Hereulanum, eigentlich Herculanzum, im Altertum nächst Neapel und Capua wohl die bedeutendste Stadt Campaniens, zwischen Neapel und Pompeji, nahe an der Küste, wurde von den Oskern gegründet, nachher aber meist von Griechen, die aus Unteritalien hierher einwanderten, bewohnt. Schon 63 n. Chr. wurde der Ort durch ein Erdbeben teilweise zerstört, unter der Regierung des Titus aber, 79 n. Chr., bei einem Ausbruche des Vesuv von einem Lavastrom und Aschenregen nebst den nahegelegenen Städten Pompeji und Stabia so gänzlich verschüttet, daß man später Portici und einen Teil von Resina darauf erbaute. Am interessantesten sind die durch die scavi nuovi 1828 37 und seit 1868 bloßgelegten Gebäude. In der Nähe von H. wurden 1880 die Ruinen einer großartigen Badeanstalt und der sie umgebenden Gebäude aufgefunden. Über die Geschichte der Ausgrabungen von H., Pompeji und Stabiä im allgemeinen s. Pompeji. Unter den neuesten Publikationen über H., seine Altertümer und Ausgrabungen, sind besonders zu erwähnen das Sammel-Werr (Pompei e la regione sotterrata dal Vesuvio- (Neapel 1879) und Comparetti e de Petra, La villa ercolanese dei Pisonip (Tur. 1883). Hercüles, bei den Griechen Herakles, der Sohn des Zeus und der Alkmene, ist der berühmteste Heros der griech. Sagenwelt, in welchem die Poesie das Ideal eines Helden, der unter fortwährenden Mühen und Kämpfen das Höchste erreicht, dargestellt, und den dann die Philosophie vollends zu dem Ideal männlicher Tugend ausgebildet hat. Eifersüchtig auf ihres Gemahls neue Geliebte, Alkmene, war Hera schon des H. erbitterte Feindin, bevor er noch geboren. Zeus hatte an dem Tage, an Leichwo die Geburt des H. bevorstand, einen Eid 90 woren, daß der an diesem Tage Geborene alle Angehörigen des Geschlechts der Perseiden (zu dem H. von seiten seiner Mutter wie seines Stiefvaters gehörte) beherrschen solle. Hera wußte nun zu bewirken, daß die Niederkunft der Alkmene verzögert und dagegen die der Gemahlin des Perseiden Sthenelos, die ihr Kind erst im siebenten Monate trug, beschleunigt wurde. Dieses vor H. geborene Kind war Eurystheus. Alkmene kam hierauf mit willingen nieder, von denen H. der Sohn des Zeus, phikles aber der Sohn des Amphitryon, des Gemahls der Alkmene, war. H. bewies sich schon in der Wiege als der Sohn eines Gottes, indem er wei von der Hera geschickte Schlangen erwürgte. urch Amphitryons Sorge wurde er in allen Künsten von den besten Lehrern unterwiesen. In allem machte er ungemeine Fortschritte, nur für die Lyra schien seine Hand nicht gebildet; ein Schlag, den ihm Linos, sein Lehrer im Saitenspiel, einst gab, kostete diesem das Leben. Amphitryon sandte ihn deshalb auf das Land zu den Rinderherden. n diese Lebenszeit fällt die von dem Sophisten rodikos in moralisierendem Sinne erfundene Erzählung, daß H., am Scheidewege den Göttinnen der Wollust und der Tugend begegnend, die letztere zur Gefährtin seines Lebens erwählt. Die zum Teil anz verschiedenen Gegenden Griechenlands ange5205 Sagen von den Thaten oder Arbeiten des sind offenbar durch die epische Poesie (es gab im Altertum mehrere umfangreiche Epen unter dem Titel Herakleen) und die Mythographen in eine Diese Reihenfolge und Ordnung gebracht worden. ie so systematisierte Herakles-Sage ist, hauptsächlich nach Apollodor, etwa folgende. Zuerst erlegte er einen Loöwen, der am Kithäron wütete und des Königs von Thespiä, Thespios (oder