Heinrich V., König von England, 1413—22, auch Regent von Frankreich, der Sohn des vorigen, war 9. * 1388 zu Monmouth geboren. Von lebhaftem Naturell und durch seinen argwöhnischen Vater zur Thatenlosigkeit verurteilt, gab er sich, der Sage nach, als Kronprinz der Gesellschaft wüster Gesellen, darunter namentlich Falstaff, hin, sodaß man an seiner Herrscherfähigkeit zweifelte. Mit der Thronbesteigung aber entfernte er die unwürdige Gesellschaft, umgab sich mit den Räten 1 seines Vaters, deren harten Tadel er oft erlitten, und zeigte sich ebenso tüchtig als König wie liebenswürdig als Mensch. Durch eine allgemeine Amnestie suchte H. die Härten seines Vaters, besonders an dem Hause Percy, auszugleichen. Dagegen opferte er die Anhänger Wicliffes, die sog. Loll-Rhr d. der fanatischen Geistlichkeit. Um die Thatraft der Nation nach außen zu leiten und die 1 franz. Landschaften wieder zu gewinnen, beschloß er den Krieg gegen Frankreich, das damals unter dem wahnsinnigen Karl VI. von Parteien zerrüttet! wurde. Nachdem er die Verschwörung des Grafen Richard von Cambridge, Stammvaters des Hauses Nork, unterdrückt, erschien H. im Aug. 1415 mit 30000 Mann in der Normandie und überwältigte Harfleur, geriet aber mit dem Heere durch Mangel und Krankheit in die traurigste Lage. H. bot den Franzosen, die viermal stärker anrückten, den Frieden und die Rückgabe des Platzes für einen freien Abzug nach Calais. Allein diese forderten unbedingte Unterwerfung und griffen sein geschmolzenes Heer 25. Okt. 1415 in der waldreichen Gegend beim Dorfe Azincourt an. Das Feldherrntalent des Königs, die kaltblütige Tapferkeit der Engländer, die Geschicklichkeit ihrer Bolzenschützen und die Beschaffenheit des Terrains, das die Entfaltung der franz. Reiterei nicht gestattete, zog den Franzosen eine vollständige Niederlage zu. H. kehrte nach England zurück und verständigte sich mit dem Herzog Johann von Burgund zur völligen Eroberung Frankreichs. Doch erschien er erst wieder im Aug. 1417 mit 25000 Mann in der Normandie und eroberte in zwei Jahren fast diese ganze Provinz. Gern hätte sich nun der Herzog von Burgund von den Engländern losgesagt und mit dem Dauphin, nachherigen Karl VII., vereinigt, allein letzterer haßte und fürchtete den Herzog und ließ ihn 10. Sept. 1419 sogar ermorden. Der nunmehrige Herzog Philipp der Gute von Burgund verband sich jetzt, um den Vater zu rächen, um so enger mit dem Könige von England. Dieses Bündnis führte endlich 21. Mai 1420 zwischen H. und der Königin Isabella, welche ihren Sohn, den Dauphin, haßte, den Vertrag von Troyes herbei. Gemäß der Übereinkunft vermählte sich H. mit Katharina, der Tochter Karls VI., und übernahm die Regentschaft von den der w unter der Bedingung, daß nach dem Ableben des wahnsinnigen Königs ihm und seinen Nachkommen aus dieser Ehe, mit Ausschluß des Dauphins, die franz. Krone zufallen sollte. Obschon die Rechte und Freiheiten beider Völker dabei verbürgt waren, so erregte die Vereinigung der Kronen auf ein Haupt sogar in England wenig Freude, zumal der durch ein schott. Hilfskorps verstärkte Dauphin den einen Teil von Frankreich behauptete. Auf die Nachricht von der Niederlage des Herzogs von Clarence bei Baugé in Anjou (22. März 1421) eilte H. mit einem Heere von 23000 Mann nochmals nach Frankreich, konnte aber den Dauphin zu keinem entscheidenden Treffen bewegen. Er starb während dieses Feldzugs 31. Aug. 1422 zu Vincennes; einige Monate später (21. Okt. 1422) starb auch Karl VI. H., dessen Charakter die Königsdramen Shakspeares mit Vorliebe schildern, zeichnete sich durch strenge Handhabung des Gesetzes aus, schafste die Lehnmiliz ab und führte das bewaffnete Bürgertum ein. Ihm folgte sein Sohn, Heinrich VI. Seine Witwe Katharina heiratete den walisischen Edelmann Owen Tudor, dessen Nachkommen später die engl. Krone erwarben. Vgl. Cole, Memorials of Henry V.o (Lond. 1858).