Heinrich III., König von England, 1216—72 geb. 1. Okt. 1207, wurde neunjährig nach dem Tode seines Vaters Johann lohne Land) zum Könige aus gerufen, während Johanns Gegenkönig, der franz Erbprinz Ludwig, noch einen Teil des Landes behauptete. Aber H.s Vormund, Graf Wilhelm von Pembroke, wußte seinem Mündel Anhang zu schaffen, sodaß Ludwig schon 11. Sept. 1217 entsagte und die Insel räumte. Nach dem Tode Pembrokes 1219, welcher mit dem Titel eines Protektors für H. regierte, hatte der Justitiar Hubert de Burgh (bis 1233) die erste Stelle. H. zeigte sich gleich seinem Vater im höchsten Grade unzuverlässig und darauf bedacht, die Freiheiten der Magna Charta zu verkümmern. Ein weiterer Grund zur Unzufriedenheit war die Begünstigung der Franzosen, welche seit seiner Heirat mit ECleonore, einer Tochter Raimund Berengers von der Provence (1236) ins Land kamen, und die Dienstbeflissenheit H.s gegen die Päpste, welchen er die Aussaugung des Landes durch Legaten nachsah, um bei der Kirche Schutz gegen die Auflehnung der Barone zu finden. Deren Haupt ward der Graf Simon von Mont! fort, welcher jung an den engl. Hof gekommen war, die Güter der Grafen von Leicester geerbt hatte und 1238 mit H.s Schwester Eleonore vermählt worden war. Vom Könige, seinem Schwager, 1252 persönlich beleidigt, trat er auf die Seite der Barone, welche H. fast alle Regierungsrechte entzogen und ihn zwangen, die bezüglichen Festsetzungen ebenso wie die Charta neuerdings zu beschwören. Er that dies, ließ sich aber sogleich durch den Papst vom Eide entbinden. So kam es zu neuen Kämpfen, bei welchen auch der Umstand einen Grund zur Beschwerde abgab, daß H.s Bruder Richard von Cornwall sich 1257 in Deutschland zum Könige wählen ließ und viel Geld dorthin ausführte. Simon gewann 14. Mai 1264 einen entscheidenden Sieg bei Lewes, nahm den König und Richard, später auch H.s tapfern Sohn Eduard gefangen, und trat nun förmlich die Regierung an, indem er auf 20. Jan. 1265 nicht bloß die Barone und die hohe Geistlichkeit, sondern auch Abgeordnete der Ritterschaft und Städte zu einem Parlament entbot und auch wirklich versammelte, sodaß das HHaus der Gemeineno auf ihn zurückgeht. Aber Prinz Eduard entfloh, sammelte seine Freunde und tötete den Protektor 4. Aug. 1265 bei der Abtei Evesham. Die spätern Jahre des Königs verliefen ruhiger, da Eduard sowohl die Gegner des Vaters niederwarf, als auch diesen anhielt, die dem Lande verliehenen Freiheiten anzuerkennen. H. starb 16. Nov. 1272 zu Westminster, während Eduard auf einem Kreuzzuge war. Bgl. die Litteratur bei Heinrich II.; außerdem: Pauli, «Simon von Montforto (Tüb. 1867). Beinrich IV., König von England, 1399— 1413, geb. 4. April 1367 (nach andern 1366) zu Bolingbroke in Lincolnshire, der Sohn Johanns von Gaunt, Herzogs von Lancaster, und Enkel König Eduards III., führte früher die Titel eines Grafen von Derby und (1397) Herzogs von Hereford. In seiner Jugend beteiligte er sich lebhaft an den innern Unruhen, und 1390 machte er einen Kreuzzug nach Preußen gegen die heidnischen Litauer. Der schwache König Richard II., welcher ihn fürchtete, verbannte ihn, infolge eines Streits mit dem Herzog von Norfolk, 1398 aus England. Die gute Aufnahme, die H. in Frankreich fand, verstärkte den Haß des Königs. Als daher H.s Vater starb, zog Richard willkürlich die Güter des Hauses Lancaster ein. H. erschien darauf 4. Juli 1399 mit andern Unzufriedenen in der Grafschaft Nork und erhielt außerordentlichen Zuwachs. König Richard schickte ihm den Grafen von Salisbury entgegen, dessen schwaches Truppenkorps jedoch leicht zerstreut wurde. Nicht glücklicher war der König selbst. H. lockte ihn in seine Gewalt, indem er ihm Ergebenheit versicherte, setzte ihn aber dann in den Tower gefangen, zwang ihm 29. Sept. 1399 eine Konzessionsakte ab und klagte ihn vor dem Parlament an. Das Parlament erklärte den schwachen Richard der Krone unwürdig und ließ 30. Sept. H. als König von England ausrufen. Richard starb wenige Wochen darauf eines gewaltsamen Todes. Da der siebenjährige Graf von March, Edmund Mortimer, dem Hause Clarence wenn auch nur von weiblicher Seite entsprossen, ein näheres Anrecht auf den Thron besaß als das Haus Lancaster, so ließ H. den Knaben einsperren. Der Graf von Salisbury, der zu Gunsten Richards eine Verschwörung gestiftet hatte, mußte dafür im Jan. 1400 mit dem Leben büßen. Zugleich fielen die Schotten ins Land, und in Wales erhob Owen Glendower, ein Abkömmling der vormaligen Fürsten, die Fahne des Aufruhrs. Mit letzterm verband sich, zu Gunsten Mortimers, Heinrich Percy, Graf von Northumberland, der zur Thronerhebung H.s wesentlich beigetragen, sich aber jetzt vernachlässigt glaubte. Sein ältester Sohn, Heinrich Percy, seiner Kühnheit wegen Hotspur, d. i. Heißsporn, genannt, stellte sich an die Spitze des Bundesheers, wurde aber vom Könige 21. Juli 1403 in dem Treffen bei Shrewsbury geschlagen und getötet. Der alte Percy vermittelte hierauf zwar den Frieden, verband sich aber 1405 mit dem Erzbischof von Nork, Richard Scrope, nochmals zu H.s Sturze. Der König ließ die Empörer durch Verrat gefangen nehmen und enthaupten. H. führte nun die Regierung in Ruhe und zeigte viel Klugheit, Wachsamkeit und Mäßigung. Das Parlament, dem er gegen den Adel manche Zugeständnisse machte, trug ihm mehrmals die Einziehung der geistlichen Güter an, was er jedoch ablehnte. Vielmehr suchte er sich bei der Geistlichkeit durch die Verfolgung der Wicliffiten beliebt zu machen. Gegen Schottland kämpfte H. glücklich. Wiewohl er den jungen Sohn König Richards in steter Gefangenschaft hielt, machte er dieses unedle Verhalten doch durch eine treffliche Erziehung des Prinzen gut. Bekümmert über den Lebenswandel seines Sohnes Heinrich und von Gewissensbissen verfolgt, schickte er sich zu einem Zuge nach Palästina an, als er 20. März 1413 in Westminster starb.