Johann Georg J., Kurfürst von Sachsen, 1611 —56, Sohn des Kurfürsten Christian I., geb. 5. März 1585, wurde 23. Juni 1611 der Nachfolger seines verstorbenen Bruders Christian II. Er nahm seit 1607 an der Regierung teil und vermählte sich in demselben Jahre in zweiter Ehe mit der Tochter des Markgrafen Albert Friedrich von Brandenburg, Magdalene Sibylle. Den größten Teil der Zeit seiner langen Regierung füllte der Dreißigjährige Krieg, in welchem der der Jagdlust und dem Trunk unmäßig ergebene Fürst durch sein unentschiedenes religiös und politisch beschränktes Benehmen die übelste Rolle spielte. Durch den Hofprediger Hoé von Höönegg, welcher ganz im österr. Sinne handelte, beraten, schloß er sich 1620 dem Kaiser Ferdinand II. an, unterwarf diesem die Lausitz, die ihm schon vorläufig als Hypothek zugesichert war, und 1621 auch Schlesien. Unzufrieden wegen der Achtung Friedrichs V. von der Pfalz, der Übertragung der Kurwürde an Maximilian von Bayern, wegen der Intriguen über die Lausitz und der Rekatholisierungsversuche in Böhmen und Schlesien, begann er mehr und mehr sich vom Kaiser abzuwenden. Durch den Brandenburger Hans Georg von Arnim, vordem Wallensteins Waffengefährten, geleitet, brachte er 1631 einen Bund der prot. Stände zu Leipzig zusammen, der ihnen eine selbständige Stellung zwischen Schweden und Habsburg sichern sollte, aber nur zum Anschluß Sachsens an Gustav Adolf führte. Ebendeshalb gab er sich nicht bedingungslos den Schweden hin, und fortwährend schwankend gedieh bald sein Plan, sich ganz von Schweden loszusagen, zur Reife. Im Frieden, welchen er mit dem Kaiser zu Prag 30. Mai 1635 abschloß, erhielt er die ihm bisher verpfändete Lausitz erb⸗- und eigentümlich. Nachdem der Kurfürst 6. Okt. 1635 dem Königreich Schweden den Krieg erklärt, wurde sein Land von dem kaiserl. Heere und nachher von den Franzosen nicht minder wie von Schweden furchtbar heimgesucht, bis er sich mit Schweden 27. Aug. 1645 zu Kötzschenbroda bei Dresden zu einem Waffenstillstande vereinigte. Im Westfälischen Frieden ward er im Besitze der Lausitz sowie der Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg bestätigt, das Erzbistum Magdeburg aber nur auf die Lebenszeit des Administrators August ihm überlassen, nach dessen Tode es an Brandenburg fiel. Er starb 8. Okt. 1656. Zufolge seines Testaments entstanden durch seine vier Söhne nächst der Kurlinie noch drei regierende Linien, Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz.