FeedHugenottenkrieg
GeschichteBrockhaus 1882

Hugenottenkrieg eröffnen. Jedoch schon im Sept. 1577 wurde vom König zu Bergerac auf Grund der frühern Bedingungen Friede geschlossen, und Katharina trat aus Besorgnis vor den ehrgeizigen Plänen des Herzogs von Guise mit Heinrich von Navarra zu Nerac in geheime Unterhandlungen, die den Protestanten noch einige Sicherheitsplätze eintrugen. Da indes der Hof diesen Vertrag verletzte, so eröffnete Conde im Nov. 1579 den Krieg (siebenten Hugenottenkrieg wieder mit der Einnahme von Lafere, Heinrich von Navarra im April 1580 mit der Eroberung von Cahors. Unter Vermittelung des Herzogs von Anjou (Alencon) schlossen aber die Protestanten bereits 12. Sept. 1580 zu Flex wieder Frieden, der ihre alten Gerechtsame anerkannte. Die langersehnte Waffenruhe dauerte nun bis 1584, wo durch den Tod des Herzogs von Anjou Heinrich von Navarra die nächsten Ansprüche auf den franz. Thron erhielt. Die Guisen schritten bei diesem Ereignis aufs neue zur Errichtung der Ligue, verbanden sich mit Spanien und dem Papst zur Ausrottung der Ketzerei, erklärten den Kardinal von Bourbon zum Thronfolger und begannen den Kampf gegen den König und die Protestanten zugleich. Auf Betrieb seiner Mutter mußte Heinrich III. nach einem zu Nemours 7. Juli 1585 geschlossenen Vergleich die Protestanten aller ihrer Rechte verlustig erklären. Zugleich entwickelte eine zu Paris unter dem Namen der Sechzehner zusammengetretene Ligue den furchtbarsten Fanatismus. Nachdem die Protestanten aus England Geld, aus Deutschland Heeresmacht herbeigezogen, begannen sie den achten Hugenottenkrieg. Von den drei Armeen des Hofs wurde die eine unter dem Herzog von Joyeuse 8. Okt. 1587 von Heinrich von Navarra bei Coutras gänzlich geschlagen. Heinrich von Navarra benutzte jedoch diesen wichtigen Vorteil nicht, und der Hof konnte unangefochten das deutsche Heer aus Frankreich vertreiben. Der Herzog von Guise, der alle Gewalt an sich gerissen, zwang den König 19. Juli 1588 zum sog. Reunionsedikt von Rouen, welches die Ausrottung der Ketzer durchs Schwert und die Thronausschließung Heinrichs von Navarra proklamierte. Indessen traten die Absichten des Herzogs von Guise auf eine Thronrevolution so deutlich hervor, daß der König den Herzog und dessen Bruder, den Kardinal, im Sept. 1588 auf dem Reichstage zu Blois ermorden ließ. Von der kath. Partei, die besonders die Hauptstadt beherrschte, nunmehr verlassen, mußte sich der König den Protestanten in die Arme werfen. Heinrich III. zog inmitten der prot. Truppen gegen das im Aufruhr begriffene Paris, wurde aber während der Belagerung 1. Aug. 1589 von dem Mönch Clement ermordet, sodaß die franz. Krone jetzt dem Haupte der Reformation, Heinrich von Navarra, zufiel. Die Lage der Protestanten veränderte sich zwar hiermit, wurde aber nicht sehr gebessert. Als der König, um in den völligen Besitz seiner Krone zu gelangen, im Juli 1593 zur kath. Kirche übertrat, entzogen sie dem König ihre Hilfe und dachten an die Wahl eines neuen Hauptes. Endlich unterzeichnete Heinrich, nachdem er die Ligue gebrochen, während der Friedensunterhandlung mit Spanien 13. April 1598 das berühmte Edikt von Nantes, das in 91 öffentlichen und 51 geheimen Artikeln die Rechte der Protestanten sicherte und erweiterte. Dieselben erhielten freie Religionsübung, mit Ausnahme einiger Städte, wie Rheims und Soissons, wo besondere Verträge entgegenstanden; auch durften sie fortan Synoden, selbst unter Zuziehung auswärtiger Protestanten, halten. Der Staat ge— währte jährlich die Summe von ungefähr 45000 Thlrn. zur Unterhaltung ihrer Geistlichkeit; ihre Söhne konnten gleich den Katholiken auf franz. Schulen studieren. Ebenso wurde den Protestanten der Zutritt zu allen Amtern und Würden und die Besetzung der bei den Parlamenten