FeedHeinsius (Anthony)
GeschichteBrockhaus 1882

Heinsius (Anthony), holländ. Staatsmann, geb. 22. Nov. 1641 in Delft, ließ sich, nach Beendigung seiner rechtsgelehrten Studien an der Universität zu Leiden, in seiner Vaterstadt nieder, zu deren Ratspensionär er 1679 ernannt wurde. In demselben Jahre wurde er als außerordentlicher Gesandter nach Versailles geschickt, um Beschwerden zu erheben gegen die widerrechtliche Besitznahme des Fürstentums Orange und die Unterdrückung der dortigen Protestanten seitens des Königs von Frankreich. H. wurde jedoch von Louvois aufs unglimpflichste behandelt und kehrte unverrichteter Sache nach Holland zurück. Als der Statthatte Wilhelm III. 1689 den engl. Thron bestiegen atte, erhielt H. die wichtige Stelle eines Ratspensionärs der Staaten von Holland, und als solcher besaß er den nötigen Einfluß, um die Angelegenheiten der Republik nach den Ansichten des Statthalters zu leiten und dessen Politik zu unterstützen. ollkommen vertraut mit den polit. Zielen des Oraniers, trat H. im Spanischen Erbfolgekriege als hartnäckiger Gegner der Herrschsucht Ludwigs XIV. auf. Mit Marlborough und Prinz Eugen bildete er das sog. Triumvirat, dem die Kriegführung der Verbündeten gegen Frankreich anvertraut war. Als Ludwig XIV. 1706 heimlich Friedensanträge an die Staaten von Holland stellen ließ, antwortete H. kurzweg, daß die Republik der Allianz treu bleiben wolle. Spätere Versuche des franz. Monarchen bei den Unterhandlungen im Haag und zu Geertruidenberg scheiterten ebenfalls. Auch später, als Marlborough abberufen war, bot H. alles auf, um die Allianz aufrecht zu halten. Doch nachdem England 19. Aug. 1712 einen Waffenstillstand mit Frankreich geschlossen hatte, und Portugal 7. Nov. 1712 diesem Beispiel gefolgt war, sah H. sich genötigt nachzugeben und dem Frieden, der 11. April 171¹3 in Utrecht geschlossen ward, beizutreten. Nach dem Kriege blieb H. noch an der Spitze der Verwaltung der Republik, bis er 3. Aug. 1720 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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