FeedIgnatius der Heilige
ReligionBrockhaus 1882

Ignatius der Heilige, Bischof von Antiochien, angeblich Schüler des Apostels Johannes und deshalb zu den Apostolischen Vätern gerechnet. Er führt den Beinamen Theophoros, d. h. der Gott im Herzen trägt, nach der Legende, weil er das Kind gewesen sei, das Jesus seinen Jüngern als Muster hingestellt habe. Nach der zuverlässigsten überlieferung ist er zur Zeit des Trajanischen Partherkriegs zu Antiochien selbst während der Anwesenheit des Kaisers im Cirkus von Löwen zerrissen worden (20. Dez. 115). Eine andere Angabe läßt ihn dagegen nach Rom transportiert und dort unter dem Konsulat des Suburranus und Marcellus (103 n. Chr.) den Löwen vorgeworfen werden. Letztere überlieferung findet sich in den röm. Märtyrerakten des J., welche neuerdings Dressel im Vatikan aufgefunden hat, wogegen sie in den bisher bekannten Akten mit der Angabe, I. sei zur Zeit des Partherkriegs des Trajan Märtyrer geworden, unklar vermischt ist. Die röm. Kirche, welche den Heiligen für sich beanspruchte, feiert, abweichend von den Griechen, sein Fest 1. Febr. Die Sage von der Märtyrerreise des J. von Antiochien nach Rom liegt auch den unter seinem Namen aufbewahrten Briefen zu Grunde. Dieselben sind besonders für die Geschichte des Episkopats im 2. christl. Jahrhundert wichtig, aber die übertriebene Hochschätzung der bischöfl. Würde erregte schon seit dem 17. Jahrh. begründeten Verdacht. Die Briefe liegen in dreifacher Gestalt vor. Die weiteste Recension von dreizehn Briefen wurde allgemein als teils unecht, teils interpoliert erkannt, seit eine kürzere Gestalt von sieben Briefen (an die Epheser, Magnesier, Philadelphener, Trallianer, Smyrnäer, Römer und an Polykarp), welche schon dem Eusebius bekannt, wieder aufge-i funden worden war. Doch wurde auch ihre Echt⸗ — schon von Dalläus, neuerdings besonders von aur und Hilgenfeld bestritten. Eine noch kürzere Gestalt von nur drei Briefen (an die Römer, Epheser und an Polykarp, und auch diese drei in kürzerer Recension) wurde 1845 von Cureton in syr. Text herausgegeben (mit reicherm Apparat im „(Corpus Ignatianumo, Lond. 1849). Der Herausgeber und mehrere deutsche Gelehrte verteidigten die Echtheit der letztern und suchten die bisherige kürzere griech. Gestalt von sieben Briefen als interpoliert zu erweisen. Indessen ist gegenwärtig so iemlich allgemein anerkannt, daß die drei syr. riefe nur ein Excerpt aus den sieben griechischen sind. Die Unechtheit der letztern steht aber darum nicht weniger sicher. Schwerlich sind dieselben früher als um 170 n. Chr. entstanden. Eine armenische Übersetzung, welche dreizehn Briefe umfaßt, wurde von Petermann (Lpz. 1849) herausgegeben. Eine neuere Ausgabe seiner Briefe findet sich im zweiten Heft der von Harnack, Gebhardt und Zahn herausgegebenen Patrum Apostolicorum opera (Lpz. 1876). Vgl. Zahn, «J. von Antiochieno (Gotha 1873); Harnack, «Die Zeit des J.v» (Lpz. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 532Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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