Hermen heißen in der Kunstsprache Köpfe, welche in einen viereckigen Fußpfeiler ausliefen, dergleichen es im alten Athen auf Plätzen und Straßen viele gab. Den Namen erhielten diese Pfeiler von Hermes, insofern dieser auch als Gott der Wege verehrt wurde. Aus dem ältesten Kultus des Hermes in Gestalt von Steinhaufen an Wegen und Grenzmarken, dann auch unter den Formen des Phallus entwickelte sich die Gestalt der H., zunächst als einfacher Pfahl, welcher inmitten der Steinhaufen errichtet wurde, dann als ithyphallischer Pfeiler, welchem zuletzt der Kopf des Gottes aufgesetzt wurde. So bildeten zumal die Pelasger den Hermes. An Kreuzwegen wurde die einfache H. nach der Anzahl der Wege verdreifacht oder vervierfacht. Auch auf andere Götter, besonders auf den bärtigen Dionysos, wurde in späterer Zeit diese Darstellungsform übertragen, dann auch auf Staatsmänner, Philosophen und besonders Dichter, deren Porträts gewöhnlich zu Doppelhermen zusammengesetzt wurden. Die H. bildeten den Anfang der Bildhauerkunst, und in der ältesten Zeit waren wohl alle Götterbilder nichts als ein Pfeiler mit einem unförmlichen Kopf. Vgl. Gerhard, De religione hermarumo (Berl. 1845).