Hottentotten heißen ursprünglich bei den Holländern die Ureinwohner der Südspitze Afrikas, welche sich selbst Khoi-khoi-n, d. i. Menschen der Menscheno (Menschen αr eSor) nennen und zusammen mit den Buschmännern (s. d.) eine nach physischer Beschaffenheit von den übrigen Völkern des afrik. Kontinents geschiedene Rasse bilden. Die H. zerfallen in drei Abteilungen: die sog. Kolonialhottentotten im Kapland, die Korana, auch Kora und Koraqua (d. i. Koramänner) genannt, und die Nama oder Namaqua. Die schmutzig-olivengelbe Gesichtsfarbe, der niedrige Schädel, die durch meist breite, sehr hervortretende Backenknochen fast eckige Gesichtsform, die dicken Lippen, eine platte, zwischen kleinen Augen liegende Nase, sowie der kleine Wuchs machen die H. zu einer überaus charakteristischen Rasse. Die Gesichtszüge der 77* namentlich älterer Individuen, sind häßlich und wegen des stark vorstehenden Mundes IU Nur die Korana unterscheiden sich durch höhern Wuchs, körperliche Stärke, belebte Augen, wohlgebildetere Gesichter und größere Intelligenz. Ihre wohlorganisierte Sprache besitzt eine Menge ziemlich schnell und mit heiserer Stimme aus hohler Brust hervorgestoßener, scharf aspirierter Kehllaute, sowie mehrere ganz eigentümliche Schnalzlaute (clicks), weshalb dieselbe nach dem ersten Eindruck, den sie hervorbringt, mit der Sprache der an Kröpfen leidenden Alpenbewohner verglichen worden ist. (Vgl. über deren Bau Fr. Müller, 4Grundriß der Sprachwissenschaftꝰ, Bd. 1, Abteil. 2, Wien 1877.) Rein finden sich die H. nur in den nördl. Gegenden, namentlich unter den Namas, während die innerhalb der Grenzen der ehemals holländ. Kapkolonie wohnenden sog. Kolonialhottentotten, die 1828 durch eine Akte des brit. Gouverneurs Burke den Weißen gesetzlich gleichgestellt wurden, sich mannigfach mit Europäern, Kaffern, Malaien, Negern und andern Einwanderern verbunden haben, sodaß auch ihre Sprache zu einem aus hottentottischen, holländ. und kafferschen Worten gemengten Patois geworden ist. Obgleich unreinlich, dem Trunke im höchsten Grade ergeben und äußerst leichtsinnig, werden sie doch auch, da sie willig, gefällig, gutmütig und meist ehrlich sind, von den Bauern gern als Hirten und Wagenlenker in Dienst genommen. Ihre Za innerhalb der Kapkolonie beträgt (1875) 98561, die der nördlich davon wohnenden wird auf 20000 geschätzt. (S. Tafel: Afrikanische Menschen— stämme, Fig. 3.) Aus Vermischung von CEuropäern und Hottentottenfrauen ist eine eigene Varietät, die Griquas (s. d.), hervorgegangen. Vgl. Fritsch, Die Eingeborenen Südafrikas. Ethnographisch und anatomisch beschriebend (Bresl. 1873).