Thestios), Herden schädigte, und trug fortan dessen 84 mit dem Rachen als Gewand und Helm. Damals erzeugte er mit den 50 Töchtern des Thesios 50 Söhne. Nach Theben zurückgekehrt, beite er diese seine Geburtsstadt nicht nur von der Schmach eines Tributs, den sie an den König der Rinyer Erginos zu Orchomenos, den er erschlug, hatte zahlen müssen, sondern zwang auch die Minyer, fortan das Doppelte des zuvor empfangenen Tributs selbst zu zahlen. Kreon, der König von Theben, gab ihm dafür seine Tochter Megara zur Gemahlin, die ihm drei Söhne gebar. Hera aber sandte Wahnsinn über ihn, sodaß er diese seine Kinder mit eigener Hand erschlug. Aus Reue über diese gräßliche That verbannte er sich selbst aus Theben und berragie hernach, durch Thespios von der Blutschuld gereinigt, das Orakel zu Delphi, von wo er auf das Geheiß des delphischen Gottes sich zu Eurystheus begab und in dessen Dienste die Abenteuer bestand, die unter dem Namen der zwölf Arbeiten des H. bekannt sind: 1) erlegte er den neméischen Löwen, der in dem Waldthale Nemea hauste, indem er ihn, da sein Fell für Waffen undurchdringlich war, in seinen Armen erwürgte; 2) tötete er die in den Sümpfen von Lerna wohnende Hydra (Wasserschlange), deren abgeschlagene Köpfe immer in doppelter Zahl nachwuchsen, unter dem Beistand des Jolaos, der mit Feuerbränden die neu hervorwachsenden Köpfe zerstörte; 3) fing er die der Artemis geweihte kerynitische Hindin mit goldenem Geweih; 4) fing er den Eber, der die Geend um den Berg Erymanthos in Arkadien verheerte, und brachte ihn lebendig auf seinen Schultern zu Eurystheus, der darüber so sehr erschrak, daß er sich in ein Faß verkroch; 5) reinigte er in Einem Tage die Ställe des Königs Augias von Elis, indem er die vereinigten Flüsse Alpheios und Peneios hindurchleitete; 6) verscheuchte und tötete er die Stymphaliden, greuliche Raubvögel, welche die Gegend um den Stymphalischen See in Arkadien verheerten; 7) fing er den kretischen Stier, welchen Poseidon einst aus den Fluten hatte aufsteigen lassen, und welchen Minos, anstatt ihn, wie er gelobt, dem Gotte zu opfern, unter seine Herden gebracht hatte, wofür Poseidon zur Strafe den Stier in Wut versetzte; als H. den Stier zu Eurystheus brachte, ließ letzterer 4 wieder frei, worauf derselbe nach Marathon lief; 8) brachte H. die menschenfressenden Rosse des thraz. Königs Diomedes, der ihnen alle Fremdlinge, die sein Gebiet betraten, vorwarf, zu Eurystheus; 9) holte er für denselben, von einigen andern Helden begleitet, den Gürtel der Amazonenkönigin Hippolyte, sowie 10) die Rinder des dreileibigen Geryones (s. d.) und 11) die goldenen Apfel aus dem Garten der Hesperiden (s. d.) mit —.— des Atlas, für welchen er unterdessen das Himmelsgewölbe trug; 12) führte er den Höllenhund, den dreiköpfigen Cerberus mit Erlaubnis des Pluton aus der Unterwelt gewaltsam empor und brachte ihn, nachdem er ihn dem Eurystheus gezeigt, dorthin zurück. H., der, um diese Abenteuer zu bestehen, die Welt durchzogen hatte, verrichtete während dieser Zeit und später noch viele andere Thaten, die man wohl auch teils als seine Nebenthaten (deduα), teils als seine eigenen Unternehmungen (NoslSerc) von den ihm auferlegten Kämpfen (&Mot) unterschieden 2190 Noch in die Zeit der 12 Arbeiten fallen nach pollodor sein Kampf mit den Centauren auf dem Berge Pholoe in Arkadien, seine Befreiung der Hesione, die von ihrem