Heliotropismus nennt man in der Botanik alle diejenigen Bewegungserscheinungen, welche durch einen von der Wirkung des Lichts beeinflußten Wachstumsprozeß hervorgerufen werden. Alle Pflanzenteile, welche die Fähigkeit besitzen, solche Bewegungen auszuführen, werden heliotropisch genannt. Ahnlich wie beim Geotropismus unterscheidet man auch beim H. verschiedene Richtungsbewegungen. Findet einseitige Beleuchtung statt, so stellen sich manche Pflanzenteile mit ihrer lenden Aa allmählich in die Richtung der einfallenden Lichtstrahlen, sie können dabei mit ihrer Spitze entweder der Lichtquelle zugekehrt oder von ihr abgewendet stehen; im erstern Falle spricht man von positivem Heliotropismus, im letztern von negativem Heliotropismus, beide Fälle kann man zusammenfassen unter den aump Bongs-Ortho-Heliotropismus oder auch Longitudinal-Heliotropismus. Positiv heliotropisch sind die meisten Stammorgane. Negativer H. kommt verhältnismäßig selten an oberirdischen Organen vor; bei einigen Kletterpflanzen, wie beim Epheu, kehrt sich die wachsende Spitze vom Lichte hinweg und wird so an die Unterlage, an Mauern u. dgl. angedrückt; einige Ranken, wie die von Vitis und Ampelopsis, wenden h ebenfalls vom Lichte weg und erreichen dadurch eher die Möglichkeit, sich befestigen zu können. Negativ heliotro9 „wenn auch nur in geringem Grade, ist die tehrzahl der Wurzeln. Da alle heliotropischen Bewegungen ebenso wie die geotropischen Wachstumserscheinungen sind, so können dieselben natürlich nur an wachstumsfähigen Organen auftreten. Allerdings bleiben auch an manchen ältern Pflanzenteilen, die ihr Längenwachstum bereits abgeschlossen haben, noch wachstumsfähige Partien erhalten, wie R B. die sog. Blattpolster, die am Grunde der Blattspreite oder am Grunde des Blattstiels bei einigen Pflanzen vorkommen. In diesen Polstern können deshalb immer noch heliotropische Krümmungen oder Drehungen stattfinden. Neben den ortho-heliotropischen unterscheidet man noch transversal-oder dia-heliotropische Bewegungen. Dieselben sind dadurch charakterisiert, daß manche Pflanzenteile sich senkrecht zu den einfallenden Lichtstrahlen stellen. Solche Bewegungen führen die meisten Laubblätter aus; die Lage, die sie hierdurch erreichen, ist von großer Wichtigkeit für die Ernährung der ganzen Pflanze, denn dadurch, daß die Assimilationsorgane mit ihrer Fläche senkrecht zu der Richtung der Lichtstrahlen stehen, erhalten sie die möglichst beste Beleuchtung, und die Assimilation (s. d.) geht so am lebhaftesten vor sich. üübrigens scheinen beim Zustandekommen der afixen Lichtlage », wie man diese Lage der Blattspreite nennt, außer dem Licht auch noch andere Einflusse hauptsächlich die Schwerkraft, mitzuwirken; einen klaren Einblick in den Mechanismus der Blattbewegungen haben wir bis jetzt noch nicht. Aber ebenso wenig kann man auch über den Mechanismus der heliotropischen Krümmungen selbst aussagen, wir kennen, wie beim Geotropismus, nur die Bewegung, welche die Pflanzenteile ausführen, und wissen, daß dieselben in gewissen Beziehungen zur Richtung der einfallenden Lichtstrahlen stehen; in welcher Weise jedoch das Licht auf das Wachstum der Pflanzen wirkt, weshalb in dem einen Falle verzögernd, in dem andern beschleunigend, wie beim positiven und negativen H., das ist uns gänzlich unbekannt; es ist deshalb auch sehr wenig gewonnen, wenn man den Einfluß des Lichts als eine Reizwirkung auffaßt, denn durch das Wort Reiz wird der eigentliche Mechanismus nicht im geringsten erklärt. (S. Geotropismus.)