FeedHeinse (Joh. Jak. Wilh.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Heinse (Joh. Jak. Wilh.), genialer, aber weder zur sittlichen noch zur künstlerischen Reife gelangter deutscher Schriftsteller, geb. 16. Febr. 1749 zu Langewiesen im Schwarzburg-Sondershausenschen, besuchte das Gymnasium zu Schleusingen und widmete sich in Jena und Erfurt jurist. Studien. Wieland, der H.s poetisches Talent erkannte, em-Neie ihn Gleim, der, nachdem H. eine abenteuernde Reise an den Rhein und nach Bayern unternommen, ihm im Herbst 1772 eine Hauslehrerstelle in Halberstadt verschaffte, wo H. unter dem Namen Rost bis zum ß er fg 1774 lebte. Durch Joh. Georg Jacobi 11 er sich um diese Zeit bestimmen, die Mitredaction der Irisv, einer Zeitschrift, die Friedr. Heinr. Jacobi in Düsseldorf herausgab, zu übernehmen. Seine litterarische Laufbahn hatte er durch Herausgabe der «Sinngedichte (Halberst. 1771) eröffnet. Diesen folgten die Begebenheiten des Encolp, aus dem Satiricon des Petron übersetzty (2 Bde., Rom (Schwabach! 1773), die Girschenv, ein schlüpfriges Gedicht nach Dorats Cerisesy, und Laidion, oder die eleusinischen Geheimnisses (Lemgo 1774), welches letztere Werk weniger ein Roman als ein wilder Dithyrambus ist, worin er die Himmelserhöhung der Lais und die Genüsse der griech. Helden im Elysium schildert. Nachdem in Düsseldorf durch das Studium der Gemäldegalerie sein Kunstsinn genährt und verfeinert worden, ging er 1780 in das ersehnte Italien, wo er drei Jahre zubrachte. Er übersetzte hier das Befreite Jerusalemv 44 Bde., Mannh. 1781) und den Orlandoy (4 Bde., Hannov. 1782—83) in Prosa. Nach seiner Rückkehr 1784 hielt er sich einige Zeit wieder in Düsseldorf auf. Dann wurde er Vorleser des Kurfürsten von Mainz, Friedrich Karl Joseph, später zu Aschaffenburg, 1787 dessen Privatsekretär und, als nach des Kurfürsten Tode dessen Bibliothek durch Schenkung Staatseigenthum geworden, als Bibliothekar mit dem Titel als Hofrat bei derselben angestellt. In dieser Zeit erschienen sein Ardinghello oder die glückseligen Inselno (2 Bde., Lemgo 1787; 2. Aufl. 1794; zuletzt 1838) und Hildegard von Hohenthals (2 Bde., Berl. 1795 -96; neue Aufl., 3 Bde., 1804; zuletzt 1838). In ersterm Werke legte er seine Ansichten über bildende Kunst und Malerei nieder, in letzterm charakterisierte er musikalische Kompositionen. Außerdem erschienen von ihm Briefe aus Italien unter dem Titel Anastasia und das Schachspiel⸗ (2 Bde., Frankf. 1803). Er starb zu Aschaffenburg 22. Juni 1803. Seine höchst anziehenden Briefe zwischen Gleim, H. und Johannes von Müllerv gab aus Gleims Nachlaß Körte heraus (2 Bde., Zür. 1806). In Bezug auf poetische Komposition sind seine Romane unbefriedigend; um so mehr zeichnen sie sul durch Kraft und Glut der Darstellung und sinnliches Feuer aus. Durch seine Apotheose des Nackten, die er freilich oft bis zum Außersten trieb, trug er jedenfalls viel dazu bei, die Ansichten von der Antike zu berichtigen und die damals herrschenden beschränkten Kunstprinzipien zu erweitern. Das Vorzüglichste sind vielleicht seine Charakteristiken der ausezeichnetern Gemälde der düsseldorfer Galerie (in senen Briefen an Gleim). Seine «„Sämtlichen Schrifteno gab H. Laube heraus (10 Bde., Ipz. 1838; wiederholt 1851 fg.). Vgl. Pröhle, «Lessing, Wieland, H. (Berl. 1877); Schober, Joh. Jak. Wilh. H., sein Leben und seine Werker (Lpz. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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