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ErdkundeBrockhaus 1882

Hermas wird Röm. 16, 14 unter den Mitgliedern der röm. Gemeinde genannt, an welche Paulus Grüße bestellt. Unter demselben Namen schrieb ein anderes Mitglied der röm. Gemeinde, nach einem alten Zeugnisse ein Bruder des röm. Bischofs Pius, gegen Mitte des 2. Jahrh. eine Der Hirto betitelte Apokalypse, welche, im Hinblick auf die nahe bevorstehende Wiederkunft Christi, eine neue, angeblich von Christus selbst offenbarte Bußfrist für die getauften, aber wieder in allerlei Sünden verfallenen Christen verkündigt. Das Buch stand in der alten Kirche in solchem Ansehen, daß man es anfangs dem neutestamentlichen Kanon zuzählte; neuerdings pflegt man es zu den Schriften der sog. Apostolischen Väter (s. d.) zu rechnen. Für die Geschichte des 2. christl. Jahrh. ist Der Hirto eins der wichtigsten Dokumente. Das Buch war längere Zeit nur in lat. übersetzung vorhanden, bis neuerlich schnell hintereinander der größte Teil des griech. Originaltertes in einer jüngern und einer ältern Handschrift, eine äthiopische und eine zweite lat. Version aufgefunden wurden. Die erste Ausgabe des griech. Textes ist von Anger und Dindorf (Lpz. 1856), neuere Ausgaben desselben von Hilgenfeld (in Novum Testamentum extra canonem reéceptum o, Lpz. 1866; 2. Aufl. 1881) und in den Sammlungen der apostolischen Väter von Gebhardt und Harnack (Ipz. 1877) und Funk 2 1881) veranstaltet worden; auch stellte Hilgeneld die altlat. übersetzung wieder her: Hermae Pastor. Veterem latinam interpretationem e codicibus etc. (Lpz. 1873). Vgl. Hilgenfeld, «Apostolische Väter (Halle 1853); Behm, «Üüber den Verfasser der Schrift, welche den Titel Hirt führtv (Rostock 1876). Apologet. Tendenz verfolgt die Schrift von Zahn: «Der Hirt des H.v (Halle 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 147Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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