FeedHugenotten (Huguenots)
ReligionBrockhaus 1882

Hugenotten (Huguenots), ursprünglich Spottname, dann allgemein gebräuchliche Bezeichnung e der franz. Protestanten im Reformationszeitalter.“ Der Name hat nichts gemein mit Hugo, sondern ist wohl verstümmelt aus Ignots, Iguenots (Eidgenossen), wie sich die Reformierten in Genf nannten, weil sie es mit der schweiz. Eidgenossenschaft hielten. Bald nach Beginn der Reformation in Deutschland zeigten sich auch Anhänger derselben in Frankreich. Unter dem Schutz der Königin Margarete von Navarra erfüllten Männer wie Gerhard Roussel und Jakob Lefevre weite Kreise mit reformatorischen Ideen. Als später Calvin auftrat, griff unter dem Adel und dem Mittelstande der Abfall von der röm. Kirche noch mehr um sich. Aber schon Franz I. unterdrückte trotz seiner Sympathien für die Bewegung dieselbe durch Strafgesetze und ließ viele Ketzer verbrennen. Die Verbindung Heinrichs II. mit den deutschen Protestanten leistete anfangs der Reformation einigen Vorschub. Dies änderte sich, als das Haus der Guise (s. d.) bei Hofe gegen die Bourbons die Oberhand gewann; sie rissen Franz II. fort zur Unterdrückung des Protestantismus durch Scheiterhaufen und Richtschwert. Solcher Gewaltmißbrauch trieb endlich die Protestanten zur Empörung und sie wählten den Prinzen Ludwig I. Condé (s. d.) zu ihrem Haupt. Am 1. Febr 1560 wurde zu Nantes beschlossen, den König um Religionsfreiheit und Entfernung der Guisen zu bitten; im Weigerungsfall sollte der König in Gewahrsam genommen und Condé zum Generalstatthalter proklamiert werden. Doch der Hof, der den Plan erfuhr, floh von Blois nach Amboise und ernannte den Herzog Frangois von Guise zum Generalstatthalter. Als einige Scharen bewaffneter Protestanten vor Amboise rückten, wurden sie geschlagen und gefangen; 1200 starben durch Henkershand. Die Guisen betrieben jetzt die Wiedereinführung der Inquisition, bewirkten aber nur, daß durch das Edikt von Romorantin (1560) den Parlamenten die Ketzerverfolgung abgenommen und den Bischöfen übertragen wurde. Während die Guisen mit der Ermordung der prot. Häupter umgingen, bestieg der unmündige Karl IX. den Thron. Die Königin-Mutter, Katharina von Medici, entfernte die herrschsüchtigen Guisen vom Staatsruder und machte den schwachen Anton von Bourbon zum Generalstatthalter. Die Guisen stifteten eine Gegenverbindung, das sog. Triumvirat, wodurch Katharina genötigt wurde, ihre Stütze in den Protestanten zu suchen. Im Juli 1561 erschien ein Edikt, das die Todesstrafe der Ketzer sowie den Schimpfnamen H. abschaffte. Zur völligen Beilegung des Streites eröffnete der Hof auf den 3. Sept. ein Religionsgespräch zu Poissy. Der Kardinal von Lothringen und gegen ihn Theodor Beza waren die Hauptkämpfer. Die Unterredung hatte nur zur Folge, daß sich sämtliche Protestanten unter dem Namen Calvinisten vereinigten und nun mit größerer Kühnheit auftraten. Zugleich sah sich Katharina durch die Umtriebe der Triumvirn genötigt, mehr als je mit den Protestanten gemeinschaftliche Sache zu machen. Am 17. Jan. 1562 erschien ein Edikt, das ihnen Gewissensfreiheit und dem Adel auf seinen Gütern freie Religionsübung gewährte. Am 1. März 1562 entstand zu Vassy zwischen dem Gefolge des Herzogs von Guise und den Protestanten, die in einer Scheune Gottesdienst hielten, eine blutige Metzelei, welche die Protestanten als Friedensbruch ansahen. Das Blutbad von Vassy war das Signal zum ersten Hugenottenkrieg. Condeé begab sich nach Orléans und rief seine Glaubensgenossen zu den Waffen, während sich die Guisen des Königs und seiner Mutter bemächtigten und die Protestanten für Aufrührer erklärten. Nachdem Guise 11. Sept. 1562 unter großem Blutvergießen Rouen erobert, kam es 19. Dez. zur Schlacht bei Dreux, wo die Protestanten nach heftigem Kampfe das Feld räumten. Guise zog nun vor Orléans, verlor aber daselbst 18. eil 1563 das Leben. Die Königin-Mutter schloß eiligst 19. März den Frieden von Amboise, der den Protestanten, mit Ausnahme gewisser Bezirke und Städte, freie Religionsübung verschaffte. Katharina indessen haßte den neuen Glauben und hatte sich der Protestanten nur zur Vernichtung der Guisen bedient. Sie schloß jetzt zur Ausrottung der Ketzerei ein enges Bündnis mit Spanien, beschränkte die kaum gewährte Freiheit im Aug. 1564 durch das Edikt von Roussillon und trachtete Condé und dem Admiral Coligny (s. d.) fortwährend nach Freiheit und Leben. Die beiden Häupter der prot. Sache faßten endlich den Entschluß, sich auf den 29. Sept. 1567 des Königs zu Monceaux zu bemächtigen. Der Hof floh jedoch nach Paris, das Condé einen Monat einschloß. Am 10. Nov. kam es zwischen dem Prinzen und dem Connétable Montmorency bei St.