FeedHufe
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Hufe (althochdeutsch huoba, mittellat. seit der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. mansus) hieß bei den alten Deutschen im engern Sinne das Ackerlos, welches einem jeden Familienhaupt in der Mark— genossenschaft (vicus) zur Bebauung überwiesen war. Im weitern Sinne gilt jedoch das Wort für den Inbegriff von Hof, Ackerlos und Nutzung an dem uneingeteilt gelassenen, allen einzelnen Genossen gemeinschaftlich verbliebenen Teile der Mark (Wald, Weide, Wiese, Wasser und Unland). Es bildete somit H. die Grundlage für die wirtschaftlichen wie die rechtlichen Verhältnisse des Grund— besitzes bei den alten Deutschen. Die H. im engern Sinne, oder das Ackerlos, befaßte im allgemeinen so viel Land, als mit einem Pfluge oder Gespann bestellt werden kann und demnach der Arbeitskraft einer Familie entspricht. Ihr durchschnittliches Maß betrug gewöhnlich 30, zuweilen aber auch 20 oder 40 Morgen (s. d.). Wie der Morgen, so konnte, natürlich auch die H. je nach den verschiedenen Gegenden oder Bodengattungen mehr oder minder verschieden ausfallen. Allmählich konsolidierte sich jedoch der Begriff des Morgens wie auch der H. in verschiedenen Gegenden oder selbst einzelnen Orten und wurde auf diese Weise zu einer Art von Ackermaß, nach dem die Größe der Bauergüter (Ein⸗, Zwei⸗, Anderthalbhüfner u. s. w.) bestimmt oder auch solches Land, das nicht der Kultur unterlag (Wasserhufen, Waldhufen u. s. w.) bemessen wurde. n einigen Gegenden Deutschlands kamen auch fingierte H. (Schattenhufen) vor, wonach Einwohner eines Dorfs, die keinen Acker hatten, ihre Steuern entrichten mußten. Vgl. Waitz, Küber die altdeutsche H. (Gött. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 432Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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