Noblesse, Der Adel ist ein rechter Schmuck, welcher Schwerdt und Scepter, Cron und Haube, Hut und Krantz bey sich führet, und ist der tapfern Helden ihr Sold, und der Edelleute ihr Lohn, deren Blut von den Helden und Ahnen wol herstammet, aber nicht angeerbt werden kan, weil wir von Natur nicht zur Tugend, sondern mehr zu Lastern geneigt sind. So kommt es demnach auf eine Christliche und sorgfältige Erziehung an, wenn man den Adel nicht nur dem Geblüte, sondern auch dem Gemüthe nach erhalten will. Das Leben eines wahren Edelmanns solte so beschaffen seyn, daß er mit Wahrheit sagen kan: Et genus & proavos, & quæ non fecimus ipsi, vix ea nostra puto.
Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1607–1608Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0