FeedIgor
GeschichteBrockhaus 1882

Igor, der Sohn Ruriks, geb. 912, kam nach Oleg zur Regierung und unterwarf die Drevjanen aufs neue. Dann veranstaltete er zwei Feldzüge nach Griechenland; beim ersten im J. 941 wurden ihm seine Schiffe durch Griechisches Feuer verbrannt; beim zweiten Feldzug 944 bot der griech. Kaiser Lakapen gleich im voraus Lösegeld und es kam zu einem Bündnis zwischen J. und Byzanz. Im J. 945 wurde J. bei Erhebung der Abgaben unter den Drevjanen von diesen erschlagen. Igor Olegowitsch unternahm 1144 einen Feldzug nach Galizien und Polen, war dann kurze Zeit Großfürst von Kiew, mußte ins Kloster gehen und ward 1146 bei einem Volksaufstand in Kiew ermordet. Später nahm man ihn in die Zahl der russ. Heiligen auf. Igor Swijatoslawitsch, Fürst von Nowgorod-Ssiewersk, der Sohn von Swjatoslaw von Tschernigow, geb. 1151, gest. 1202, führte 1185 mit seinem Bruder Wßewolod einen unglücklichen Feldug gegen die Polowzer, ward am Fluß Kajala gescplagen⸗ gefangen genommen, aber entfloh später. Den Feldzug besingt das älteste Denkmal der russ. (richtiger kleinruss.) Kunstpoesie, das episch-lyrische Lied vom Heereszug Igorso (SLoVo o polku Igorevën), von einem unbekannten Verfasser, wahrscheinlich einem Kampfgenossen im Gefolge J.s geschrieben. Es wurde 1795 vom Grafen Alexej Musin-Puschkin in einem Sammelbande vom Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrh. gefunden und zuerst in Moskau 1800 herausgegeben. Das Original ging 1812 beim Brande von Moskau unter. Eine zweite Abschrift desselben mit Varianten fand sich 1864 in den Papieren der Kaiserin Katharina II. und wurde von Pekarskij (Petersb. 1864) herausgegeben. Von den zahlreichen Ausgaben und Kommentaren des «Liedes » (von Dobrenskij, Hattala, Erben, Fürst Wjasemskij u. a.) sind besonders die von kleinruss. Verfassern bemerkenswert: Maksimowitsch, Ogonowskij (Lemb. 1876), Potebnja (Kiew 1878); deutsche Übersetzungen von Joseph Müller (Prag 1811), Aug. Boltz (Berl. 1854; mit Originaltext, Grammatik und Glossar) und von Paucker (Berl. 1884; mit Einleitung und Anmerkungen).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 533Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 9

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6