schon frü— 2. zur Schlichtung der Parteihändel errichteten ribunale (Chambres miparties) zur Hälfte gestattet. Die Sicherheitsplätze endlich sollten sie noch acht Jahre behalten. Das Parlament bestätigte das Edikt erst 25. Febr. 1599. Unter Heinrich IV., dessen Minister Sully selbst u ihnen zählte, lebten nun die Protestanten in Frieden. Als sich jedoch Maria de Medici, die Witwe Heinrichs IV., während der Minderjährigkeit Ludwigs XIII. der Regierung bemächtigte, begannen neue Prüfungen. Zwar beschwor der König 1614 das Edikt von Nantes; die Heiratsbündnisse mit dem span. Hof aber steigerten die Besorgnisse der Protestanten in dem Grade, daß sie im Nov. 1615 mit dem im Aufruhr begriffenen Prinzen Heinrich II. Condé gemeinschaftliche Sache mach— ten. Obschon sie nochmals im Vertrage zu Loudun (4. Mai 1616) die Freiheit des Kultus bestätigt erhielten, wartete doch der Hof auf eine Gelegenheit, wenigstens ihre polit. Stellung zu brechen. Schon im Juni 1617 befahl der schwache König durch ein Edikt die Unterdrückung der prot. Kirche und der polit. Privilegien der Landschaft Béarn. Die Kanzlei zu Pau verweigerte die Einregistrierung des Edikts, und die Sache blieb auf sich beruhen. Erst 1620 wurde auf Anstiften der Jesuiten und des Günstlings de Luynes das Edikt durch Waffengewalt in Vollzug gesetzt. Die prot. Kirchen wurden niedergerissen, die geistlichen Güter konfisziert, der Katholizismus eingeführt und die Provinz der Krone einverleibt. Die Protestanten erklärten den Gewaltstreich für eine Verletzung des Edikts von Nantes und hielten zu Rochelle eine Versammlung, die der Hof als aufrührerisch verbot. Doch gaben die Protestanten, an deren Spitze jetzt die beiden Brüder Herzog von Rohan und Prinz Soubise standen, nicht nach, und der Hof eröffnete im Mai 1621 den Krieg, der ihnen zum Nachteil ausschlug. Allmählich fielen alle prot. Städte in die Hände des Königs. Endlich nach der Kapitulation von Montpellier (21. Okt. 1622) erfolgte ein allgemeiner Friede, in welchem den Protestanten das Edikt von Nantes bestätigt, das Recht zur Abhaltung von Versammlungen aber genommen wurde. Der Hof hielt die nähern Bedingungen des Vertrags so wenig, daß die H. die Verwickelungen der Regierung in Italien benutzten und zu Anfang 1625 wieder zu den Waffen griffen. Soubise überwältigte mit einer von der Stadt Rochelle ausgerüsteten Flotte die schwache königl. Marine. Sobald aber Richelieu die Zügel des Staats fest in seiner Hand hatte, wandte er alle Kräfte auf die Eroberung Rochelles, das von England unter Buckingham energisch unterstützt wurde. Am 10. Aug. 1627 wurde die Belagerung von Rochelle in Gegenwart des Königs und des Kardinals eröffnet. Nachdem die Engländer 8. Nov. von der Insel Ré vertrieben worden, ließ Richelieu die Stadt auch von der Seeseite durch einen ins Meer gebauten Damm einschließen. Die Belagerten verteidigten sich zwar tapfer, litten aber bald großen Mangel. Im Mai 1628 erschien unter dem Grafen Denbigh eine engl. Flotte, die nach einigen Tagen wieder absegeln mußte; eine andere im September konnte ebenso wenig ausrichten. Die Not zwang endlich 28. Okt. 1628 die Rocheller zur Unterwerfung. Von 24000 waren noch 4000 mit dem Hungertode ringende Einwohner übrig, die völlige Amnestie erhielten. Die Stadt hingegen verlor ihre Privilegien und ihre Festungswerke. Noch hatte Rohan viele wichtige Plätze, wie Nimes, Montauban und Castres, inne; auch er mußte sich in einem Vertrage 27. Juni 1629 zu Alais auf gleiche Bedingungen unterwerfen. Die polit. Selbständigkeit der H. und damit ihre Stellung als Partei im Staate war von nun an vernichtet. Hinsichtlich ihres Kultus erfreuten sie sich unter Richelieu und Mazarin der Schonung; mit dem Anwachsen der Monarchie unter Ludwig XIV. erhoben sich aber die