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TechnikBrockhaus 1882

Hoden (testes, testiculi, orchides) nennt man dem eiförmige, etwas flachgedrückte Drüsen, welche eim männlichen Geschlechte den Samen bereiten. Sie liegen im Hodensack (scrotum), einer muskelreichen, in zwei Hälften geteilten Hauttasche, frei beweglich innerhalb einer von einer glatten Haut, die auch den H. überzieht (der sog. Scheidenhaut), ausgekleideten Höhle und bestehen im einzelnen aus zahlreichen feinen, dicht aneinandergeladeren Kanälchen (den Samenkanälchen), innerhalb ren der Same erzeugt wird. Diese Samenröhrchen (tubuli seminiferi), deren es gegen 800 bis 1000 gibt, vereinigen sich nach und nach zu 12—17 Ausführungsgängen, welche in ein zweites, weicheres, neben dem H. liegendes Organ, den Nebenhoden (epididymis), eintreten und sich hier zu dem Samenleiter (Vas deferens) vereinigen, welcher, durch Muskelfasern verstärkt, den Samenstrang (funiculus spermaticus) bildet und in die Bauchhöhle heraufsteigt, von da neben der Blase herabgeht, sich mit den zur Aufsammlung des Samens bestimmten Samenbläschen verbindet und endlich, mit diesen einen gemeinschaftlichen Ausführungsgang darstellend, in der Harnröhre unterhalb des Harnblasenhalses ausmündet. Mangelhafte Thätigkeit der H. bewirkt Unfruchtbarkeit des Mannes; der H. beraubte männliche Individuen (Kastraten, Eunuchen, Hämlinge) sind gleichfalls unfruchtbar. Scheinbar fehlt ein H. oder auch beide (Monorchiden, Anorchiden), wenn sie die Leibeshöhle, in welcher sie beim Fötus liegen, noch nicht verlassen und noch nicht in den Hodensack erabgestiegen sind; liegen beide noch im Bauche, o sind die Individuen auch häufig unfruchtbar. erden Knaben die H. weggenommen, so tritt später die Mutation der Stimme nicht ein. Unter den Krankheiten der Hoden kommen am häufigsten die folgenden vor: 9 Die Hodenentzündung (Orchitis), welche entweder für sich allein auftritt und nur das eigentliche Hodengewebe befällt, oder sich mit einer Nebenhodenentzündung (Epididymitis) verbindet. Die Ursachen dieser überaus schmerzhaften Krankheit bestehen entweder in einem Stoß, Schlag, einer Quetschung oder sonstigen Verletzung des H. oder in einer Tripperentzündung der Harnröhre, die sich bei unzweckmäßigem Verhalten des Kranken leicht nach den Samenbläschen und dem Samenleiter ausbreitet und bis zu den Nebenhoden iig icht In einem solchen Falle stellt sich gewöhnich 10 schnell eine beträchtliche Anschwellung und meist sehr große Schmerzhaftigkeit des H. und des Rebenhodens ein, womit in der Regel Fieber, allemeines Unbehagen, nach den Schenkeln ausstrahende Schmerzen, bei stärkern Graden der Entzündung auch die Unmöglichkeit zu gehen verbunden sind. Bei günstigem Verlauf nimmt die schmerzhafte H0druchwelung nach 8 —10 Tagen ab, und es tritt vollständige Genesung ein; in andern Fällen kommt es zu einer langwierigen Eiter⸗ und Absceßbildung im H., wobei ein großer Teil des eigentlichen Drüsengewebes zerstört werden kann, oder es bleibt eine chronische Verdickung und Ver-II des Nebenhodens zurück, welche, wenn sie eide Nebenhoden betrifft, dauernden Verlust des Zeugungsvermögens zur Folge haben kann. Die Behandlung besteht in Bettruhe, hoher Lagerung des entzündeten H. auf einem unt elegten kleinen Kissen oder einem straff um die Schenkel herumgeführten Tuche, sowie in der energischen Anwendung der Kälte in der Form von Eisbeuteln oder Eiswasserkompressen; bei großer Schmerzhaftigkeit sind örtliche Blutentziehungen nützlich. Wenn die Entzündung trotzdem in Eiterung übergeht, so sind warme Breiumschläge, die frühzeitige Eröffnung der Abscesse, sowie antiseptische Verbände angezeigt. 2) Die Tuberkulose des Hodens und Nebenhodens findet sich vorwiegend bei skrofulösen und tuberkulösen Personen, befällt fast nur das mittlere Lebensalter und besteht in einer harten Iabenbod tuberkulösen Infiltration des H. oder ebenhodens, welche allmählich in Erweichung und Zerfall übergeht und unregelmäßig gestaltete käsige Geschwüre und Fistelgänge in der Haut des Hodensacks bildet. Da die örtliche Tuberkulose des H. und Nebenhodens leicht Anlaß zum Ausbruch der Lungentuberkulose gibt, so muß der erkrankte H. sobald als möglich operativ entfernt werden. 3) Der Krebs oder Rarkschwamm des Hodens kommt fast nur in den mittlern und höhern Lebensjahren vor und äußert sich darin, daß sich der H. allmählich in eine weiche schwammige, faustbis kindskopfgroße Geschwulst verwandelt, welche schließlich durch Erschöpfung und Säfteentmischung den Tod des Kranken herbeiführt. (S. Krebs.) Nur eine frühzeitige und gründliche Operation kann diesen übeln Ausgang verhüten. Auch in der Haut des Hodensacks kommt eine besondere debei des Krebses vor, welche, da sie sich vorzugsweise bei Schornsteinfegern infolge der beständigen Einwirkung des Rußes vorfindet, mit dem Namen des Schornsteinfegerkrebses belegt worden ist. 4) Die Scheidenhautwassersucht des Hodens oder der Wasserbruch (Hydrocele) besteht in der krankhaften Ansammlung einer blaßgelben oder grünlichen eiweißhaltigen Flüssigkeit zwischen den beiden Blättern der sog. Scheidenhaut des H. (s. oben) und gibt sich durch eine oft ziemlich beträchliche, mehr oder minder pralle Geschwulst des Hodensacks zu erkennen, welche dem Kranken durch ihre Schwere lästig fällt und bei erheblichern Graden ein schmerzhaftes Ziehen am Samenstrang verursacht. Dieses lästige aber ungefährliche Ubel ist entweder angeboren oder entsteht nach Entzündungen der Harnröhre und des H., sowie nach Ouetschungen und anhaltenden Erschütterungen des letztern Geim Reiten), häufig auch ohne bekannte Ursache. Die Behandlung bezweckt die Entleerung der angesammelten Flüssigkeit, welche vermittelst der Punktion mit dem Troikar oder der Lanzette oder vermittelst einer durchgezogenen Schlinge von Silberdraht bewirkt wird; da aber gewöhnlich nach längerer oder kürzerer Zeit die im Wasserbruchsack enthaltene Flüssigkeit nach der Punktion wieder von neuem sich ansammelt, so verdient die radikale Operation durch Schnitt, welche eine vollständige Verwachsung und Verödung der Scheidenhauthöhle und damit sichere Heilung 5 der R entschieden den Vorzug. Der Wasserbruch der Neugeborenen und Säuglinge erfordert gewöhnlich keine besondere .Behandlung, da er in der Regel über lang oder kurz von selbst verschwindet. Hodenbruch (Hernia scrotalis), ein Eingeweidebruch, bei welchem der Bruchinhalt bis hinab Uin den Hodensack getreten ist. (S. Bruch.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 290Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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