FeedHohenlohe-Ohringen
GeschichteBrockhaus 1882

Hohenlohe-Ohringen (Hugo Friedrich Wilhelm Eugen Karl, Fürst zu), Herzog von Ujest und Graf von Gleichen, geb. 27. Mai 1816 zu Stutt-Nuum preuß. General der Infanterie à la suite der rmee und württemb. Generalmajor, hat seine Residenz zu Slawentzitz im oberschles. Kreise Kosel und ist seit 1870 Senior des fürstl. Gesamthauses H. Er ist Besitzer des Fürstentums H.⸗Ohringen und des Herzogtums Ujest, unter welchem Namen König Wilhelm J. 18. Okt. 1861 die in Oberschlesien gelegenen Fideikommißgüter zu einer freien Standesherrschaft vereinigte. Auch gehören ihm noch die Fideikommißgüter Oppurg, Posiz und Colba im Groß-Wenkom Sachsen-Weimar und die Allodialgüter ienskowitz in Schlesien, Malinowice, Pyrsowice, Gorenice, Zawada und Rudniki im ehemaligen Königreich Polen. Fürst Hugo ist Mitglied des preuß. Herrenhauses, und zwar seitdem er (18. Okt. 1861) zum Herzog von Ujest erhoben worden ist, mit erblichem Recht. Außerdem ist er erbliches Mitglied der Kammer der Standesherren in Württemberg, als welches er sich zur Zeit durch den am 21. März 1848 geborenen Erbprinzen Christian Kraft H., Rittmeister à la suite der preuß. Armee, vertreten läßt. Der Fürst war während des Deutschen Kriegs von 1866 Gouverneur von Mähren und dann Mitglied und Vizepräsident des Norddeutschen Reichstags in allen Sessionen desselben, wie auch 1871— 76 Mitglied des Deutschen Reichstags. Er vertrat 1867 — 73 den iehton Lublinitz-Tost-Gleiwitz und 1874—76 Kosel-Großstrehlitz und gehörte der sog. Deutschen Reichspartei an. Vermählt ist Fürst Hugo seit 15. April 1847 mit der Tochter des verstorbenen Fürsten Karl Egon von Fürstenberg, der Fürstin Pauline, geb. 11. Juni 1829. Aus dieser Ehe stammen neun Kinder. Hohenlohe-⸗Schillingsfürst (Chlodwig Karl Victor, Fürst zu, Prinz zu Ratibor und Korvei), deutscher Botschafter in Paris, geb. 31. März 1819 als Sohn des Fürsten Franz Joseph und der Fürstin Konstanze (geb. H.⸗Langenburg), studierte in Heidelberg, Göttingen und Bonn die Rechts⸗ und Staatswissenschaften, wurde 1842 Auskultator beim Gericht in Ehrenbreitstein, dann Referendar bei der Regierung in Potsdam und verließ diese Laufbahn 1845, um die ihm durch den Tod seines Bruders Philipp Ernst und 3on Ratbor mit seinem Bruder Victor, Herzog von Ratibor, zugefallene Standesherrschaft Schillingsfürst im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken zu übernehmen (12. Febr. 1846). In die Kammer der bayr. Reichsräte 1846 als erbliches Mitglied eingeführt, bekämpfte er die österr.⸗ ultramontane Politik der beiden Ministerien Schrenk und von der Pfordten. Nach dem Deutschen Kriege von 1866 forderte er offenen und ehrlichen Anschluß Bayerns an Preußen. Allianz Bayerns und der südwestdeutschen Staaten mit Preußen, Stellung der Kontingente unter dessen Führung im ben dis fall und Reorganisation der Armee waren die Hauptpunkte des Programms, auf das hin er 31. Dez. 1866 zum Minister des königl. Hauses und des Auswärtigen ernannt wurde. Gegen den heftigen Widerstand der Klerikalen und Patrioten setzte H. die Zolleinigung der vier süddeutschen Staaten mit Preußen durch, die zur Konstituierung des Zollparlaments führte. Im Wahlkreise Forchheim als Abgeordneter zum Zollparlament gewählt, war H. drei Sessionen lang dessen erster Vizepräsident. H.spreußenfreundliche Haltung fand scharfe Anfeindung, mehr noch seine Anregung zum Vorgehen gegen die Jesuiten und der Versuch, le tahh. die kath. Staaten Deutschlands, dann alle kath. Mächte Europas zu einer gemeinsamen Abwehr des mit dem Vatikanischen Konzil drohenden im Mas von seiten Roms zu bestimmen. In der im Mai 1869 Autramon bayr. Kammer waren die Liberalen und ltramontanen gleich stark; eine Präsidentenwahl kam nicht zu Stande; H.s Vermittelung scheiterte an dem Starrsinn der Ultramontanen. Da wurde die Kammer 9. Okt. 1869 aufgelöst; die Neuwahlen aber ergaben eine Majorität der Ultramontanen, und deshalb gab das Ministerium 26. Nov. seine Entlassung. H. und der Kriegsminister ließen sich vom Könige persönlich bestimmen, dieselbe zurückzunehmen; aber sowohl in der Kammer der Reichsräte als in der der Abgeordneten wurden förmliche Mißtrauensvoten gegen H. beantragt, die endlich nach einer leidenschaftlichen Debatte Mitte Febr. 1870 angenommen wurden. Darauf gab H. nochmals seine Entlassung; der König nahm sie 7. März an und ernannte den Grafen Bray, Gesandten in Wien, zu seinem Nachfolger. Als bayr. Reichsrat bas Den H. 30. Dez. 1870 für Eintritt Bayerns in as Deutsche Reich. In den ersten Deutschen Reichstag trat er ebenfalls als Abgeordneter für Forchheim ein, schloß sich der Liberalen Reichspartei an und wurde 23. März 1871 zum ersten Vizepräsidenten gewählt, ebenso für die Legislaturperiode 1874 — 77; im Jan. 1877 wählte ihn der Wahlkreis en 1874 abermals in den Deutschen Reichstag. eit 1874 gehörte H. indes keiner Fraktion mehr an. Eine neue große Ibm, ls im Dienste des Vaterlandes eröffnete sich ihm, als er nach der m deniichen des Grafen Arnim im Mai 1874 zum deutschen Botschafter in 9 sein ernannt wurde, auf welchem Posten er durch sein 5 2 patriotisches als umsichtiges und taktvolles Auftreten sich allgemeine Achtung und Anerkennung erwarb. Auf dem Berliner Kongreß 1878 war er dritter Bevollmächtigter des Deutschen Reichs. Nach dem Tode des Staatsministers von Bülow übernahm er 1880 interimistisch die Geschäfte eines Staatssekretärs der auswärtigen Angelegenheiten und 47 in dieser Eigenschaft im Reichstag 27. April für die Samoa-Vorlage, äußerte sich in seiner Depesche vom 5. Mai an den + Reuß, Botschafter in Wien, über das Verhalten der Centrumspartei gegenüber der Reichsregierung und präsidierte der vom 16. Juni bis 1. Juli tagenden Berliner Konferenz, welche die Grenzstreitigkeiten zwischen der Türkei und Griechenland schlichten sollte. Er kehrte Nop. 1880 auf seinen Botschafterposten in Paris zurück.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 316Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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