Vater, um den-Zorn der Götter zu versöhnen, einem Meerungeheuer ausgesetzt war; die Errichtung der sog. Herculessäulen (s. d.), Heft Kämpfe mit K knos, Antäos und Busiris, die efreiung des an den Kaukasus gefesselten Prometheus und des Theseus aus der Unterwelt. Nachdem er die meisten dieser Thaten vollbracht, kehrte er zurück nach Theben, vermählte die Meara mit seinem treuen Gefährten und Diener olaos und zog nach Oichalia, wo der König Eurytos seine Tochter Bg demjenigen, der ihn und seine Söhne im Bogenschießen übertreffen würde, als Kampfpreis ausgesetzt hatte; obgleich er alle besiegte, erhielt er doch die Jole nicht, angeblich weil man einen neuen Anfall seines Wahnsinns fürchtete. In der That ergriff ihn auch dieser bald darauf, nachdem er in der Zwischenzeit die Alcestis aus der Unterwelt zurück in die Arme ihres Gemahls Admetos gebracht hatte, noch einmal, und in diesem Anfäll stürzte er Iphitos, der Jole ältesten Bruder, von den Mauern Tirynths herab. Obwohl er von diesem Mord gereinigt wurde, verfiel er doch darüber in schwere Krankheit, sodaß er das delphische Orakel befragte. Da ihm die Pythia Antwort versagte, wollte er den Tempel plündern, ergriff den Dreifuß und kämpfte um dessen Besitz mit Apollo, bis Zeus beide durch einen Blitzstrahl trennte. Nunmehr erhielt er das verlangte Orakel, welches also lautete: von seiner Krankheit werde er genesen, wofern er auf drei Jahre sich zum Sklaven verkaufe und dem Eurytos den Kaufpreis als Sühngeld gebe. Diesem Orakelspruch zufolge verkaufte Hemes den H. an Omphale, die Königin der Lydier. In diese Zeit der Knechtschaft bei Omphale verlegt Apollodor neben anderm die Teilnahme des H. am Argonautenzug und an der Jagd des kalydonischen Ebers. Nach Vollendung seiner Dienstzeit bei Omphale og er mit einem Heere gegen Troja, um Laomedon, er Hesione Vater, zu bestrafen, nahm an dem Kampf der Götter mit den Giganten teil und bekriegte Augias' Heere, der wie Laomedon ihn um den bedungenen Lohn betrogen hatte. Dann zog er egen Pylos, nahm die Stadt, tötete Neleus mit einen Söhnen außer Nestor und verwundete sogar Hades, der ihnen zu Hilfe gekommen war; hierauf bekämpfte er des Hippokoon 9 7 in Lakedämon. Nachdem er sodann in Tegea der Auge, welche durch ihn Mutter des Telephos wurde, beigewohnt tte, warb er zu Kalydon um des Oneus Tochter eianira, kämpfte um ihren Besitz mit dem Flußgott Acheloos, besiegte diesen und vermählte sich mit Deianira. Mit derselben auf dem Wege nach Trachis begriffen, traf er am Flusse Euenos den Centauren Nessos, der die Wanderer um Lohn übersetzte. Als dieser beim Hinübertragen der Deianeira ch an ihr vergreifen wollte, tötete ihn H. mit einem Pfeile. Im Verscheiden lehrte Nessos Deianeira einen Liebeszauber für H. mischen. Von Trachis aus zog H. mit dem Könige Keyrx gegen die Lapithen; hiernach kämpfte er mit dem Sohne des Ares, Kykaos, sodann sammelte er ein Heer zum Rachezuge gegen Oichalia. Eurytos und seine Söhne fielen; die Stadt wurde genommen, geplündert und Jole als Gefangene weggeführt. Bei der Heimkehr errichtete H. auf dem Kanäischen Vorgebirge in Euböa dem Zeus einen Altar und sandte, um darauf feierlich zu opfern, nach Trachis um ein weißes Gewand. Deianeira befragte den Boten wegen Jole, und da sie fürchtete, ihr Gemahl werde diese mehr lieben als sie, so nahm sie des Nessos vermeinten Liebeszauber und bestrich damit das Gewand. H. bekleidete