FeedHildebrand (Bruno)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hildebrand (Bruno), Statistiker und volkswirtschaftlicher Schriftsteller, geb. 6. März 1812 in Naumburg a. S., erhielt seine Gymnasialbildung in Schulpforta, widmete sich seit Ostern 1832 auf den Universitäten zu Leipzig und Breslau dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, habilitierte sich 1836 an der Universität zu Breslau und wurde 1839 außerord. Professor. Im Herbst 1841 folgte er einem Rufe als ord. Professor der Staatswissenschaften nach Marburg, wo er sich durch die Selbständigkeit, mit der er namentlich 1845 während seines Prorektorats die Rechte der Universität vertrat, bei der Regierung mißliebig machte. Nach einem längern Aufenthalt in London 1846 wurde er wegen eines in der deutschen (Londoner Zeitunge erschienenen Artikels in Marburg der Majestätsbeleidigung angeklagt und nach und nach von sämtlichen akademischen Amtern suspendiert. Seine Freisprechung erfolgte erst Anfang 1848. Von dem Bezirk Marburg in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, bethätigte er sich in dieser Ausschuj hals Mitglied des volkswirter für Bockenheim Mitglied des kurhess. Landtags. Nach der Rückkehr Hassenpflugs ins Ministerium gehörte H. zu dessen entschiedensten Gegnern, übernahm 1851 eine Professur an der Hochschule zu Zürich und gehörte zu den Begründern der schweiz. Nordostbahn. Ostern 1856 folgte er einem Rufe nach Bern, wo er als Professor der Staatswissenschaften das erste Statistische Bureau der Schweiz gründete. Im J. 1858 wurde er veranlaßt, auch ein berner Eisenbahnunternehmen ins Leben zu rufen, das ihm jedoch eine heftige Polemik zuzog. Er nahm deshalb 1861 seinen Abschied und folgte einem Rufe als Professor der Staatswissenschaften 230 Hildebrand (Adolf Ernst Ro nach Jena, wo sich ihm als akademischer Lehrer und Begründer und Direktor des Statistischen Bureau vereinigter thüring. Staaten eine ausgedehnte Wirksamkeit eröffnete. Er starb hier 29. Jan. 1878. Von His litterarischen Arbeiten sind hervorzuheben: Rationalökonomie der Gegenwart und Zukunft» (Frankf. a. M. 1848), Die kurhess. Finanzverwaltunge (Kass. 1850), „Statist. Mitteilungen über die volkswirtschaftlichen Zustände Kurhessensy (Berl. 1853), „Beiträge zur Statistik des Kantons Berny(Bd. 1, die Bevölkerunge, Bern 1860) u. s. w. Seit 1863 gab H. allein und seit 1872 im Verein mit Conrad Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistiko heraus. Als Direktor des Statistischen Bureau veröffentlichte er unter dem Titel «Statistik Thüringensy (2 Bde., Jena 1866 — 71) ein amtliches statist. Quellenwerk.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 229Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6