Heinrich VI., König von England, 1422—61, geb. zu Windsor 6. Dez. 1421, war wenige Monate alt, als der Tod seines Vaters Heinrich V. ihn in England und Frankreich zugleich zum Könige machte. die Brüder des Verstorbenen übernahmen für ihn die Regierung, der Herzog von Bedford in Frankreich und der Herzog von Glocester in England. Unter tapfern Führern, wie Salisbury, Talbot u. a., blieben die Engländer auch ferner in Frankreich Sieger, auch dann, als sich die Burgunder von ihnen trennten. Der König Karl VII. oder, wie er noch bis zu seiner Krönung genannt ward, der Dauphin, hatte 1428 nördlich der Loire nur noch Orléans, als das Auftreten der Jeanne d'Are den Umschwung einleitete. Obwohl H. noch 1430 in Paris zum Könige von Frankreich gekrönt wurde, machte die Sache Karls nun unaufhörliche Fortschritte, namentlich nach dem Kongreß von Arras 1435, als Burgund sich endgültig von den Engländern trennte; 1436 verloren sie auch Paris. Nachdem ein 1444 geschlossener Waffenstillstand w1449 abgelaufen war, entriß der franz. Feldherr Dunois ihnen auch die Normandie und 1450 Guyenne, und die Engländer hatten, als der tapfere Talbot 1453 in der Schlacht bei Chätillon fiel, von allen ihren Eroberungen nur noch Calais, welches sie bis 1556 behaupteten, und die Normannischen Inseln, welche sie noch haben. Der Krieg hörte damit auf, ohne daß Frieden geschlossen worden wäre. H. wurde eigentlich nie selbständig, da er stets fremden Einflüssen gehorcht und sich der Reihe nach von ehrgeizigen Großen oder Verwandten, wie z. B. dem Herzog von Glocester und dem Kardinal Heinrich von Beaufort, seit 1445 auch von seiner energischen Gemahlin Margarete von Anjou, beherrschen ließ. Alle aber überragte der gewaltige Richard von Vork, ein Enkel Eduards III., welcher nach Bedfords Tode Statthalter in Frankreich gewesen war und 1453 es durchsetzte, daß das Parlament ihn zum Protektor ernannte. Die Bemühungen der Königin um Beseitigung dieses Protektorats waren die Ursache, daß die Linie Lancaster des Hauses Plantagenet und die Linie Vork, auch ihren Abzeichen rote und weiße Rose genannt, sich von nun an in tödlicher eindschaft gegenüber traten. H. geriet durch die chlacht bei St.Albans 1455 in Richards Gewalt, aber Margarete gab den Kampf für ihren Gemahl und ihren Sohn Eduard nicht auf und blieb in der Scon bei Wakefield 24. Dez. 1460 Siegerin. Schon damals war die Erbitterung so groß, daß nicht bloß alle vornehmen Gefangenen hingerichtet, sondern auch die Leiche des gefallenen Protektors geköpft ward. H. erlängte seine Freiheit wieder, aber schon 4. März 1461 wurde Richards Sohn Eduard (IV.) in London zum Könige ausgerufen und H. mußte nach der Niederlage seines Heeres bei Towton (29. März) mit Gemahlin und Sohn nach Schottland flüchten. Ein mißglückter Versuch Margaretens, ihm den Thron zurückzuerobern, brachte ihn 1465 von neuem in den Tower. Er hat ihn nur kurze Zeit verlassen und nochmals königl. Ehren genossen, als 1470 Eduard IV. sich mit seinen eigenen Anhängern, namentlich dem mächtigen Grafen Warwick, verfeindete und von diesem verjagt wurde. Die Schlacht bei Barnet, in welcher der im März 1471 zurückkehrende Hork Warwick erschlug, lieferte auch H. wieder in die Gewalt seines Nebenbuhlers. Dieser schlug dann 4. Mai bei Tewkesbury auch die von Frankreich her mit ihrem Sohne gelandete Margarete und nahm beide gleichfalls gefangen. Der junge Prinz wurde sogleich getötet, H. selbst am 22. Mai 1471, als Eduard IV. in London einzog, während Margarete durch den Friedensvertrag Ludwigs XI. mit Eduard für eine hohe Geldsumme die Freiheit erhielt. Sie starb erst 1482.