtze Füsse und kurtzen Schwantz, aussen an demselben sowol, als an den Flügeln, ist er gantz schwartzbraun, an der Brust aber schwartz gesprenget, und hat unter den Augen schwartze mit dunckel-brauner Farbe schattirte Maassen oder Flecken. Der
Weisse Falck ist gegen dem vorigen mit vieler weisser Farbe gesprenget und vermenget, hat auch gröbere Füsse und Knochen als derselbe, und wird aus den mitternächtigen Ländern zu uns gebracht. Der
Rothe Falck wird also genennet, weil er in Ausstreckung seiner Flügel eine dunckle Röthe zeiget, und was sonst an andern Falcken weißfleckigt, das ist an diesem roth mit schwartz gesprenget. Dieser Falck ist etwas kleiner als die vorigen, doch starck an Klauen, Schnabel und Füssen, auch schnell im Flug, welches er iedoch nicht lange aushalten kan. Der
Baum- oder Lerchen-Falck ist zwar ein kleiner, iedoch schöner und hertzhaffter Vogel, der sich aber nimmermehr zum Baitzen abrichten läßt. Zum Lerchen-Fang hingegen ist er trefflich wohl zu gebrauchen, denn wenn man ihn nur in der Mause-Zeit der Lerchen, das ist, zu Ende des Augusti auf der Hand trägt, und wenn die Lerchen auffliegen, denselben etwas in der Lufft flattern läst, so werden die Lerchen so furchtsam, daß sie gleich zur Erden fallen, und sich fast mit den Händen greiffen lassen, mithin durch den Tirasse oder Haar-Schlingen gar leichte gefangen werden können. Von dem Blau-Fuß und Sperber, so gleichfalls Falcken-Arten sind, ist unter ihrer specialen Benennung gedacht. Aus denen vielerley Arten der Falcken entstehen manchmal Bastarte, wenn sie sich in der Brunst-Zeit vermischen, welche iedoch offtmals zum Baitzen gar wohl zu gebrauchen sind. Die Falcken fänget man auf unterschiedliche Arten, und zwar, wie alle andere Raub-Vögel, mit aufgerichteten Garnen, Wänden, Rinnen, Schleiffen, Leim-Ruthen etc. und Habichts-Fängen. Wenn man junge Falcken ausnimmet und aufziehen will, muß man ihnen allezeit frisches Fleisch von jungen Tauben und Wald-Vögeln geben, das nicht über einen Tag alt sey, dieselben aber damit nicht überladen, und sie also neun Monat alt werden lassen, ehe man sie auf die Hand sitzen lässet. Wenn man sie zum Aufsitzen gewöhnen will, muß man sie erst auf Stangen und Aesten von Bäumen aufsitzen lernen; hernach werden sie durch langwieriges Wachen, welches sie zahm und kirre machen muß, zum Hauben-Tragen, und folgends zum Luder und auf Weidwerck gewöhnet, indem man sie ins Feld nimmt, und ihnen daselbst allerley Thiere zeiget, darauf sie sollen abgerichtet werden. Das Baitzen mit diesen Vögeln geschiehet folgender Gestalt: Man reitet, indem der Falcke verkappt auf der Hand sitzet, auf die Refier, und hat kleine Spür-Hunde bey sich, wenn nun diese was auftreiben, so macht man dem Falcken das Gesichte frey, und wirfft ihn auf den Raub zu, auf welchen er in einem Bogen-Schusse zustösset; so bald er etwas gefangen, so setzet er sich nieder, und lässet sich von dem Falckenier den Raub mit guter Manier abnehmen, der ihm denn alsobald etwas vom Geäse giebet. Wenn der Falcken Mause-Zeit ist, das ist, wenn ihnen die alten Federn ausfallen, und neue dafür wachsen, welche gemeiniglich zu Ende des Mertzen ihren Anfang nimmet, so muß man ihnen kurtz vorhero in Baum-Oel genetztes Schaaf-Fleisch, das in frischem Wasser ein wenig abgeschlagen worden, vorgeben. So offt man ihnen aber frisches Geäse vorleget, so offt muß man ihnen auch das alte Geäse wegnehmen. Sie müssen auch vor Endigung ihrer Mause-Zeit, ehe man sie aus dem Zimmer, worinnen sie solche Zeit über eingesperret gewesen sind, heraus nimmt, mit einer gelinden Purgation gereiniget werden. Ein vermauster Falck wird genennet, welcher seine Federn nur erst einmal verändert hat; ein madrirter Falck aber, welcher solche mehr als einmal erneuert hat. Von denen Falcken wird also Weidmännisch gesprochen: Der Falck zeucht in die Höhe; der Falck senckt sich wiederum: der Falck sieht auf den Raub; reißt den Raub mit den hintern Klauen; der Falck greifft an, liegt unter, verlieret das Feld. Jhre Nester heissen Gestäude. Wenn sie gefangen, werden sie mit Reuschhauben gehaubt; wenn man sie aber anfängt zu tragen, alsdenn werden sie erst recht gehaubt. Sie stehen auf der Hand oder Stange, und sitzen nicht. Sie werden berichtet, und nicht zahm gemachet; man locket und ätzet sie auf das Luder; das Luder giebt man aus; sie werffen alle Morgen ihre Gewölle, das ist, sie speyen die Haare oder Federn, welche sich von dem des vorigen Tages von ihnen genossenen Raube oder Aetzung in dem Kropffe gesammlet haben, wieder aus, ausserdem sie sonsten nicht das geringste zu schlagen oder zu fangen tüchtig sind. Wenn sie fliegen, nennt man es steigen. Sie schlagen die Reiger oder wilde Enten von oben herab, und steigen alsdenn wieder. Jhre Flügel nennet man Schwingen, ihre Füsse aber Hände. Wenn sie sich verirren, fallen sie in ein ander Land; an stat daß man spricht: Man habe den Falcken los gelassen, muß man sagen: Man habe ihn geworffen. Der Falcke blockt, oder hat geblockt, heißt, wenn er sich, nachdem er ein Rephun aufgetrieben, nach seinem Vortheil auf einen Baum oder Busch setzet. Ludern heißt den Falcken mit Schwingung des Luders, Feder-Spiels oder Handschuhes zu sich locken.