Herödes der Große, König der Juden, ein Sohn des Edomiters Antipater, den Cäsar dem schwachsinnigen Makkabäerfürsten Hyrkanus II. als Prokurator an die Seite gesetzt hatte, geb. 73 v. Chr., wurde 47 v. Chr. Statthalter von Galiläa. In diesem Amte erwarb er sich durch Ausrottung des Räuberwesens große Verdienste und erlangte trotz der gegen ihn erhobenen Anklagen der Pharisäer von der Gunst der Römer noch die Verwaltung von Samaria und Cölesyrien hinzu. Nach dem Tode seines Gönners Cäsar ging er erst zu den Republikanern, dann zu Antonius über. Siegreich gegen Antigonus, den Bruderssohn Hyrkanus' II., bei ratete er des letztern Enkelin Mariamne, worauf ihn Antonius zum Tetrarchen ernannte. Zwar mußte er vor den erneuten Angriffen des Antigonus im J. 40 weichen; doch von den Triumvirn Antonius und Octavianus zum König in Judäa ernannt, eroberte er nach dreijährigem Kampfe mit Hilfe der Römer Jerusalem (im J. 37). Die 37jährige Herrschaft des H. erneuerte an äußerm Glanze die glorreichsten Zeiten des Davidischen Königtums und vereinigte unter seiner Herrschaft noch einmal das ganze jüd. Land. Nach innen sicherte er sich Thron und Leben nach orient. Despotenart durch blutige Gewalt. Von Argwohn und Mißtrauen gepeinigt, mordete er seine eigene Gemahlin, die Makkabäerin Mariamne, seinen Schwager Aristobulus und dessen Mutter Alexandra, den alten Fürsten Hyrkanus und drei seiner eigenen Söhne. Von den Juden als fremder Eindringling gehaßt, erhielt er sich auf dem Thron durch kriechende Unterwürfigkeit gegen die in den röm. Bürgerkriegen jedesmal siegende Partei. Nach dem Tode des Antonius ging er zu Augustus über, welcher seine Staaten noch ansehnlich vermehrte. Das denkwürdigste Ereignis unter seiner Regierung war die Geburt Christi (im J. 4 vor der christl. Ara). Er baute den Tempel von Jerusalem prächtiger als zuvor,‚ zierte seine Hauptstadt mit vielen schönen Gebäuden, gründete mehrere Städte, schlug die Araber und ihren Anführer Aretas und besiegte die syr.⸗ arab. Räuber. In der letzten Zeit seines Lebens verschwor sich gegen ihn sein Sohn Antipater, den er fünf Tage vor seinem eigenen Tode (4 v. Chr.) erdrosseln ließ. Nach seinem Tode wurde sein Reich unter drei seiner überlebenden Söhne geteilt. In der Regierung folgte ihm mit dem Titel eines Ethnarchen (Volksfürsten) sein Sohn Archelaus (s. d.). Sein zweiter Sohn, H. Antipas, der Landesfürst Jesu, wurde Tetrarch von Galiläa und Peräa. Caligula verwies ihn 40 n. Chr. nach Lyon. H. entführte die Herodias, seines Stiefbruders Herodes Boäthos Weib, und ließ Johannes den Täufer hinrichten. Die evang. überlieferung läßt ihn auch Jesu nachstellen. Der Bericht des Lukas-Evangeliums weiß außerdem von einem förmlichen Verhör zu erzählen, welches H. auf des Pilatus Veranlassung mit Jesu veranstaltet haben soll, in wel⸗⸗ chem H. jedoch Jesum unschuldig befunden habe. Nach diesem H. werden die Herodianer genannt, die mehr eine polit. als religiöse Partei waren. Mehrere Väter der alten Kirche, wie Tertullian, Cpiphanius, Chrysostomus u. a., bezeichneten sie als eine jüd.⸗religiöse Sekte, die den H. für den Messias gehalten hätte. — Der dritte Sohn, Philippus, wurde Tetrarch von Trachonitis, Auranitis und Batanäg und starb nach einer friedlichen i Regierung 33 n. Chr. Noch sind zu erwähnen: H. Agrippa I., der Enkel Herodes' d. Gr., der Sohn eines der hingerichteten Söhne desselben und der Bruder der Herodias. In Rom am Kaiserhofe erzogen, führte er ein verschwenderisches Leben. Von seinen Gläubigern verfolgt, floh er nach Idumäa, genoß dann eine Zeit lang bei seinem Schwager Antipas in Tiberias das Gnadenbrot und kam dann nach Rom zurück. Von Tiberius erst zum Prinzenerzieher ernannt, dann ins Gefängnis geworfen, wurde er durch Caligula befreit, mit Ehren überhäuft und mit dem Königstitel und den Gebieten des Philippus und des Lysanias beschenkt, bis er zuletzt unter Claudius noch einmal das ganze jüd. Land unter seiner Herrschaft vereinigte. Er starb 44 n. Chr., worauf sein Staat fast ganz zur röm. Provinz wurde. Nach der Apostelgeschichte ließ er den Apostel Jakobus hinrichten und Petrus ins Gefängnis werfen. — Sein Sohn, H. Agrippa II., der die Tetrarchie des Philippus, sowie Stücke von Galiläa und Peräa und die Aufsicht über den Tempel erhielt, war der letzte herodäische König. Er unterstützte die Römer bei der Croberung Jerusalems, wurde hierauf mit der röm. Prätorwürde bekleidet und starb 100 n. Chr. Sein Land wurde zu Syrien geschlagen.