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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Jacquard (Joseph Marie, nach andern Charles), der Erfinder der Jacquardmaschine, geb. 7. Juli 1752 in Lyon, war als Kind in einer Fabrik broschierter Seidenstoffe beschäftigt, wurde dann Buchbinderlehrling, hierauf Schriftgießergehilfe, wendete sich aber später der Seidenweberei wieder zu und richtete 1772 bei Lyon eine Werkstätte für gemusterte Seidenstoffe ein. Doch hatte er hiermit tein Glück und mußte in einem Gipsbruch zu Bugey bei Lyon Beschäftigung suchen. Als Teilnehmer an der Verteidigung Lyons gegen die Armee des Konvents floh er nach der Übergabe der Stadt 1793 und diente hierauf bis 1795 in der Rheinarmee. Nach Lyon zurückgekehrt, widmete er sich mit Eifer der Idee einer Verbesserung der sog. Zugstühle (der zu jener Zeit zum Weben gemusterter Stoffe allgemein gedräuchlichen Vorrichtungen). Diese Stühle enthielten eine große Anzahl von Schnüren, die durch langwierige Arbeit vorgerichtet und beim Weben von einem Gehilfen des Webers mit der Hand in bestimmter Ordnung angezogen wurden, um die Kettenfäden des Gewebes in der erforderlichen Weise für jeden Einschuß zu heben. Schon vor 1790 hatte J. den Gedanken gefaßt, durch einen mechanischen Apparat den Zichungen entbehrlich zu machen. Im J. 1801 konnte er den allerdings noch unvollkommenen Apparat im Modell und im folgenden Jahre im Großen ausführen. Veranlaßt durch eine Preisaufgabe, konstruierte er hierauf eine Maschine zum Netzstricken, die ihm 1804 eine goldene Medaille und eine Staatsbelohnung von 3000 Frs., sowie eine Anstellung im Conservatoire des arts et métiers in Paris verschaffte. Als er hier die Reste einer von Vaucanson für die Musterweberei bestimmten, höchst komplizierten Maschine sah und dieselbe wiederherstellte, erkannte er mit genialem Scharfblick die als Grundlage einer zweckmäßigern Maschine beizubehaltenden Bestandteile. Bald darauf kehrte er nach Lyon zurück und hatte bis 1808 seinem Apparat eine völlig neue Gestalt gegeben, in welcher die frühere Konstruktion bei weitem übertroffen war. Schon 1812 zählte man in und um Lyon 18000 Jacquardstühle Seit 1815 verbreiteten sich dieselben auch nach andern Ländern; 1834, beim Tode des Erfinders, waren mehr als 30000 derartige Webstühle im Gebrauch; gegenwärtig hat die Erfindung J.8 überall die früher üblichen Vorrichtungen zum Musterweben fast ganz verdrängt. Diese Maschine macht es möglich, die größten und künstlichsten Muster in den verschiedensten gewebten Stoffen durch einen Weber ohne alle Beihilfe auszuführen, den Mustern eine früher völlige unthunliche Ausdehnung zu geben, jeden Stuhl mit sehr geringem Zeitaufwand für ein neues Muster vorzubereiten und ein beiseite gelegtes jeden Augenblick ohne neu zu treffende Vorrichtungen weiter zu weben. J. starb in Oullins bei Lyon am 7. Aug. 1834; 1840 wurde ihm in Lyon ein bronzenes Standbild errichtet. Vgl. Grandsard, (J., sa vie etc. (Lille 1869; 2. Aufl. 1875); Kohl, „Geschichte der Jacquardmaschine nebst der Biographie J.8 (Berl. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 767Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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