Herwegh (Georg), deutscher polit. Lyriker, geb. 31. Mai 1817 zu Stuttgart, erhielt seinen ersten Unterricht in Stuttgart und Maulbronn und bezog dann das prot.⸗theol. Stift in Tübingen. Von dem theol. Studium nicht befriedigt, wandte er sich indes wieder nach Stuttgart, wo er an Lewalds (Europaso mitarbeitete. Als konfkriptionspflichtig zum Militärdienst eingezogen, aber bald auf unbestimmte Zeit beurlaubt, verließ er infolge eines Konflikts mit einem Offizier Württemberg und ging nach Emmishofen im Kanton Thurgau, dann nach Zürich. Hier veröffentlichte er die «Gedichte eines Lebendigen» (Zür. u. Winterth. 1841; 10. Aufl., Stuttg. 1877), polit. Poesien voll jugendlichen Feuers, welche in der von Freiheitsbestrebungen bewegten Zeit rasch populär wurden. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris unternahm H. 1842 eine Reise durch Deutschland, auf der er als Freiheitssänger allerwärts viel Anerkennung fand. Selbst der König von Preußen beschied ihn in Berlin zur Audienz. Als er aber von Königsberg aus einen wider seine Absicht veröffentlichten Brief an den König von Preußen richtete, in welchem er gegen alle konventionellen Formen verstieß, wurde er aus dem preuß. Staate verwiesen. Er kehrte zunächst mit seinem Freunde Bakunin, den er in Dresden getroffen, nach Zürich zurück, doch bot auch hier seine Erklärung, daß er die Herausgabe einer entschieden freisinnigen Zeitschrift beabsichtige, den Anlaß, ihm den längern Aufenthalt im Kanton zu untersagen. Der König von Württemberg dagegen schlug die wegen Entziehung vom Militärdienste gegen ihn schwebende Untersuchung nieder, sodaß es ihm möglich ward, sich in das schweiz. Bürgerrecht des Kantons Baselland aufnehmen zu lassen. Nach einer Reise nach Südfrankreich und Italien nahm H. seinen bleibenden Aufenthalt in Paris, wo er mit Heine, mit Béranger und George Sand, vorzugsweise aber auch mit poln. und russ. Emigranten verkehrte. Außer den Einundzwanzig Bogen aus der Schweizy (Zür. u. Winterth. 1843), zu welchen auch andere, wie Bruno Bauer, David Strauß, Adolf und Ludwig Seeger, Beiträge geliefert hatten, ließ er von Paris aus einen zweiten Band der «Gedichte eines Lebendigen» (1844) erscheinen, die jedoch nicht den durchschlagenden Beifall des ersten Teils fanden. Im April 1848 fiel H., in Begleitung seiner Gattin und im Verein mit Bornstedt, an der Spitze einer deutsch-franz. Arbeiterkolonne in Baden ein, die jedoch 27. April bei Dossenbach von württemb. Truppen geschlagen wurde. Er rettete sich in die Schweiz, von wo aus er alsbald nach Paris zurückkehrte. Im Juni 1849 ging H. mit Herzen, zu dem er damals in den freundschaftlichsten Beziehungen stand, nach Genf, von wo er nach sechsmonatlichem Aufenthalt nach Nizza übersiedelte. Einige Zeit darauf kehrte er nach der Schweiz zurück und nahm hier seinen Aufenthalt wieder in Zürich. Später hielt er sich teils in Paris und im südl. Frankreich, teils auch wieder in Deutschland, seit 1866 in Baden-Baden auf, wo er 7. April 1875 starb. Von den poetischen Arbeiten aus H.s spätern deit de⸗ sind namentlich das Gedicht bei Gelegenheit des eidgenössischen Schützenfestes, der Prolog zur Schillerfeier in Zürich und die vielfach ins Italienische übersetzten Strophen auf den Tag von Aspromonte bekannt geworden. Nach seinem Tode erschienen diese Gedichte nebst mehrern andern in der Sammlung Neue Gedichten (Zür. 1877), welche in Deutschland konfisziert wurde. H.s Lieder, im Ausdruck von großer Einfachheit, Klarheit und Kraft, sind aus Einem Guß geschaffen und ergreifen mächtig. Während er im ersten Teile der «Gedichte eines Lebendigeno eine nationale Bedeutung in Anspruch nahm, wollte er im zweiten nur noch der Dichter einer Partei sein. In den spätern und nachgelassenen Gedichten überwiegt die epigrammatische Form und eine pessimistische Stimmung, gegenüber den großen zeitgeschichtlichen Ereignissen und Persönlichkeiten. Man hat von H. auch eine Übersetzung der Werke Lamartines (12 Bde., Stuttg. 1839 — 40). Für die von Ulrici herausgegebene Shakspeare-Übersetzung hat H. den Coriolanusübertragen, für die Bodenstedtsche König Lear », «Troilus und Cressidav und mehrere Lustspiele. al Reeitsz Dorf im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Landau, 6 kmtöstlich von Rohrbach, am Klingbach, mit (1880) 3899 fast nur kath. C., welche Weberei, Acker⸗, Tabak⸗ und Wiesenbau treiben.