Jacobi (Friedr. Heinr.), namhafter deutscher Philosoph, geb. zu Düsseldorf 25. Jan. 1743, wurde von seinem Vater, einem wohlhabenden Kaufmann, ebenfalls für den Kaufmannsstand bestimmt. In Genf, wo er sich zwei Jahre aufhielt, gewann er eine solche Liebe zu wissenschaftlicher Beschäftigung, daß er nur ungern 1762 in seine Vaterstadt zurückkehrte, um des Vaters Handlung zu übernehmen. Nachdem er mehrere Jahre das Handelsgeschäft getrieben, wurde er durch die Vermittelung des Grafen von Goltstein 1772 zum Mitgliede der julich-bergischen Hofkammer ernannt. Durch seinen ältern Bruder wurde er 1771 mit Wieland belannt; noch mehr aber wirkte Goethe auf ihn ein, dessen Bekanntschaft er 1774 machte. Nach dem Tode seiner Frau (geborene von Clermont aus Vaels bei Aachen) folgte er 1779einem Rufe nach München, wo er Geheimrat wurde. Infolge der polit. Bewegung — er 1794 nach Holstein und hielt sich dann bald in Wandsbeck und Hamburg, bald in Eutin auf, bis er 1804 einen Ruf an die neuzubildende Akademie der Wissenschaften in München erhielt. Im J. 1807 wurde er Präsident der Akademie, legte aber diese Stelle 1813 nieder. J. starb 10. März 1819. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: „Woldemaro (2 Bde., Flensb. 1779, Ausg. letzter Hand, Opz. 1825), (Eduard Allwills Briefsammlunge (Bresl. 1781; Ausg. letzter Hand, Lpz. 1826), «Über die Lehre des Spinoza, in Briefen an Mendelssohn (Bresl. 1785; neue Aufl. 1789), Dav. Hume über den Glauben, oder Idealismus und (Hamb. 1799). J. hat sowohl als Dichter wie als Philosoph auf die deutsche Litteratur einen bedeutenden Einfluß ausgeübt. Wie seine beiden Romane durchweg den Stempel des Philosophischen und Didaktischen tragen, so ist auch seine Philosophie eine poetische, gefühlvolle und religiöse zu nennen. Seine philos. Schriften geben, in meistens aphoristischer Form und frei von aller steifen Schulterminologie, das kämpfende Nachdenken eines religiös erregten Geistes mit eindringlicher Beredsamkeit zu erkennen. Man bezeichnet den Standpunkt seiner Philosophie als Gefühlsphilosophie, weil er die Vernunft für ein unmittelbar sicheres Gefühlsvermögen, alle Verstandeserkenntnis durch Nachdenken hingegen nur für ein abgeleitetes Wissen von minderm Werte ansah. Von diesem Standpunkt führte er heftigen Streit gegen Mendelssohn, Kant, Fichte und Schelling. Die mit dem letztern durch J.s Schrift Von den göttlichen Dingen und ihrer Offenbarungo (Lpz. 1811; 2. Aufl. 1822) veranlaßte Streitigkeit wurde von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführt. An seine „Werkes (6 Bde., Lpz. 1812 —24) schließt sich der von F. Roth herausgegebene «Auserlesene Briefwechselo (2 Bde., Lpz. 1825—27). Später erschien „Briefwechsel zwischen Goethe und J.v (Lpz. 1846); Gildemeister, J. G. Hamanns Leben und Schriftend (Bd. 5: „Briefwechsel J.s mit Hamann v», Gotha 1868); Zöppritz, Aus Friedrich Heinrich J.s Nachlaßo (2 Bde., Lpz. 1869). Vgl. Schlichtegroll, Weiller und Thiersch, «Friedrich Heinrich J nach seinem Leben, Lehren und Wirkeno (Münch. 1819); Kuhn, «J. und die Philosophie seiner Zeit (Mainz 1834); Rößler,De philosophandi ratione Friderici Henrici J.I (Jena 1848); Deycks, «Friedrich Heinrich J. im Verhältnis zu seinen Zeitgenossen o (Frankf. 1848); Fricker, „Die Philosophie des Friedrich Heinrich J.» (Augsb. 1854); Zirngiebl, Friedrich Heinrich J.s Leben, Dichten und Denken» (Wien 1867); Harms, «über die Lehre von Friedrich Heinrich J.» (Berl. 1876).