FeedHeideloff (Karl Alexander von)
BaukunstBrockhaus 1882

Heideloff (Karl Alexander von), ausgezeichneter Architekt, Sohn des vorigen, geb. 2. Febr. 1788 zu Stuttgart, machte seine Studien auf der dortigen Kunstakademie unter Leitung seines Vaters, Scheffhauers und Danneckers, und wurde 1818 als Lehrer und städtischer Baumeister in Nürnberg angestellt. Hier fand er in der Ausführung eines Grabmals für den letzten Fürst-Bischof von Bamberg zuerst Gelegenheit, seine Studien des mittelalterlichen Baustils in Anwendung zu bringen. Er wurde 1822 Professor an der Polytechnischen Schule zu Nürnberg, in welcher Stellung er bis zu seiner Emeritierung 1854 wirkte. Nach zahlreichen Reisen zu kunsthistor. Zwecken begann H. eine Reihe eigener Schöpfungen, meist in Nürnberg und der Umgegend. Der neue Altaraufsatz zu St. Sebald, der Dürersbrunnen, die Herstellung des Portals der Frauenkirche, der gänzliche Umbau und die neue Dekoration der St. Jakobskirche sind Zeugnisse seines Strebens, den german. Stil mit seiner alten Schönheit wieder ins Leben zu rufen. Auch das schöne Plattnersche Haus in Nürnberg mit Balkon und Säulen von Gußeisen fällt in diese Zeit. Unter den außerhalb Bayerns nach seinen Plänen ausgeführten Bauten zeichnen sich besonders aus: das Lustschloß Reinhardsbrunn, der Rittersaal in der Feste zu Coburg, die Schlösser Landsberg und Altenstein, die Begräbniskapelle in Meiningen, das Schlößchen Rosenburg bei Bonn, die Restauration des die Kavel. Erzählung berühmten Lichtenstein und die Kapelle des Schlosses Rheinstein bei Bingen. Die Restauration des Doms von Bamberg ist völlig sein Werk. Hieran schließen sich von seinen spätern Arbeiten: die gründliche Restauration von der Sebaldus⸗ und der 11 . in Nürnberg, das Denkmal des Generals Byström in Kissingen und die kath. Kirche in Leipzig. Sein letztes Werk war die Restauration der Ritterkapelle zu Haßfurt, wo er auch 28. Sept. 1865 starb. Neben seinen zahlreichen Bauten und Umbauten hat sich H. im Porträt, in der kleinern malerischen Komposition larchitektonische Aquarellen) und in der Radierung ausgezeichnet, auch viele geschätzte Schriften, besonders über das Baufach geliefert. So erschienen von ihm: Die Lehre von den Säulenordnungenv (Nürnb. 1827), Der kleine Vignolav (Rürnb. 1832; 3. Aufl. 1852), Die architektonischen Glieder, deren Konstruktion, Zusammenstellung und Verzierung » (2 Hefte, Nürnb. 1831) „Der Bau⸗ und Möbelschreinery (4 Hefte, Nürnb. 1832—37), Der Tünchero (Nürnb. 1835), Der kleine Grieche (NRürnb. 1836), Der kleine Byzantinerd (Nürnb. 1837), Architektonische Entwürfer Heft 1 u. 2, Nürnb. 1850—51), Der kleine Altdeutsche (Gote)v (1. Kurs, Nürnb. 1849; 2. Kurs, 1850; 3. Kurs, 1851), (Anleitung zur Schattenkonstruktiono (4. Aufl., Nürnb. 1859) u. s. w. Sein berühmtestes Werk ist die Ornamentik des Mittelalters 5 (24 Hefte, Nürnb. 1838—52; Supplemente, 1855 fg.). Schätzbare Beiträge zur Geschichte der mittelalterlichen Kunst lieferte er z. B. in «Der christl. Altars (Nürnb. 1838), „Die Bauhütte des Mittelaltersy (Nürnb. 1844), sowie in den Kupferwerken : Nürnbergs Baudenkmale der Vorzeitv (vollständige Ausg. Nürnb. 1854), Die Kunst des Mittelalters in Schwabeno und „Baudenkmale aus Schwaben» (Heft 1—6, Stuttg. 1854—61). H.s Bedeutung kann nur eine relative genannt werden, indem sein Streben auf noch ungenügenden Vorarbeiten der Wissenschaft ruhte und dadurch insbesondere das wahre Verständnis des konstruktiven Elements in der Gotik seinen Schöpfungen fehlt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 24Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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