Hohenheim, im württemb. Neckarkreise, Oberamt Stuttgart, 13 km im SSoO. von Stuttgart, mit 270 E. und einer berühmten landwirtschaftlichen Akademie 05 schule mit Universitätsrang), ist eine württemb. Staatsdomäne, welche früher einem Adelsgeschlecht gehörte, dem Theophrastus Paracelsus entstammte. Die Besitzung fiel 1768 als eröffnetes Lehn dem Herzog Karl anheim, welcher 1782 für seine Gemahlin Franziska darauf ein Schloß erbaute, dessen Größe und Umgebungen mit Versailles wetteifern sollten. Eine große Obstbaumschule, heute noch berühmt, ward durch den Vater Schillers daselbst angelegt. Nach des Herzogs 1793 zu H. erfolgtem Tode zerfiel die alte Pracht H.s sehr rasch, und das Schloß sank fast zur Ruine herab, nachdem es zuletzt noch den Dienst eines Militärhospitals (1814 geleistet. Erst 1817 ward Schloß und Gut dur König Wilhelm zu einer landwirtschaftlichen Unterrichts⸗, Versuchs⸗ und Musteranstalt für Württemberg bestimmt und trat als solche unter der Direktion von Schwerz 1818 ins Leben. Im J 1820 ward auch die Forstschule von Stuttgart nach H. verlegt, wo sie bis zu ihrer Verbindung mit der Universität Tübingen 1881 blieb. Nach Schwerz hatte die Anstalt zu Direktoren: den Freiherrn von Ellrichshausen (1828—32), Volz (bis 1837), Weckherlin (bis 1845), Pabst (bis 1850), Walz (bis 1865), Werner (bis 1872) und Rau (bis 1882). Daneben wirken 10 ordentliche Professoren und 9 Hilfslehrer. Die Zahl der Studierenden beträgt durchschnittlich 80 — 90. Der prorammmäßige Lehrkursus dauert vier Semester. Die Akademie hat eine Bibliothek von etwa 12000 Bänden, eine Modell-⸗ und eine Naturaliensammlung, ein chem. Laboratorium, physik. Kabinett, einen botan. Garten, sowie Versuchsfelder im Meßgehalt von 11.33 ha, welche zum Anbau der 314 Hohenheim (Franziska Theresia, R verschiedenen Nutzpflanzen, zur Anstellung von Kultur⸗ und Düngungsversuchen verwendet werden; eine Obstbaumschule, eine Seidenzucht- und Abhaspelanstalt, eine chem.⸗technische Fabrik mit ierbrauerei, Branntweinbrennerei u. s. w., einen Bienenstand, eine von Wasser getriebene Mahlmühle (Kunstmühle) und eine Ackergerätefabrik, welche vorzügliche Modelle von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten liefert. Die Gutswirtschaft wird auf einem Areal von über 300 ha betrieben. Die Felder werden teils nach dem Fruchtwechselsystem mit Luzernbau, teils nach dem Wechselwirtschaftssystem mit künstlicher Schafweide (Koppelwirtschaft) angebaut. Sie umfaßt außerdem Wässer⸗ und Trockenwiesen, Baumwiesen und Schafweiden, Maulbeer⸗, Weiden⸗, Rohr⸗ und wilde Holzpflanzungen, Hopfen⸗, Wein⸗ und Gemüsegärten. Die Arbeitstiere sind Ochsen und Pferde, die Nutztiere Rindvieh und Schafe. Das hohenheimer Forstrevier von mehr als 2200 ha wird von einem Oberförster verwaltet, dem zugleich der forstliche Unterricht für die Landwirte übertragen ist. Zu dem landwirtschaftlichen Institut gehört außer der Akademie und der Gutswirischaft eine neu eingerichtete Molkereianstalt, ferner eine chem. Versuchsstation mit Versuchsstall, Laboratorium und Vegetationshaus, eine meteorolog. Beobachtungsstation, eine Ackerbauschule mit dreijährigem Kursus für 25 württemb. Bauersöhne, eine Gartenbauschule mit einjährigem Kursus für sechs württemb. junge Gärtner (Baum⸗ und Gemüsegärtner). Vgl. Fröhlich, «Das Schloß und die Akademie H.» (Leonberg 1870); ferner „Die land-und forstwirtschaftliche Akademie H.» (Stuttg. 1863) und «Festschrift zum fünfzigijährigen Jubiläum der königl. land⸗ und forstwirtschaftlichen Akademie H.»(Stuttg. 1868).