FeedHohentwiel
ErdkundeBrockhaus 1882

Hohentwiel, ein Saton Sing des Hegäu, 2 km nordwestlich der Station Singen der Linien Offenburg-Singen und Mannheim-Konstanz und der Linie Etzweilen-Singen der Schweizerischen Nordostbahn, gehört zum Oberamt Tuttlingen kaum 1 qkm große Enklave im Kreise Konstanz des Großherzogtums Baden. Der Berg, der eine prachtvolle Aussicht auf den Bodensee und seine Uferländer und die Alpen von Tirol bis nach Savoyen bietet, erhebt sich 692 m über das Meer und 293 m über den Spiegel des Bodensees; von Singen aus wird er in einer Stunde erstiegen; auf halber Höhe befindet sich ein Wirtshaus. Den Gipfel krönen die gewaltigen Ruinen des Klosters und der Ba H., von denen ein wohlerhaltener Turm zum Belvedere ufle sol be ist. Die Feste H. bch.n. Ehr, Alta Tuile) soll bereits im 3. oder 4. Jahrh. n. Chr. von den Römern erbaut worden sein; urkundlich wird sie zuerst 806, dann im 9. und 10. Jahrh. als schwäb. Grafen⸗ und Herpogssis erwähnt. H. wurde 915 von König Konrad I. an das 6 belagert. m 11. Rerhan kam die Burg an das oheuim sche Kaiserhaus, im 12. an die Herren von Twiel, im 13. an die Edlen von Klingenberg, hielt 1464 eine Belagerung durch den Georgenbund aus und wurde 1519 durch Vertrag für zwei Wubtte 1538 definitiv durch Kauf an Ulrich von Württemberg abgetreten. Auf den Grundmauern der alten Burg erbaute dieser 1554 die reisie deren Ruinen noch vorhanden sind. Im Dreißigjährigen Kriege wurde dieselbe 1635—44 fünfmal von kaiserl. und bayr. Truppen belagert, blieb aber, von dem tapfern württemb. Kommandanten Konrad Wiederhold (geb. 1598, gest. 1667) mit unerschütterlicher Treue verteidigt, unbezwungen. Nicht mehr Erfolg errang 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg eine Belagerung durch franz. und bayr. Truppen. Dagegen übergab die schwache Besatzung 1800 den Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. H., welcher inzwischen Staatsgefängnis geworden war, ohne Widerstand den Franzosen unter Vandamme, von denen die Festung zerstört wurde. Neuerdings hat H., von wo aus die Bahnstation Singen durch Geschützfeuer beherrscht wird, als Sperrfort wieder militärische Bedeutun erlangt. Das Benediktinerkloster auf dem Twiel soll in der ersten Hälfte des 9. Jahrh. vom Gaugrafen Hatto gestiftet worden sein, im 10. wurde es durch Hedwig, die Witwe Burkards II. von Schwaben, erweitert, von König Heinrich II. 1005 nach Stein am Rhein 7 In weitern Kreisen ist der H. besonders als Schauplatz von Scheffels Roman derdehemat bekannt. Vgl. Schönhuth, „Geschichte der ehemaligen Bergfeste H.» (Tuttlingen 1842); von Martens, (Geschichte von H.» (Stuttg. 1857); 4H., Beschreibung und Geschichte. Von O. Fraas, P. Hartmann, F. Karrer, C. Paulus u. a., heraus-Einten vom statist.⸗topogr. Bureau» (2. Aufl., tuttg. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 321Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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