Heristall, jetzt Herstal. Marktflecken mit 11381 E. am linken Ufer der Maas und an der Linie Lüttich-Eindhoven der Niederländischen Staatsbahnen, 5 Km im NO. von Lüttich, als dessen Vorstadt es betrachtet werden kann. Die blühenden Gewerbszweige des Ortes sind Kohlenförderung und Eisenfabrikation. Die Herrschaft H. war von 1444 an im Besitz des Hauses Nassau, unter lütticher Oberhoheit. Mit dem Tode Wilhelms III., Königs von England, entstand 1702 Streit über dieses Erbe, bis es endlich 1714 dem König von Preußen zufiel, von dem es gegen 1740 für 150000 Thlr. dem lütticher Hochstift verkauft wurde. Die einst über H. emporsteigende, jetzt aber bis auf wenige Spuren verschwundene Burg ist das denkwürdige Stammschloß des austrasischen Majordomus, Pipins des Dicken, der hiernach Pipin von H. genannt wird. Der Ort war als Familienbesitzung der Karolinger in der Folge oft auch der Aufenthaltsort Karls d. Gr. und streitet mit Aachen um den Enüich dessen Geburtsort zu sein. Es wird gewöhnlich das fränkische H. genannt, zum Unterschied von dem sächsischen. Dieses letztere, jetzt das Dorf Herstelle an der Weser im Kreise Höxter des Regierungsbezirks Minden der preuß. Provinz Westfalen, war ein schon in den r militärisch wichtiger Punkt, wo auch König Karl d. Gr. im Kriege gegen die Sachsen im Winter 797 sein Heerlager aufs 1wg. Aus diesem Lager entstand im Mittelalter eine Burg, die um die Mitte des 15. Jahrh. von den Hessen niedergebrannt, später aber wieder aufgebaut, von ihren Besitzern, den Herren von Falkenberg, 1608 an den Bischof von Paderborn verkauft und samt dem dabei befindlichen Minoritenkloster im Dreißigjährigen Kriege gänzlich zerstört wurde.