FeedHottinger
ErdkundeBrockhaus 1882

Hottinger ist der Name eines alten Geschlechts der Stadt Zürich, aus dem mehrere bekannte Gelehrte hervorgegangen sind. Johann Heinrich H., ein berühmter Orientalist des 17. Jahrh., geb. zu Zürich 10. März 1620, studierte 1638 —41 in Genf,‚, Groningen und Leiden besonders orient. Sprachen und kehrte, nachdem er Frankreich und England bereist, 1641 nach Zürich zurück, wo er 1642 als Professor angestellt wurde. Durch seine zahlreichen Schriften, welche meist die semit. Sprachen, orient. Geschichte und Altertümer, Kirchengeschichte u. s. w. betrafen, erwarb er sich sehr bald einen solchen Ruf in der gelehrten Welt, daß der Kurfürst von der Pfalz ihn 1655 hich Heidelberg berief. Im J. 1661 kehrte er nach Zürich zurück, wo ihm 1662 die Würde eines beständigen Rektors der Universität übertraen wurde. Im J. 1667 wollte er einem wiederholten Rufe an die Universität zu Leiden folgen, ertrank aber bei der Abreise in der Limmat. Von seinen Schriften haben noch gegenwärtig den meisten Wert der «Thesaurus philologicus, seu clavis scripturaep (Zür. 1644; 3. Aufl. 1696) und das Etymologicum orientale, sive lexicon harmonicum heptaglottono (Frankf. 1661). Von seinen Söhnen überlebten ihn: Johann Heinrich H., geb. 1647, gest. 1692 als Professor der orient. Sprachen in Zürich; Salomon H., geb. 1649, gest. 1713 als Professor der Medizin und Physik in Zürich; Johann Konrad H., geb. 1655 gest. 1730; Johann Jakob H., geb. zu Züri 1652, gest. 18. Dez. 1735 als Professor der Theologie zu Zürich, von dessen zahlreichen Schriften die „Helvetische Kirchengeschichtev (2 Bde., Zür. 1708 —20) noch immer geschätzt wird. Ein Urenkel des letztern, Johann Jakob H., geb. 1750, gest. 4. Febr. 1819 als Professor und Chorherr zu Zürich, machte sich rühmlich bekannt des Cicero: De divinatione, sowie als Asthetiker und Litterator. Nächst seiner Preisschrift Versuch einer Vergleichung der deutschen Dichter mit den Griechen und Römern» (Mannh. 1789) sind zu erwähnen: „Bibliothek der neuesten theol., philos. und Bodmero (Zür. 1785), «lüiber Salomon Geßnero Gür. 1796), &0puscula oratoriav (Zür. 1816). Mit Wieland und Jaeobs vereinigte er sich zur Herausgabe des Neuen attischen Museumv. ohann Jakob H., namhafter histor. Schriftsteller, geb. 18. Mai 1783 zu Zürich, studierte hier und zu Leipzig Theologie, erhielt eperon Lehrerstelle an der Töchterschule, 1820 eine Professur an der Kunstschule und 1833 die Professur der Geschichte an der Universität Zürich und wirkte in der Folge als Mitglied des Erziehungsrats, des Großen Rats und des Regierungsrats seines Kantons wesentlich mit an der Neugestaltung des züricherischen Schulwesens. Er starb 17. Mai 1860. Von H.s Schriften sind besonders . „Geschichte der schweiz. Kirchentrennungo (Bd. 1 u. 2, Zür. 1825 —27), die eine Fortsetzung zu Johs. von Müllers „Schweizergeschichtes bildet; ferner «Huldreich Zwingli und seine Zeito (Zür. 1841), Vorlesungen über die Geschichte des Untergangs der Eidgenossenschaft und der 13 Orter (Zür. 1844), Hans Konrad Escher von der Lintho (Zür. 1852). Mit Vögeli gab er Bullingers Reformationsgeschichtes (Bd. 1—3, Frauenf. 1840), mit Escher das Archiv für schweiz. Geschichte und Landeskunder (3 Bde., Zür. 1827— 29), mit Wackernagel und Gerlach das «Schweiz. Museum für histor. Wissenschaftenv (3 Bde., Frauenf. 1837—39) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 414Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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