Hermaphroditus, der Sohn des Hermes und der Aphrodite, wurde von Nymphen auf dem Ida erzogen, kam aber noch als Knabe nach Karien, wo die Nymphe der Quelle Salmakis, in der er sich badete, ihn vergeblich um Gegenliebe anflehte. Auf ihr Flehen zu den Göttern, immer mit ihm vereinigt zu sein, wurden ihre Leiber so verbunden, daß ein Doppelgeschöpf, halb Mann, halb Weib, entstand. Diese Sage, welche in der durch Ovid überlieferten Gestalt ohne Zweifel das Werk gelehrter alexandrinischer Dichtung ist, beruht auf Ideen und Bräuchen, welche aus den semit. Religionen in die griech. Mythologie eingedrungen sind. Die spätere verweichlichte griech. Kunst versuchte sich viel in Darstellung des H., wobei es dann meist nicht sowohl auf die Darstellung der diesen Göttern zu Grunde liegenden veligiösen Ideen als auf die Lösung des künstlerischen Problems einer Verschmelzung männlicher und weiblicher Formen abgesehen war. Es sind noch viele Darstellungen von H. in Statuen, Reliefen, Wandgemälden, Gemmen erhalten. Nach Plinius hat ein Bildhauer Polykles eine berühmte Statue eines H. geschaffen. Es ist aber ungewiß, ob damit ein älterer Polykles, der im 4. Jahrh. lebte, oder ein jüngerer, der dem 2. Jahrh. v. Chr. angehört, gemeint ist. Ebenso ungewiß ist, ob man in den schön erhaltenen Statuen eines liegenden H. Nachbildungen jener berühmten Statue erkennen darf.