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ReligionBrockhaus 1882

Helvetische Konsensusformel (lat. Formula Consensus Ecclesiarum Helveticarum Reformatarum) heißt die letzte Bekenntnisschrift, welche in der reform. Kirche aufgestellt worden ist. Die Veranlassung dazu war das Auftauchen mancher Abweichungen von dem zu Dordrecht (1619) festgesetzten Lehrbegriff. Nach langen Vorverhandlungen wurde die Formel von Heidegger (s. d.) entworfen, von den übrigen Theologen begutachtet und Juni 1675 von den reform. Kantonen der Schweiz angenommen. Den strengen Geist der Formel erkennt man schon aus den drei ersten Kanones, welche bestimmen, daß die Heilige Schrift von Gott einge— geben sei nicht bloß nach den Worten, sondern nach den Wörtern, nicht bloß die Konsonanten, sondern auch die Vokale, und daß Gott diese Schrift zugleich in so wunderbarer Weise bewahrt habe, daß der Text durch Vergleichung von Handschriften, Übersetzungen u. dgl. nicht verbessert werden könne. Wegen dieser starren Orthodoxie ist die Formel bereits vor Mitte des 18. Jahrh. thatsächlich in Ab— gang gekommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 100Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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