Hieratischer Stil heißt in Bezug auf die griech. und griech.⸗röm. Kunst diejenige Behandlung der Körperformen und Gewandung, welche in Nachbildung der Werke der altertümlichen Kunst in absichtlicher Unfreiheit Strenge, ja Starrheit und übermäßige Zierlichkeit in der Bildung der Haare und Gewandfalten anstrebt; also dasselbe, was man auch als den archaistischen Stil im Gegensatz zu dem archaischen, den altertümelnden im Gegensatz zu dem echt altertümlichen bezeichnet. Angewandt wurde der Eiamertg oder archaistische Stil hauptsächlich bei Bildwerken, welche für die Zwecke des Kultus, als Tempelbilder, Weihgeschenke u. dgl. bestimmt waren. Doch war derselbe nicht selten auch Privatliebhaberei oder Modesache. Das Hauptkriterium zur Sonderung solcher nachgeahmter Werke von den echt altertümlichen ist neben einer gewissen Angstlichkeit und Trockenheit, auch übermäßigen Sorgfalt der Ausführung, wie sie meist Nachahmungen im Gegensatz zu Originalwerken eigen zu sein pflegt, die Übertreibung gröberer Eigentümlichkeiten des archaischen Stils bei Nichtbeachtung feinerer. Zu den bekanntesten erhaltenen Werken der Art gehören die von Rauch ergänzte Pallas in Dresden, die Artemis aus Pompeji und eine Athena aus Herculanum in Neapel, der sog. Altar der Zwölfgötter in Paris, eine Dreifußbasis in Dresden u. s. w.