Wachtel-Garn, Steck-Garn, Jst ein niedriges Garn, welches bey dem kleinen Vogel-Fang gebraucht, und den Wachteln damit gestellet wird. Man befestiget es an kleine Furckeln, welche von einigen Spiesse, von andern aber Spillen oder Pfal-Höltzlein genennet werden, und steckt es damit in die Aecker und Felder. Die Wachtel-Garne hat man verschiedener Farben, als grün, bunt, Erdfarb oder gelblich. Jn der ersten Kornschosse, und in den Wiesen sind die grünen gut, wenn aber das Geblüme darinne wächset, die bunten, und so sich das Getreide färbet, alsdenn die Erdfarbenen und gelben. Wiewol die grünen von einigen durchgehends für die besten gehalten werden, indem sie nicht allein, wenn die Aecker noch grün, zu gebrauchen, sondern auch alsdenn noch können genutzet werden, wenn das Getreide wircklich reiff, als welches, ob es schon den Halmen nach gelb siehet, doch unten gegen dem Boden zu von dem Unkraut gemeiniglich auch die grüne Farbe von sich blicken lässet. Wenn die Wachteln schlagen, so folget man ihrem Schlagen nach, bis einen bedüncket, daß man nahe bey ihnen sey, damit sie das Wachtel-Pfeifflein schlagen hören, alsdenn stellet man das Wachtel-Garn qver durch die Furchen gerade auf, dücket sich fein nieder in das Getreide, begiebt sich einen Schritt oder etliche zurück, und schläget zweymal als das Weiblein, aber ja nicht dreymal, wie die Männlein zu schlagen pflegen, so gehet das Männlein, in Meinung, es habe ein Weiblein schlagen hören, dem Ruff nach, und geräth darüber in das aufgestellte Wachtel-Garn, in welchen es sich selbsten fänget. Wenn nur noch einzelne Frucht stehet, stellet man die Wachtel-Garne, so viel man will oder deren hat, machet eine Schnur mit Lapp-Federn, und bindet unter selbige Schellen. Diese Schnur lässet man von ihrer zweyen nach dem abgerichteteten Gärnlein zuschleppen, und weil die Wachteln dem Geräusche der Schellen zu entfliehen, dem Garne zulauffen, so fallen sie endlich gar darein und werden gefangen.