Verfolgungen etwa seit 1675 von neuem. Als Lockungen und üÜberredung nicht verfingen, begann man die Bekehrung mit Gewalt. Truppenabteilungen, mit Mönchen im Gefolge, durchzogen die südl. Provinzen, zwanden die Einwohner zur Verleugnung ihres Glauens, rissen die Kirchen nieder und ermordeten oft die Prediger. Hunderttausende von Protestanten flohen nach der Schweiz, den Niederlanden, England, Deutschland, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden. Am 23. Okt. 1685 hob Ludwig das Edikt von Nantes auf. Hiermit begann eine neue Flucht und zugleich eine noch furchtbarere Verfolgung. Aus der Gegend von Nimes, wo sie immer noch sehr zahlreich waren, warfen sich Tausende von Protestanten in die Cevennen (s. d.) und übten hier insgeheim ihren Gottesdienst aus. Gegen diese wurde 1702 der sog. Cevennenkrieg eröffnet, der unter großen Opfern und Greueln bis 1706 dauerte. Der Hof, durch den Spanischen Erbfolgekrieg gedrängt, gab endlich die Verfolgung auf, bewilligte Amnestie und störte die Protestanten nicht mehr in ihrem Kultus. Frankreich hatte mehr als eine Million seiner fleißigsten und wohlhabendsten Bürger verloren; Lerio zwei Millionen jedoch waren trotz der erfolgung ihrem Glauben treu geblieben. Die Ruhe, deren sich die Protestanten nun länger als ein Jahrzehnt erfreuten, beförderte ihr Hervortreten, besonders in der Provence und Dauphiné, aufs neue. Im J. 1724 erließ daher Ludwig XV. auf Antrieb der Jesuiten gegen sie ein hartes Edikt. Ein Edikt von 1752 erklärte die prot. Trauung und Taufe für ungültig und befahl die Wiederholung derselben durch kath. Geistliche. Unter dem Druck der allgemeinen Meinung nahm jedoch der Hof das Edikt zurück. Die litterarischen Vorkämpfer der Aufklärung traten nun in die Schranken; Männer wie Montesquieu und Voltaire wirkten für die Toleranz. Ludwig XVI. endlich erteilte durch ein Edikt von 1787, das freilich erst 1789 einregistriert wurde, den Trauungen und Taufen der Protestanten Gültigkeit und gab denselben die bürgerlichen Rechte, mit Ausnahme der Erlangung öffentlicher Amter und Würden, zurück. Zwar wurde 1789 ein Antrag auf völlige Emancipation der Protestanten von der Nationalversammlung verworfen; dessenungeachtet nahm sie Protestanten, selbst Prediger ohne Widerrede als Mitglieder auf, und 1790 verfügte sie in einem Dekret die Restitution aller seit Ludwig XIV. konfiszierten Güter der Nichtkatholiken. Der Code Napoléon erteilte den Protestanten in Frankreich gleiche bürgerliche und polit. Rechte mit den Katholiken. Obschon auch die von den Bourbonen verliehene Charte die Frei5 des prot. Kultus anerkannte und den Staat elbst zur Besoldung der Pfarrer verpflichtete, sahen sich doch die Protestanten unter der Restauration mannigfach gekränkt und verfolgt. Erst die durch die Julirevolution reform. Charte Frankreichs proklamierte überhaupt die Freiheit des Gewissens und des Kultus, die denn auch in den Verfassungen seit 1848 aufrecht erhalten worden ist. Litteratur. Beza, (Histoire des églises réformées en France (3 Bde., Antw. 1580); Thuanus, (Uistoria sui temporiso (7 Bde., Par. 1620 u. öfter); Davila, „Storia delle guerrecivilidi Francia (Vened. 1630; deutsch von Reith, 5 Bde., Lpz. 1792—95); Soldan, „(Geschichte des Protestantismus in Frankreichh (2 Bde., Lpz. 1855); Polenz, „Geschichte des franz. Calvinismus bis zur Nationalversammlung im J. 1789 (4 Bde., Gotha 1857 —69); Schäffer, Les Huguenots du 165 siècleo (Par. 1870); Smiles, The Huguenots in France after the revocation of the edict of Nanteso (Lond. 1873); Court de Gebelin, OIlistoire des troubies des Cevenneso (3 Bde., Villefranche 1760).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 439Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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