FeedHirsau
ErdkundeBrockhaus 1882

Hirsau, Dorf mit 731 E. im Oberamt Calw des württemb. Schwarzwaldkreises, im Thale der Nagold, 332 müber dem Meere, Station der Linie Pforzheim-Horb (Nagoldbahn) der Württembergischen Staatsbahnen, 2,5 km unterhalb Calw, hat Wollspinnerei, Saffian⸗, Löffel⸗ und Pappdeckelfabriken und wird auch als Luftkurort besucht. H. verdankt seine Entstehung dem ehemaligen Kloster gleichen Namens, dessen Ruinen einen nahen Hügel äußerst malerisch zieren. Dieses berühmte Benediktinerkloster (monasterium Hirsaugiense), vom Grafen Erlafried von Calw 830 erbaut, durch Hrabanus Maurus, Abt von Fulda, im Sept. 838 eingeweiht, zeichnete sich bald durch wissenschaftliche Bildung aus, und die dasige Schule war im 10. Jahrh. berühmt. Die in ganz Deutschland 986 wütende Pest und das 988 unter den Mönchen entstandene Schisma brachten der Klosterschule großen Schaden. Allein durch den Grafen Adelbert von Calw wurde 1059 wieder ein besserer Zustand herbeigeführt, und unter dem heiligen Abt Wilhelm (1069—91) nahm das Kloster eine der ersten Stellen unter allen Benediktinerkongregationen ein. Nach der Reformation 1558 säkularisiert, wurde es in eine Klosterschule verwandelt. Herzog Ludwig von Württemberg baute ein Schloß an das Kloster an, welches aber gleich dem Kloster 1692 durch die Franzosen eingeäschert wurde. Die ausgebrannten Mauern dieses Schlosses überwölbt die riesige, von Uhland u. a. besungene Ulme. Noch gut erhalten ist die im got. Stil 1509 erbaute Kapelle, jetzt Pfarrkirche, in deren obern Räumen sich der interessante Klosterbibliotheksaal befindet. Für die deutsche Geschichte sind wichtige Quellen: Tritnamentlich aber der Codex Hirsaugiensiso, 1844 vom Litterar. Verein in Stuttgart herausgegeben. Vgl. Christmann, «Geschichte des Klosters H.» (Tüb. 1783); Steck, «Das Kloster H. (Calw 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 258Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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