FeedHamster
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Hamster, Jst ein höchstschädliches Thier, welches den grössesten Ratten an Grösse nichts nachgiebet, und für eine Art grosser Feld-Mäuse gehalten wird, ob es gleich mit denselben wenig Gleichheit hat: Denn die Farbe des Rückens kommt schier den Hasen bey, am Bauche siehet er schwartz, auf beyden Seiten hellroth, und hat auf ieglicher Seite noch drey weisse Flecken; die Schläfe sind röthlicht, der Hals weiß, die Füsse kurtz, und nach der Dicke des Leibes proportioniret. Die Haare stehen so feste auf der Haut, daß sich eher die Haut von dem Fleisch, als die Haare von der Haut absondern lassen. Er wohnet in der Erde, darein er ein tieffes Loch gräbet, und seinen Bau auf eine verwundernswürdige Art macht, auch in denselben allerhand Getreide-Körner, als Weitzen, Roggen, Dinckel, Gerste, Erbsen und dergleichen, in grosser Menge einträgt, und auf den Winter zu seiner Speise aufhebet. Solch Eintragen aber verrichtet er mit den im Maule an beyden Backen von der Natur ihme mitgetheilten Beuteln oder Säcken, welche er voller Körner sammlen kan, ohne daß man ein einiges in seinem Rachen siehet, und solche auch wieder dergestalt auszuleeren weiß, daß keines darinne bleibet. Diese Säcke oder Beutel kan man, wenn er todt ist, zum Maul heraus ziehen, und umkehren, wie die Schubsäcke. Sein Bau oder unterirdische Wohnung ist groß und weitläufftig, in verschiedene viereckigte nett und glattgebaute Zimmer abgetheilt, davon er eines zu seiner Wohnung, und eiin dem übrigen Gebäude aber findet man seinen Vorrath an Getreid- und Hülsen-Früchten, und zwar iede Sorte besonders so schön aufgeschüttet, daß es auf einem wohleingerichteten Getraide-Boden nicht ordentlicher gefunden werden kan: von iedem auch nicht wenig, so gar daß mancher Hamster-Fänger nur an dem von zehen bis zwantzig Hamstern eingetragenen Vorrath sich und die Seinigen auf den Winter mit Brot und Hülsen-Früchten versehen kan. Es bleibet aber der Hamster iederzeit gerne in dieser seiner künstlich erbauten Höhle, lässet sich auch nicht leichtlich daraus vertreiben, man giesse ihm denn Wasser, welches er gar übel vertragen kan, in dieselbe, oder grabe ihn aus. Sobald er dieses letztere mercket, so stellet er sich in der ersten Kammer in Positur zur Gegenwehr, und machet sich mit Springen und Beissen trefflich unnütze; wenn er aber den Ernst siehet, und die Todes-Angst empfindet, so läufft er von einem Zimmer in das andere, bis er endlich nicht weiter kan; alldorten erwartet er seinen Tod mit grosser Hertzhafftigkeit, springet allen denen, so ihme zu nahe kommen, unvermerckt nach dem Gesichte, und wo er einen erwischt, so bezahlet er ihn dergestalt, daß er wünschte, er wäre dem ergrimmten Hamster nicht so nahe getreten; trifft man ihn aber mit einer Spate oder Rade-Hacke auf den Rücken, so ist er augenblicklich todt: denn allda ist er am schwächsten; welches dieses schlaue Thier auch wohl weiß, darum wird es niemals gerne den Rücken bloß geben, sondern gemeiniglich auf den zwey Hinter-Füssen sitzend, mit der Schnautze und den Vörder-Füssen sich in den Streit einlassen. Eben dergleichen Positur macht er auch, wenn er frist, indem er auf den Hinter-Füssen sitzet, und mit den Vörder-Füßlein die Speisen hält. Er wird von etlichen, wie die Eichhörnlein, gebraten und gegessen. Sein Fleisch aber soll sehr ungesund seyn, und und im Uiberfluß genossen, Grind und Aussatz verursachen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 993–995Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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