FeedHoltzmann (Adolf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Holtzmann (Adolf), verdienter Germanist, geb. 2. Mai 1810 zu Karlsruhe, widmete sich erst zu Berlin theol., dann zu München unter Schmeller altdeutschen Studien und ging hierauf nach Paris, er sich unter Burnouf mit Sanskrit beschäftigte. Nach seiner Rückkehr war er seit 1837 ů90— — der jungen Prinzen von Baden, bis er 1852 als ord. Professor der deutschen Sprache und Litteratur nach Heidelberg berufen ward, wo er 3. Juli 1870 starb. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben die Ausgabe der altfränk. Übersetzung von Isidors Werk WDe nativitates (Karlsr. 1836), die Abhandlungen eÜber den Umlaut⸗ (Karlsr. 1843), lber den Ablauty (Karlsr. 1844), «über das Verhältnis der Malberger Glosse zum Text der Lex Salicay (Karlsr. 1852) und Küber den griech. Ursprung des ind. Tierkreises (Karlsr. 1844), Ind. Sagenv (3 Bde., Karlsr. 1845 — 47; 2. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1854), übersetzungen aus dem Ramayanav und «Mahabharata enthaltend, „Beiträge zur Erklärung der pers. Keilinschriften» (Karlsr. 1845). Aufsehen +2 die beiden Schriften Kelten und Germaneno (Stuttg. 1855), worin er beide Völker als identisch erweisen wollte, und Untersuchungen über das Nibelungenliedo (Stuttg. 1854), worin er Lachmanns Ansichten bekämpft. Außer zahlreichen Beiträgen zu Pfeiffers Germaniap sind noch seine kritischen Ausgaben des Nibelungenliedesv (Stuttg. 1857; 2. Aufl. 1863), der «Klager (Stuttg. 1859) und des «Großen Wolfdietericho (Heidelb. 1865) Tändeberechnt Sein letztes Werk war eine auf drei ände berechnete «Altdeutsche Grammatiko, von der aber nur Bd. 1, Abteil. 1: «Die spezielle Lautlehre⸗ (Lpz. 1870) und Abteil. 2: Vergleichung der deutschen Laute untereinander» (Lpz. 1874) erschienen. Aus seinem Nachlaß gab Holder heraus: «German. Ein. 1874) und Die ältere Edda (Lpz. 1875). darl Heinrich Alexander H., Bruder des vorigen, geb. 23. Okt. 1811 zu Karlsruhe, gest. 25. April 1865 als Direktor der Polytechnischen Schule zu Stuttgart, hat sich durch mehrere mathem., physik. und technische Arbeiten, insbesondere durch «(Grundzüge der Mechanik und Maschinenlehrev (Stuttg. 1851; 2. Aufl. 1853) bekannt gemacht. Karl Julius H., ältester Bruder der vorigen, geb. 6. Mai 1804 zu Karlsruhe, war erst Professor am Lyceum daselbst und wirkte seit 1847 als Stadtpfarrer und Lehrer am evang. Predigerseminar zu Heidelberg, bis er 1861als Prälat in den erneuerten evang. Oberkirchenrat in Karlsruhe eintrat. Als Mitglied der Generalsynoden von 1861, 1867, 1871 und 1876 wirkte er für das Zustandekommen und die Erhaltung der neuen bad. Kirchenverfassung. Er starb 23. Febr. 1877 zu Karlsruhe. Heinrich Julius H., Sohn des letztern, geb. 17. Mai 1832 zu Karlsruhe, seit 1861 außerord., seit 1865 ord. Professor der Theologie zu Heidelberg, seit 1874 in gleicher Eigenschaft an der Universität zu Straßburg, hat sich litterarisch bekannt gemacht durch die Schriften Kanon und Tradition (Ludwigsb. 1859), eine dogmengeschichtliche Arbeit; „Die synoptischen Evangelien, ihre Entstehung und ihr geschichtlicher Charaktern (Lpz. 1863), die «Kritik der Cpheser⸗ und Kolosserbriefer (Lpz. 1872) und „Die Pastoralbriefe, kritisch und exegetisch behandeltz (Lpz. 1880), sowie durch die Herausgabe der neutestamentlichen Partien in Bunsens «Bibelwerko. Auch veröffentlichte er zwei Sammlungen Predigten » (Elberf. 1865 u. Lpz. 1873) und zahlreiche Abhandlungen, besonders in der geitschrift für wissenschaftliche Theologiev, in den »Jahrbüchern für prot. Theologie:n und in der «Prot. Kirchenzeitung». H. ging ursprünglich von der sog. Vermittelungstheologie aus, befreite sich aber mehr und mehr von den Voraussetzungen derselben und gilt gegenwärtig, bei aller Mäßigung seines Auftretens, als einer der geachtetsten Vertreter der freisinnigen Richtung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 341Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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