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PflanzenreichFrauenzimmer-Lexicon 1715

Ambra, Ambre, ist ein gelblichtes offt gesprenckeltes und mit schwartzen Adern durchlauffenes leichtes Hartz eines überaus wohlriechenden Geruchs, wird meistens aus Ost-Indien gebracht, allwo es in Klumpen von unterschiedener Grösse auf dem Meer treibend gefunden wird; weilen die so genannten Bienen in America ihr Wachs und Honig an die ausgehöleten Felsen der Indianischen See-Küsten legen, und selbiges hernach, wenn es die Sonne zerschmeltzt, wegen seiner Schwere ab und in das Meer fällt. Er wird eingetheilet, in gelben oder grauen, welches der beste ist, in schwartzen, der keine sonderliche Krafft hat, und in Ost-Indien an Königlichen Höfen zum Fackeln gebraucht wird, und in moschadirten oder gemachten Ambra, so aus allerhand schönen Speciebus componirt wird. Der Ambra wird nicht nur wegen seines angenehmen Geruchs, den er bey sich führet, sondern auch deßwegen, weil er die Lebens-Geister stärcken und erquicken soll, von denen Köchen unter ihre Gelees genommen, um selbige dadurch desto annehmlicher zu machen, wiewohl es nicht allezeit dienlich, massen sich öffters bey denen Taffeln Personen, so wohl Männlichen als Weiblichen Geschlechtes befinden, denen dergleichen Geruch von Natur zu wieder ist.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 59–60Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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