FeedHubertusburg
GeschichteBrockhaus 1882

Hubertusburg, früher kurfürstl. Jagdschloß nahe bei dem Dorfe Wermsdorf, in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, wurde 1721 vom nachmaligen König und Kurfürsten August III. noch als Prinz mit großem Aufwande erbaut, 1748 von diesem erweitert und verschönert, im Siebenjährien Kriege aber 1760, gleichsam zur Sühne für die erwüstung des Schlosses Charlottenburg, durch die Preußen bis auf die kath. Kapelle größtenteils zerstört, nachher zwar wiederhergestellt, doch nicht in seiner frühern 2½½%7 Die darin 1774 angelegte königl. Steingutfabrik ward 1834 verkauft. In den Napoleonischen Kriegen benutzte man das Schloß als Lazarett. In neuerer Zeit verlegte man in die weiten Räume desselben verschiedene Straf- und Versorgungsanstalten, errichtete neue Gebäude dazu und umgab das ganze, etwa 2 km umfassende Gebiet mit einer Mauer. Gegenwärtig ist das Jeiwoch Miluart welches bis in die neueste Zeit noch als Militärmagazin benutzt wurde, zum rößten Teil mit weiblichen Irren belegt, in den ebengebäuden und Neubauten befinden sich, nachdem 1874 die Strafanstalten weggelegt wurden, folgende Landesanstalten: das Versorgungshaus für unheilbare Irre weiblichen Geschlechts, das Krankenhaus mit Siechhaus, ein Hospital für ältere Leute beiderlei Geschlechts, das Pfleghaus zur Unterbringung unheilbar Gebrechlicher, eine Erziehungsanstalt für bildungsfähige s chwachsinnige, so- wie eine Pflegstation für bildungsunfähige, blödsinnige Kinder und in dem Gebäude der nach Moritzburg versetzten Blindenvorschule die von Königswartha nach H. verlegte Heil⸗ und Pflegeanstalt für epileptische Kranke. Die Zahl der in der Anstalt Untergebrachten beträgt über 2000; zur Unterhaltung des den Namen Vereinigte Landesanstalten führenden Ganzen werden aus Staatsmitteln jährlich über 390000 Mark verausgabt. Vgl. Bergsträßer, «Die königl. sächs. Strafanstalten. Insbesondere die Strafanstalten zu H., nebst einer Zeschichte des Schlosses u. s. w. » (Lpz. 1844); Riener, Das Schloß H. sonst und jetzto (Os chatz 1881). Einen europ. Namen erlangte das schon früher n weiten Kreisen durch die daselbst abgehaltenen länzenden Jagdfeste und Parforcejagden berühmt zewordene Schloß H. infolge des daselbst 15. Febr. 763 von Preußen, Osterreich und Sachsen untereichneten sog. Hubertusburger Friedens, velcher den Siebenjährigen Krieg beendigte, nachdem zu Paris 10. Febr. 1763 zwischen Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal der Friede u Stande gekommen war. Der Hubertusburger Friede befestigte die Stellung Preußens unter den ersten Mächten Europas. Maria Theresia entsagte in demselben allen ihren Ansprüchen auf die in den Friedensschlüssen zu Breslau und Berlin 1742 an Preußen abgetretenen Provinzen Schlesien und Glatz; Friedrich d. Gr. gab dem König von Polen und Kurfürsten von Sachsen sein Kurfürstentum zurück; der Dresdener Friede von 1745 wurde bestätigt und das Deutsche Reich namentlich in den Vertrag mit eingeschlossen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 425Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6