sich damit; kaum aber war dasselbe erwärmt, so griff das in dem Liebeszauber enthaltene Gift den Körper an, und H., von Schmerz gefoltert, riß sich mit dem Gewande das Fleisch vom Leibe. In solchem Zustande brachte man ihn zu Schiffe nach Trachis, wo Deianeira, von dem Vorgefallenen benachrichtigt, sich erhängte. H. selbst begab sich auf den Berg Ota, errichtete einen Holzstoß, bestieg ihn und befahl, ihn anzuzunden: Pöas oder dessen Sohn Philoktet erzeigte ihm diesen letzten Liebesdienst und erhielt dafür den Bogen und die Pfeile des H. Als der Holzstoß aufloderte, kam eine Wolke, die unter Donner ihn in den Himmel hinauftrug, wo er durch Athena, die ihm während seines Erdenlebens als Beschützerin zur Seite gestanden, in den Kreis der Götter eingeführt, mit Hera versöhnt und mit Hebe, der Göttin der ewigen Jugend, vermählt wurde. In Bezug auf die ursprüngliche Bedeutung dieser mit einer so reichen Fülle von Sagen umkleideten Gestalt gehen die Ansichten sowohl der antiken Theologen als der neuern Mythologen weit auseinander. Wahrscheinlich liegen den Sagen von H., wie denen von Indra, Thor und andern Göttern der indogerman. Völker, namentlich die Kämpfe zu Grunde, welche sich im Gewittersturme am Himmel zu vollziehen scheinen. Der Sohn des Himmelsgottes die That also in der griech. Mythologie als Heros die Thaten, welche ursprünglich dem Himmelsgott selbst beigelegt werden. Andere fassen den H. als den Repräsentanten der Sonne auf, die unter fortwährendem Kampfe mit Wolken, Nebeln und Dünsten ihren für die Menschen so wohlthätigen Lauf vollendet. Sicher sind in die Sagen von H. Mythen von semitischen Himmels⸗ und Sonnengöttern eingedrungen. Aber alle diese Elemente sind von der poetischen Phantasie der Griechen miteinander verschmolzen und das Ganze in dem Sinne umgebildet worden, daß H. zum vollendeten Ideal heroischer Kraft und Tüchtigkeit gestaltet wurde. Der derbern Elemente in den Mythen von H., insbesondere einer riesigen Eßlust, welche er übrigens mit verwandten arischen Gottheiten teilt, bemächtigte sich namentlich das Satyrdrama. In der bildenden Kunst ist der Hauptcharakterzug der besonders durch Lysippos ausgebildeten Herakles-Darstellungen der der gewaltigen, durch Anstrengung aufs höchste entwickelten Körperkraft, wie dies unter den zahlreichen noch Tonso v Herakles-Statuen insbesondere der 19 orso vom Belvedere, das Werk des Atheners Apollonios, in Rom und die von dem Athener Glykon jedenfalls nach einem Original des Lysippos gearbeitete Statue des sog. Lasel Bild Hercules (s. d.) in Neapel zeigen. (Vgl. afel: Bildnerei III, Fig. 6und 8.) Von den Kämpfen und Abenteuern des H. sind außer einer Anzahl statuarischer, namentlich zahlreiche Darstellunen in Reliefen, worunter die Metopen vom Zeus-Tempel zu Olympia (s. d.) hervorzuheben sind, und auf griech. Vasenbildern, besonders des ältern Stils, erhalten. H. ist auch in vielen Orten Griechenlands als Heros und als Gott verehrt worden. Wie die andern griech. Götter⸗ und Heroengestalten, so findet man auch H. bei den Römern wieder. Zugleich aber verehrten dieselben in H. einen altitalischen Gott, auf den der Name des griech. Herakles, in Hercules umgebildet, übertragen ist. Er hatte namentlich eine uralte hochheilige Kultstätte an der Ara maxima, einem Altar, der nach der Sage von ihm selbst oder von Euander nach Besiegung des Cacus errichtet worden war.