FeedHopfen (Humulus Lupulus)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Hopfen (Humulus Lupulus), die einzige Art ihrer Gattung, welche zu den Hanfgewächsen (Cannabineen) gezählt wird, eine zweihäusige, windende Pflanze, deren große Fruchtdeckblätter am Grunde innen mit kleinen harzigen Körnern besetzt sind; letztere enthalten eine bitter-gewürzhafte Substanz, das Lupulin, das zum Würzen des Bieres unentbehrlich ist. Die in Wäldern und Hecken wild wachsende Stammart enthält in ihren Fruchtzapfen zwar ebenfalls jene Oldrüsen, liefert aber ein sehr eringes Produkt, das zur Brauerei untauglich ist. Unter den zahlreichen Kulturformen unterscheidet man Früh⸗ und Späthopfen, von denen jener von vorzüglicherer Qualität ist und ein feineres Aroma hat, dieser aber reichern Ertrag gibt. In Böhmen unterscheidet man zwischen Rothopsen und Grünhopfen; jener ist die gangbarste und zugleich edelste Sorte, welche vorzugsweise in der uü Gegend kultiviert wird; seine Ranken nehmen kurz vor der Reife der Frucht rühen eine rötliche Farbe an. Er ist wegen seiner frühen Zeitigung hochgeschätzt und in seinem Aroma unübertroffen. Der Grünhopfen wird hauptsächlich in der auschaer Gegend gebaut, steigt weniger hoch und braucht deshalb weniger Der Stangen, doch ist seine Qualität geringer. er Pommernsche oder Hengsthopfen ist nur eine Unterform des Rothopfens. In Bayern baut man sowohl Früh⸗ wie Späthopfen; letzterer bringt zwar reichern Ertrag als der Frühhopfen, aber seine Fruchtzapfen Deoma weniger Lupulin und verlieren rasch ihr Aroma. Man unterscheidet grün⸗, blau⸗ und rotrankige. Der Hopfenbau Englands kennt außerordentlich viele Sorten, von denen der Golding, eine Frühsorte, wegen seines hohen Ertrags und seines Reichtums an Aroma allen andern Sorten vorgezogen wird. Mit dem in Saaz, Spalt, Hersbruck u. s. w. blühenden Hopfenbau rivalisiert der von Neutomysl in der Provinz Posen und von Buckow in der Mark Brandenburg, beide begründet durch Joh. Jakob Flatau, der schon von 1838 an unermüdlich thätig war, den Hopfenbau zu einem Zweige des preuß. Nationalreichtums zu erheben. H. läßt sich in Boden aller Art bauen, wenn er nur tiefgründig und nahrhaft ist und nicht an stockender Nässe leidet. In Betreff der Lage zeigt die Erfahrung, daß diejenige dem H. am gedeihlichsten ist, welche gegen Süden, Südosten und Südwesten geneigt und gegen Nord⸗ und Ostwinde geschützt ist. Der Aufnahme des einträglichen Hopfenbaues tritt in holzarmen Gegenden die Schwierigkeit in den Weg, Stangen von 8 bis 10 m Länge, wie viele Hopfensorten sie verlangen, zu beschaffen. Unter Umständen aber lassen sich die Stangen durch viel billigere Drahtgerüste ersetzen. Trotz der bedeutenden Kosten der Anlage und Unterhaltung einer Hopfenpflanzung, sowie der Ernte, der Trockengerüste u. s. w. ist der Ertrag derselben noch bedeutend. Zur Anlage einer Pflanzung ist die Benutzung von sog. Fechsern die vorteilhafteste. Hierunter versteht man letztjährige Stocksprossen älterer

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 390Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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