FeedJäger (Johs.)
Sport & SpielBrockhaus 1882

Jäger (Johs.), Humanist, s. Crotus Rubianus. ägerndorf (böhm. Carnow), ein gegenwärtig teils zum leobschützer Kreise des Regierungsbezirks Oppeln der preuß. Provinz Schlesien, größtenteils jedoch zum österr. Herzogtum Schlesien gehöriges Fürstentum, ehedem ein Bestandteil des Herzogtums Ratibor-Troppau, tritt erst 1429 als ein besonderes Fürstentum auf, als Nikolaus V., ein Enkel Herzog Johanns I. von Ratibor, seinen Sitz in der Stadt F. aufschlug. Als dessen Sohn Austenen 1483 kinderlos gestorben war, kam das Fürstentum an dessen Schwester und Erbin Barbara und ihren Gemahl Georg von Schellenberg. Dieser verkaufte das Ländchen 1523 an den hohenzoll. Markgrafen Georg den Frommen (gest. 1549 dessen Sohn Georg Friedrich ward 1557 von Kaiser Ferdinand I. mit J. belehnt, überließ aber das Fürstentum nebst den Derrschaften Beuthen und Oderberg 1595 dem Kurprinzen Joachim Friedrich von Brandenburg als Geschenk, welches dieser, nachdem es ihm 1598 auch als Kurfürsten bestätigt war, nach dem Tode des Markgrafen Georg Friedrich 1603 übernahm. Der Kurfürst trat schon 12. April 1607 J. nehst Beuthen und Oderberg an seinen zweiten Sohn Johann Georg zur selbständigen Regierung ab mit dem Vorbehalt, daß nach dem Aussterben der männlichen Nachkommenschaft desselben die Länder auf immer mit dem Kurstaat Brandenburg vereinigt werden sollten. Kaiser Rudolf II. erklärte jedoch dieselben als durch den Tod Georg Friedrich's erledigte Lehne, die an Böhmen zurückfallen müßten, versagte allen Verträgen innerhalb des brandenb. Hauses seine Genehmigung und verlangte die Räumung. Johann Georg behauptete sich indes im Besitz. Nachdem aber schon 1617 Beuthen und Oderberg auf dem Rechtswege der Krone Böhmen zugesprochen, erklärte 22. Jan. 1621 Kaiser Ferdinand II. den Johann Georg wegen seiner Parteinahme für den von den Böhmen zum König erwählten Friedrich V. von der Pfalz in die Reichsacht, und J. wurde nach kaiserl. Resolution vom 15. März 1622 durch Lehnbrief vom 13. Mai 1623 dem Fürsten Karl von Liechtenstein übertragen. Johann Georg kämpfte bis zu seinem Tode (2. März 1624) im Verein mit Bethlen Gabor von Siebenbürgen vergeblich für sein Recht. Auch seinem Sohne, dem Markgrafen Ernst (geb. 18. Jan. 1617), welcher bei dem Beginn der böhm. Unruhen erst ein Jahr alt war, blieb sein Erbe vorenthalten. Mit dem kinderlosen Tode desselben (24. Sept. 1642) gingen seine Ansprüche auf Brandenburg über. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm erklärte die Einziehung des Fürstentums für rechtswidrig und erlangte 1686 als Entschädigung den Kreis Schwiebus. Allein da dieser, zufolge eines geheimen Traktats mit dem damaligen Kurprinzen Friedrich, 1694 wieder an den Kaiser zurückzugeben war, so machte König Friedrich II. 1740 die hierdurch wieder begründeten Ansprüche Preußens auf Schlesien geltend und erlangte in dem den ersten Schlesischen Krieg beendigenden Frieden 1742 unter anderm auch den diesseits der Oppa gelegenen Teil der Fürstentümer J. und Troppau nebst dem vorher zu Mähren gehörigen Distrikt Katscher. Im preuß. Anteil von J. ist der Hauptort Leobschütz (s. d.). Im österreichisch gebliebenen Anteile des Fürstentums ist der Hauptort die Stadt Jägerndorf an der Oppa, am Fuße des Burgbergs, an der Mährisch-Schlesischen Eisenbahn und durch Zweigbahn nach Leobschütz mit der Oberschlesischen Cisen⸗ f! und eines Bezirksgerichts. Dieselbe zählt (1880) 11792E. und hat ein fürstl. Liechtensteinsches Schloß, eine schöne Dekanatskirche, ein Minoritenkloster, eine Hauptschule und eine Realschule. Auch sind noch die Trümmer der Burgen Lobenstein und Schellenberg vorhanden. Der Ort unterhält starke Tuchfabrikation, Maschinenfabriken, Woll-undLeinweberei. Im Mai 1745 fanden bei J. zwei Gefechte ! zwischen den Preußen und Osterreichern statt, und 11. üure 1779 zogen die letztern in einem Gefechte 4 den Trop Vgl. Biermann,⸗Geschichte der Herzogtümer Troppau und J.v» (Teschen 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 776Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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