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TechnikBrockhaus 1882

Instrument (lat.) heißt im allgemeinen ein Werkzeug, welches zu wissenschaftlichen, künstlerischen oder technischen Zwecken dient, daher man vonmathematischen, astronomischen, physikalischen, chirurgischen und andern J. spricht. Insbesondere aber in der Musik hat das Wort Heimatsrecht erlangt, weil sich das J. hier gleichsam in ein lebendiges, an Sprache und Ausdruck eigentümliches Wesen verwandelt. Musikalische Instrumente nennt man alle Werkzeuge, Körper und Maschinen, die zur Klangerzeugung verwendet werden. Nach den verschie— denen Weisen, wie sie intoniert, d. h. zum Erklingen gebracht werden, lassen sie sich in drei Klassen teilen: in Saiten⸗, Blas- und Schlaginstrumente. Die Saiteninstrumente teilt man wieder in Streich— oder Bogeninstrumente und in harfenartige, die Blasinstrumente in Holz- und Messinginstrumente ein. Eigentlich gibt es nur zwei Arten der Tonerzeugung; entweder ist ein in Schwingung ge— setzter fester, elastischer Körper oder ein gebroche— ner Luftstrom das tongebende Element. Als klingende Körper können die verschiedenartigsten Stoffe in sehr verschiedenartiger Form und Anwendung dienen, z. B. Metall- und Darmsaiten, Holz- und Metallblättchen oder Zungen, gegerbte Tierfelle, Glas- und Metallglocken u. s. w., die wiederum entweder durch Reibung, wie Violon, Violoncello, Bratsche, Violine, Gambe und Harmonika, oder durch Reißen, wie Harfe und Guitarre, oder durch Schlagen mit Hammer oder Klöppel, wie Piano— forte, Hackebrett, Pauken und Tamtam, oder durch Wind, wie Oboe, Klarinette, Fagott, Physharmonika und die Zungenwerke in der Orgel, zum Erklingen gebracht werden. Von der zweiten Art sind nur wenige Blasinstrumente, nämlich die Flöte, die Schnabelflöte (Hlute douce), das Flageolet, der Czakan und alle Labialstimmen der Orgel. Trompete, Horn und Posaune rechnet man in der Regel zur ersten Gattung. Ob aber wirklich die Lippen des Bläsers, wie bei den Zungenstimmen, und nicht vielmehr der durch sie gepreßte Luftstrom, wie bei den Labialstimmen, das eigentliche Agens sei, ist noch zu erweisen. Die ältesten, schon bei den Agyptern, Hebräern und Griechen bekannten J. waren harfen-und zitherartige Saiten-, sowie flöten- und trompetenartige Blasinstrumente. Geigeninstrumente mit Bogen waren den Alten unbekannt und wurden seit dem frühen Mittelalter in reichster Mannigfaltigkeit ausgebildet. Spätern Ursprungs ö sind Fagott und Oboe; die Klarinette wurde erst um 1690 erfunden. Die Klavierinstrumente ver-1 danken ihren Ursprung (vor dem J. 1500) nicht bloß dem Versuche, das ältere Hackebrett mit einem bequemen Mechanismus zu versehen, sondern vornehmlich dem Bestreben, ein passendes Instrument für freie accordliche, nicht contrapunktische Harmonie zu gewinnen. Gleichzeitig oder ein wenig früher ist die endliche Vervolllommnung der Orgel zu setzen, obwohl die ersten Anfänge ihrer Erfindung in die vorchristl. Zeit hinaufreichen. Von den zahlreichen neuerdings erfundenen J. hat nur die Physharmonika eine große Verbreitung gefunden. — liber die genannten musikalischen J. vgl. die einzelnen Artikel. Instrumentälis, grammatikalischer Casus (s. d.), zur Bezeichnung des Mittels oder Werkzeugs, existiert noch z. B. in den slaw. und litauischen Sprachen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 628Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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