FeedHeinrich VI.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich VI., röm.⸗deutscher Kaiser, 1190 —97, der Sohn Friedrichs I. (s. d.) und der Beatrix von Burgund, geb. zu Nimwegen im Herbste 1165, wurde schon 15. Aug. 1169 zum deutschen König ekrönt, vertrat seit dem berühmten Pfingstfeste zu Mainz 1184, auf welchem er das Schwert empfanen hatte, seinen Vater erst in Deutschland, dann eit seiner Hochzeit mit Constantia, der Erbin Siciliens, und nach seiner Krönung zum Könige Italiens 1186 auch in diesem Lande und übernahm die Regierung des Kaisers überhaupt, als der Vater im Mai 1189 den Kreuzzug unternahm, auf dem er den Tod fand. Zunächst mußte H. gegen Heinrich den Löwen Krieg führen, weil dieser eigenmächtig aus der Verbannung zurückkam. Indessen sah er sich bald zu friedlicher Ausgleichung mit diesem genötigt, da 1189 durch den Tod König Wilhelms II. die Erledigung des sicil. Königsthrons eintrat, auf welchen ihm durch seine Gemahlin Constantia das Recht der Nachfolge zustand. Auf die Nachricht, daß die sicil. Barone den Grafen Tancred von Lecce, einen unehelichen Sohn von Constantias Bruder, auf den Thron gehoben, eilte H. nach Italien. Er brachte die lombard. Stände auf seine Seite, gewann die Römer durch treulose Auslieferung der ihnen verhaßten Nachbarstadt Tusculum, ließ sich vom Papst Cölestin III. zu Ostern (15. April) 1191 zum Kaiser krönen und drang nun siegreich ins Königreich Sicilien ein. Aber die Stadt Neapel widerstand und eine im Lager ausgebrochene Pest zwang den Kaiser zum Abzuge. Nach Deutschland urückgekehrt, empfing H. die durch den Tod Herzog elfs VI. ihm zugefallene reiche Erbschaft, übertrug das durch Herzog Friedrichs Ableben erledigte Schwaben seinem Bruder Konrad, brachte den vom Kreuzzuge heimkehrenden engl. König Richard Löwenherz in seine Gewalt, sprengte ein Bündnis feindlicher Fürsten, versöhnte sich mit Heinrich dem Löwen, dessen Sohn seine Nichte, die Pfalzgräfin Agnes heiratete, und zog jetzt, gefördert durch das Richard abgepreßte Lösegeld, aufs neue nach Italien, um seinen Hauptplan, die feste Vereinigung der sicil. Krone mit der deutschen, zu erreichen. Tancred war 1194 gestorben und sein junger Sohn Wilhelm III. unter Vormundschaft der Königin Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. Sibylle zum König ausgerufen worden. Neapel öffnete diesmal die Thore, Salerno wurde gestürmt, auch Sicilien unterwarf sich, und 20. Nov. 1194 Ln der Kaiser seinen feierlichen Einzug in Paermo, wo er am Weihnachtstage sich zum Könige Siciliens krönen ließ. Jetzt entsagten Sibylle und Wilhelm Luren das Versprechen, die Grafschaften Lecce und Tarent bealten zu dürfen, der Krone Siciliens. Aber H. ieß unter dem Vorwande einer Verschwörung bald darauf die Königin ½˙ und ihre Tochter verringen, Wilhelm blenden und entmannen, selbst Tancreds Leichnam mißhandeln und alle Anhänger des normann. Königshauses ergreifen und ohne Untersuchung hinrichten. Zwar schleuderte der Papst seinen Bannfluch gegen den Kaiser; aber die Furcht vor der Grausamkeit H.s sicherten seine Herrschaft so, daß er ohne Besorgnisse nach Deutschland zurückkehren konnte. Hier hatte H. einzelne, in seiner Abwesenheit entstandene Fehden beizulegen. Alsdann trat er auf den Reichstagen zu Würzburg und Mainz 1196 mit dem großen polit. Plane hervor, in seinem Hause die deutsche Königskrone für immer spruch zu machen. Er konnte jedoch bei dem Widerspruche der geistlichen Fürsten und der Gegenwirkung des Papstes für jetzt nur die Wahl seines zweijährigen Sohnes Friedrich zum deutschen Könige erlangen. Dann brach er wieder in den Süden auf und emer mit Hilfe eines deutschen Kreuzzugs, zu welchem er viele Fürsten warb, seine Herrschaft auch über den Osten idafrit Schon zahlten die maurischen Fürsten Nordafrikas und auch der griech. Kaiser Alexius, der seinen Bruder Isaak vom Throne gestoßen, ihm Tribut. Nachdem ein Aufstand in Sicilien mit blutiger Strenge unterdrückt war, wollte H. dem Kreuzheere nachfolgen. Da starb er 28. Sept. 1197 zu Messina und wurde zu Palermo begraben. Nun entfesselte sein früher Tod alle Feinde des Reichs, und in dem Kampfe seiner walt nurg Philipp und Otto IV., 58 die Reichsgewalt unrettbar zu Grunde. Vgl. h. Toeche, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter H. VI.v (Lpz. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 49Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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