Hirsch (Cervus) ist der Name einer Gattung der Wiederkäuer mit zackigen, nicht hohlen Hörnern, Geweih genannt, welche indes, eine Art (das Renntier) ausgenommen, dem weiblichen Geschlecht stets fehlen, in gewissen Perioden des Jahres abfallen und dann durch neue ersetzt werden, die anfangs mit einer haarigen Haut überzogen sind. Die 22 Hirscharten sind in der Alten und Neuen Welt einheimisch und gehören zu den nutzbarsten Tieren, fehlen aber gänzlich im südl. Afrika, in Australien und in Polynesien. Unter ihnen ist das größte das Elen oder Elentier (s. d.; vgl. Tafel: Hirsche, Fig. ). Andere Hirscharten sind das Renntier (s. d., Fig. 2) und der Damhirsch (f. d., Fig. 3), beide mit schaufelförmigem Geweih. Unter den übrigen Arten, die ein rundes Geweih hiric ist außer dem Reh (s. d., Fig. 4) der Edelirsch, Rothirsch oder Rotwild (C. Elaphus, Fig. 5), dessen Weibchen Hirschkuh, Tier oder Hindin genannt wird, in Europa am häufigsten und bildet hier egenwärtig den Hauptgegenstand der sog. hohen agd. Er ist bräunlich, im Sommer rötlich (Brandhirsch), seine Nase kahl und das Geweih vielsprossig und zurückgebogen. Sein Geweih wirft er im Februar (daher Hornung) ab. Das einjährige alb wird Spießer genannt, das zweijährige heißt Gabler. Das Alter der Männchen, die in der Brunstzeit, im Spätherbst, um die Weibchen kämpfen, schätzt man nach der Zahl der Enden, d. h. der Zacken des Geweihs (wie dies die nachstehenden Abbildungen zeigen). In ältern Zeiten, wo die H. noch Zuflucht in den Urwäldern fanden, erreichten sie öfters eine jetzt beispiellose Größe. So besaß man in Wusterhausen das mit 66 Enden versehene und 535 Pfd. wiegende Geweih eines von Friedrich I. 1696 geschossenen 5. Das Fleisch des d. ist sehr chmackhaft; sein Fell liefert, weiß gegerbt, das sog. ildleder. In Amerika wird der Edelbirsch durch mehrere Arten vertreten, in Nordamerika durch den größern Wapiti oder canadischen H. (O. Canadensis), in Südamerika durch den Guazu-Puca oder Sumpfhirsch (C. paludosus) u. s. w. Ostindien besitzt einige eigentümliche Hirscharten, unter denen besonders der gefleckte, auch in engl. Parks verpflanzte, schon den Alten bekannte Axishirsch (C. Axis) zu erwähnen ist. Eine besondere, sehr merkwuürdige Unterfamilie der H. bilden die Moschustiere (s. d.; vgl. Tafel, Fig. 6). Skelette, namentlich Geweihe. die man hier und da, besonders in Irland in Torfmooren gefunden hat, zeugen von einer untergegangenen Hirschart, dem og. Riesenhirsch (C. megaceros). Bei einigen ieser Skelette maß der Schädel 60— 70 em, das Iie Coitzen de Geweih war über 2 mlang, und ie Spitzen desselben standen etwa 4 m auseinander. Andere ausgestorbene Gattungen, die zu der Familie der H. gehören, kommen in den mittlern Tertiärgebilden (Miocän) Europas vor.