FeedHutungsrecht
Recht & StaatBrockhaus 1882

Hutungsrecht oder Weideservitut ein aus veralteten wirtschaftlichen Verhältnissen hervorgegangenes Recht, wonach der Besitzer eines Grundstücks auf den Feldern und Grundstücken des andern vor der Aussaat und nach der Ernte, sowie während der Brachzeit seine Herden zu weiden berechtigt ist. Anfangs anscheinend eine unbedeutende und selbst notwendige und nützliche Konzession, wurde das H. höchst nachteilig, als die Inhaber desselben verlangten, daß es fortwährend in alter Weise müsse ausgeübt werden können und leine Anderung erleiden dürfe. Die Inhaber forderten deshalb, daß die Bewirtschaftung stets die gleiche bleiben, der gleiche Teil des Grundstücks brach liegen, die Aussaat nicht früher, die Ernte nicht später als hergebracht vorgenommen werden solle u. s. w. So kam es dahin, daß das H., welches den Berechtigten sehr wenig einbrachte, den Verpflichteten außerordentlich schadete. Die Verpflichteten mußten auf alle Verbesserungen des Wirtschaftssystems verzichten und den Anbau mancher Fruchtarten unterlassen u. s. w. Auch dem Waldbau brachte das H. oft empfindlichen Nachteil. Fast überall ist man daher nach und nach, des Widerspruchs der Berechtigten ungeachtet, zur Aufhebung und Ab-Wann des H. geschritten (s. Grundlasten), und man konnte dies um so unbedenklicher thun, als das System der Stallfütterung mehr und mehr Eingang fand und sich als vorteilhaft erwies. Namentlich ist auch der Einwand, daß die Schafzucht nur bei dem Bestehen des H. erhalten werden könne, durch die Erfahrung widerlegt worden. Besonders nachteilig erscheinen die Koppelhutungen und Koppelweiden, bei denen mehrere Grundeigentümer ihr Vieh gemeinschaftlich auf ihre Grundstücke treiben. Nicht nur endlose Streitigkeiten gingen daraus hervor, sondern es wurden auch Viehkrankheiten verbreitet. Hiac“., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Huxley.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 487Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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