Hien-Fong, d. h. «Segensfülles, Kaiser von China 1850—61, vierter Sohn des Kaisers Taou-Kuang, geb. im Aug. 1831, folgte seinem Vater 24. Febr. 1850. Seine Regierung war noch bewegter als die seines Vaters, da nicht nur die Revolution der den Umsturz der herrschenden Mandschu-Dynastie beabsichtigenden, ebenso zahlreichen als mächtigen, halb politischen, halb religiösen Verbindung der Thai-Ping, sondern auch ein für China sehr nachteiliger Krieg mit England während derselben stattfand, dem Frankreich sich anschloß. Die Regierung von H. zeigte nämlich nicht das ernstliche Bestreben, den mit England 26. Aug. 1842, mit Nordamerika 3. Juli 1844 und Frankreich 24. Okt. 1844 geschlossenen Kontrakten gewissenhaft nachzukommen. Die Verwickelungen zwischen China und den genannten Staaten, denen sich später auch Rußland anschloß, stiegen immer ö höher und es kam endlich 1856 zu einem für China sehr nachteiligen Kriege. Die Friedensverhandlungen zur Beendigung desselben kamen zu Tientsin vom 7. bis 27. Juni 1858 zum Abschluß. Die chines. Regierung war aber abwechselnd bemüht, die Verträge von Tien-tsin zu umgehen, ihre Ausführung in die Länge zu ziehen. Auch geschahen bald wieder, 21. Juni 1859, neue direkte Feindseligkeiten chinesischerseits gegen die engl.⸗ franz. Macht. So kam es zu einem neuen Kriege im J. 1860, der für China höchst unglücklich aussiel und in dessen Verlauf Peking in die Hände der verbündeten Westmächte gelangte und der prachtvolle kaiserl. Sommerpalast Yuen-Ming-Muen durch sie ausgeplündert und später, 18. bis 19. Okt./ fämtig vernichtet wurde. Der engl. und der franz. Regierungsbevollmächtigte in diesem Kriege, Lord Elgin und Baron Gros, drangen auf die energischste Weise auf die baldigste Erfüllung der Traktate von Tien-tsin, denen ihrerseits neue, sich hauptsächlich auf die Bezahlung von Kriegskosten und andern geldlichen Entschädigungen an sie zugefügt wurden. Die Ratifikation dieser erneuerten Verträge von Tien-tsin mit Lord Elgin und Baron Gros fand am 24. bis 26. Okt. 1860 statt, und der Kaiser H. bestätigte sie zu Dschehol am 2. Nov. Auf diese letzten Verträge gründet sich die zwar nur langsam und schrittweise, aber doch stets weiter und weiter fortschreitende Zugänglichkeit des chines. Reichs für die Kultur des europ. Westens, wie dieselbe in der Gegenwart stattfindet. H. starb 21. Aug. 1861 zu Dschehol und hatte seinen ältesten Sohn zum Nachfolger, der als Kaiser den Namen Tsung-tschi führte. (S. China, Bd. IV, S. 288—291.)