Heß (Karl), Genremaler, des vorigen jüngerer Bruder, geb. 1801 zu Düsseldorf, widmete sich zunächst dem Radieren und Kupferstechen und radierte namentlich ein kleines Blatt nach Ostade, den geldzählenden Bauer, folgte aber in München bald seiner Neigung zur Malerei, in der er sich, nachdem er durch eine tüchtige Zeichnung, den Cheruskerbund gegen die Römer vorstellend, in der histor. Darstellung einen Versuch gemacht, vorzüglich den ländlich-idyllischen Scenen hingab. Als Vorbilder galten ihm Wagenbauer und sein Bruder Peter H., doch fand er ein spezielles Lieblingsgebiet in der Darstellung freundlicher Motive aus dem Leben in den Alpen. Im J. 1835 malte er ein größeres Tierstück, Kühe, Ziegen und Schafe auf der 1 be des Starnbergersees darstellend, das zu seinen besten Werken gehört. Bilder von ihm kommen sonst nicht häufig vor. H. hatte früher seinen Wohnsitz meist in München. Er starb 16. Nov. 1874 zu Reichenhall. Hesß (Ludw.), trefflicher Landschaftsmaler, geb. in Zürich 16. Okt. 1760, war der Sohn eines Fleischers und für das Handwerk des Vaters erzogen, wendete sich aber bald der Malerei zu und erwarb sich in kurzer Zeit einen im Vaterlande wie im Auslande geachteten Namen. Im J. 1794 wurde ihm endlich sein Wunsch, Italien zu sehen, erfüllt. Doch schon nach zwei Monaten mußte er in die Heimat zurückkehren, wo ihn 1798 die Zeitverhält— nisse nötigten, um des täglichen Unterhalts willen den größten Teil seiner Zeit auf das Kupferätzen zu verwenden. Er starb 13. April 1800. Hauptsächlich waren die Alpenmassen die Gegenstände seines Studiums; aber auch andere Gegenden nahm er auf, stets anmutige und passende Staffagen in den Rahmen seiner Kompositionen einfügend. Treue, fleißige Darstellung, Harmonie, herrliches Kolorit, gefällige Keckheit des Pinsels charakterisieren seine Bilder, die fast durch ganz Curopa zerstreut sind, wie es denn auch viele Zeichnungen und geätzte Blätter von ihm gibt. Von seinen Meisterstücken sind zu nennen: der Montblane, der Alpenmorgen, der Abend am Lago-Maggiore, der Alpensee des glarner Murgthals, der Grütli und Tells Kapelle in der hohlen Gasse. Vgl. Meyer, „Biographie von Ludwig H.v (Zür. 1800).