⸗Denis zur Schlacht (zweiter Hugenottenkrieg), wobei sich 2700 Protestanten gegen den siebenmal stärkern hiera aufs heldenmütigste schlugen. Condé zog ierauf nach Lothringen, vereinigte sich mit einem 10000 Mann starken Hilfskorps, das ihm der kurpfälz. Prinz Johann Kasimir aus Deutschland zuführte, und bedrohte von neuem Paris. Katharina schloß daher den Frieden zu Longjumeau 27. März 1568, der den Vertrag von Amboise wiederherstellte. Dessenungeachtet fuhr sie fort, die Protestanten zu verfolgen; 3000 wurden ermordet oder hingerichtet. Condé und Coligny flohen nach Rochelle, wo auch die Königin Johanna von Navarra mit ihrem 15jährigen Sohn, dem spätern König Heinrich IV. von Frankreich, eintraf. Nachdem sich die Protestanten aus Deutschland durch Mannschaft, aus England durch Geld und Geschütz verstärkt, begannen sieden dritten Hugenottenkrieg. Am 13. März 1569 verloren sie aber gegen den Herzog von Anjou, den nach⸗ .—— König Heinrich III., bei Jarnge eine heiße Schlacht, wobei auch Condé durch Meuchelmord siel. Die Königin von Navarra suchte ihre Glaubensgenossen auf einer Versammlung zu Cognac in einer feurigen Rede wieder aufzurichten und stellte ihren Sohn als das Haupt der prot. Sache auf, dem man auch den Treueid leistete. Coligny hingegen übernahm die Leitung des Kampfes. Nachdem er sich 15. Juni 1569 mit einem Korps von 11000 Deutschen vereinigt, das ihm der Herzog Wolfgang von Zweibrücken und, als dieser unterwegs starb, der Graf Volrad von Mansfeld zuführte, belagerte er Poitiers, wurde aber 3. Okt. von Anjou bei Moncontour geschlagen. Der Hof benutzte jedoch den Sieg nicht, und Coli ) zog aus England, der Schweiz und Deutschland bedeutende Verstärkung an sich, eroberte noch 1569 Nimes und entsetzte Rochelle, während Lanoue die Hoftruppen bei Lugon besiegte. Unter diesen Verhältnissen suchten Katharina und ihr Sohn Frieden, den die Protestanten zu ihrem Nachteil bewilligten. Der zu St.⸗Germain-en-Laye 8. Aug. 1570 geschlossene Vertrag gab den Protestanten Amnestie, freie Religionsübung, mit Ausnahme von Paris, und zahlreiche Sicherheitsplätze. Katharina versuchte jetzt die Reformation, die sie im offenen Felde nicht zu bewältigen vermochte, auf den Rat der Guisen durch Mord und Verrat zu vernichten. Nachdem die prot. Großen durch die Vermählung Heinrichs von Navarra mit des Königs Schwester und durch Vorspiegelung eines beabsichtigten Kriegs mit Spanien nach Paris gelockt und daselbst durch Schmeichelei sicher gemacht worden waren, schritt der Hof in der Nacht des Bartholomäusfestes, vom 24. zum 25. Aug. 1572, zu einer allgemeinen Niedermetzelung der Ketzer. (S. Bartholomäusnacht.) Gegen 5000 Protestanten, darunter Coligny, wurden zu Paris, 30000 binnen zwei Monaten in den Provinzen gemordet. Obwohl durch diese Frevelthat ihrer Führer beraubt, griffen die Protestanten dessenungeachtet zu den Waffen und begannen den vierten Hugenottenkrieg. Sie verschlossen den Hoftruppen ihre wichtigsten Städte und verteidigten dieselben mit Hartnäckigkeit. Der Herzog von Anjou, nachdem er vor Rochelle sein Heer eingebüßt, benutzte seine Berufung auf den poln. Königsthron und schloß 24. Juni 1573 Frieden, nach welchem die Protestanten Non Religionsübung in ihren Sicherheitsplätzen: Montauban, Nimes und Rochelle, übrigens sog. Gewissensfreiheit erhielten. Eine kath. Adels⸗ und Hofpartei, die sog. Politiker, an deren Spitze der Herzog von Alengon, der jüngste Sohn Katharinas, stand, traten jetzt mit den Protestanten zum gemeinsamen Widerstande gegen das Regiment der Königin-Mutter und der Guisen in Verbindung. Katharina bewog deshalb nach dem Tode Karls IX. ihren dritten Sohn, den König Heinrich III., sogleich den Kampf gegen die Protestanten wieder zu beginnen (fünfter Hugenottenkrieg). Gegen Erwarten nahm indessen im Laufe des J. 1575 die prot. Sache die günstigste Entwickelung: die Königlichen verloren viele feste Plätze, wurden bei Gordes von Montbrun besiegt und boten vergebens den Frieden an. Der Prinz Heinrich I. Condé führte mit dem Pfalzgrafen Johann Kasimir ein starkes Korps aus Deutschland herbei und vereinigte sich im März 1576 zu Moulins mit dem unzufriedenen Herzog von Alengon, sodaß das prot. Heer 35000, das königliche unter dem Herzog von Mayenne nur 18000 Mann zählte. Überdies machte Heinrich von Navarra in Guyenne kräftige Fortschritte. Der Hof schloß deshalb 8. Mai zu Beaulieu einen Frieden, der den Protestanten endlich volle Religionsfreiheit und sehr viele Sicherheitsplätze gewährte. Zugleich bezahlte der König die deutschen Hilfsvölker. Her-Va Heinrich I. Guise rief jedoch jetzt einen kath. und, die Heilige Ligue (s. Liga), ins Leben. Auch der König mußte, um der Bewegung Herr zu bleiben, 6. Nov. 1576 auf dem Reichstage zu Blois diesem Bunde beitreten und demzufolge den se chsten

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 438Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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